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Das Canon RF 45 mm f/1,2 STM im Test: Klein, lichtstark und günstig

Technologie

Wer sich als Fotograf für das kreative Spiel mit geringer Schärfentiefe, weichem Bokeh und bewusster Fokussierung auf bestimmte Bildbereiche begeistert, für den sind in erster Linie sehr lichtstarke Festbrennweiten interessant. Neben den oft vergleichsweise günstigen Festbrennweiten mit Offenblende f/1,8 und den etwas lichtstärkeren, aber auch teureren Objektiven mit Blende f/1,4 gelten Festbrennweiten mit extremer Lichtstärke von f/1,2 als das Nonplusultra für Bokeh-Fans. Der Haken dabei: Objektive mit dieser Lichtstärke sind oft recht groß, schwer und zudem sehr kostspielig. Ein Blick in das Vollformatobjektiv-Line-up des spiegellosen Canon-R-Systems bestätigt das. Hier kostet das RF 50 mm f/1,2 L USM beispielsweise 2.450 Euro (zum Zeitpunkt des Testberichts). Für das RF 85 mm f/1,2 L USM zum Preis von 2.900 Euro muss man sogar noch tiefer in den Geldbeutel greifen. Mit dem RF 45 mm f/1,2 STM für nur 480 Euro (zum Zeitpunkt des Testberichts) eröffnet Canon auch Hobbyfotografen mit kleinem Budget die Möglichkeit, die kreativen Gestaltungsspielräume voll auszuschöpfen, die sich durch die große Blendenöffnung f/1,2 ergeben. Dazu gehören beispielsweise Aufnahmen mit sehr geringer Schärfentiefe, bei denen Vorder- und Hintergrund in der Unschärfe liegen. Das ist eine gute Möglichkeit, um das Auge des Betrachters auf ein bestimmtes Objekt oder eine Szene zu lenken. Die Unschärfe kann aber auch dazu genutzt werden, eventuell unruhige Vorder- und Hintergründe zu „beruhigen“, da Details in der Unschärfe verschwimmen. Darüber hinaus bietet die große Offenblende Vorteile bei schwach beleuchteten Umgebungen. Bei Blende f/1,2 kann auch in Innenräumen oder zur Dämmerung am Abend länger aus der freien Hand fotografiert werden, ohne dass die ISO-Einstellung der Kamera für eine noch aus der Hand umsetzbare Belichtungszeit allzu stark erhöht werden muss. Abgesehen davon lässt sich das Objektiv mit einer festen Kleinbild-Brennweite von 45 Millimetern vielseitig einsetzen. Von Streetlife-Aufnahmen über Events bis hin zu kreativen Produktaufnahmen und Porträts sind alle Möglichkeiten offen. Hinzu kommt ein wesentlicher Vorteil gegenüber den eingangs erwähnten Canon-Festbrennweiten mit Blende f/1,2: Das RF 45 mm f/1,2 STM ist mit Abmessungen von 78 x 75 Millimetern und einem Gewicht von 346 Gramm deutlich kompakter und leichter als die Schwestermodelle. Das RF 50 mm f/1,2 L USM misst im Vergleich 90 x 108 Millimeter und wiegt 950 Gramm. Das RF 85 mm f/1,2 L USM mit längerer Brennweite ist 103 Millimeter breit, 117 Millimeter lang und wiegt 1,2 Kilogramm. Damit ist das RF 45 mm f/1,2 STM deutlich platzsparender und mobiler. Selbstverständlich geht diese Größen- und Gewichtsersparnis nicht ohne Kompromisse einher. Im nächsten Schritt schauen wir uns deshalb an, welche Ausstattung enthalten ist und worauf Fotografen für den günstigen Preis verzichten müssen. Das Canon RF 45 mm f/1,2 STM macht grundsätzlich einen wertigen Eindruck. Der Fokusring hat einen angenehm hohen Drehwiderstand, der präzise manuelle Fokussierungen ermöglicht. Hinzu kommt ein Steuerring mit festen Raststufen, der sich über das Kameramenü mit Funktionen wie der Blendenwahl oder der ISO-Steuerung belegen lässt. Ein kleiner Wermutstropfen für Filmer ist, dass sich der Einstellring im Fall des RF 45 mm f/1,2 STM nicht auf eine stufenlose Bedienung umstellen lässt. Es kann also passieren, dass das Klacken bei jedem Rastpunkt auf der Tonspur des internen oder des oben auf der Kamera angesetzten externen Mi­kro­fons zu hören ist. Außerdem gibt es einen AF/MF-Schalter, mit dem sich schnell zwischen automatischer und manueller Fokussierung wechseln lässt. Das Gewinde vorne am Objektiv nimmt Schraubfilter mit einem Durchmesser von 67 Millimetern auf. Die Verarbeitung des Gehäuses wirkt sauber und präzise. Das obere Kunststoffmaterial macht auf den ersten Blick allerdings keinen besonders robusten Eindruck. Wir vermuten, dass man hier ein bisschen aufpassen muss, um keine Kratzer zu verursachen. Leider verzichtet Canon auch auf Dichtungen gegen Staub und Feuchtigkeit. Selbst der oft typische Dichtungsring hinten am Anschluss fehlt. Hier merkt man deutlich den Unterschied zu den teureren Schwestermodellen der professionellen L-Linie von Canon. Bei Regen oder in staubiger beziehungsweise sandiger Umgebung ist also etwas Vorsicht geboten. Ein weiterer Unterschied zeigt sich beim Autofokus. Während Canon bei den Modellen RF 50 mm f/1,2 L USM und RF 85 mm f/1,2 L USM Ultraschallmotoren (USM) verwendet, kommt beim RF 45 mm f/1,2 STM ein Schrittmotor (STM) zum Einsatz. Letzterer eignet sich aufgrund gleichmäßigerer Fokussierbewegungen besser für Filmaufnahmen. Wer nun glaubt, der STM-Motor könnte den USM-Pendants der auf Profis zugeschnittenen Schwestermodelle deutlich unterlegen sein, wird sich wundern. Im Vergleich zum RF 50 mm f/1,2 L USM mit ähnlicher Brennweite ist der Schrittmotor-Autofokus des RF 45 mm f/1,2 STM mit einer im CHIP-Testlabor ermittelten Auslöseverzögerung von 0,46 Sekunden dem Ultraschallmotor des RF 50 mm mit 0,36 Sekunden tempomäßig unterlegen. Dennoch: Der STM-Motor überzeugt mit einer ähnlich guten Präzision und einer sehr niedrigen Standardabweichung. Die Naheinstellgrenze für die automatische sowie manuelle Scharfstellung liegt beim RF 45 mm f/1,2 STM bei 45 Millimetern ab der Sensorebene der Kamera. Wenn eine derart extreme Lichtstärke von f/1,2 für nur 480 Euro angeboten wird, stellt sich unweigerlich die spannende Frage, welche Abbildungsleistung das Canon RF 45 mm f/1,2 STM bietet. Beim optischen System setzt der Hersteller auf eine Konstruktion aus neun Linsen in sieben Gruppen. Darunter befindet sich lediglich eine Speziallinse. Zum Vergleich: Das RF 50 mm f/1,2 L USM arbeitet mit 15 Linsen in neun Gruppen, darunter vier Speziallinsen. Wie sich im CHIP-Testlabor offenbart, muss sich das RF 45 mm f/1,2 STM bei den Messungen zur Auflösung sowie zu typischen Abbildungsfehlern dem hochpreisigeren RF 50 mm f/1,2 L USM deutlich geschlagen geben. Das ist bei einem solch großen Preisunterschied jedoch nicht verwunderlich. Schauen wir uns die Unterschiede im Detail an. Das RF 45 mm f/1,2 STM macht im Bildzentrum sowohl bei Offenblende als auch zweifach abgeblendet eine gute bis sehr gute Figur. Bei Blende f/1,2 erreicht es eine Auflösung von 2.622 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh). Das entspricht 86 Prozent der theoretisch möglichen Auflösung der Messkamera Canon EOS R5. Zweifach abgeblendet kommt es im Zentrum sogar auf 2.932 Lp/Bh, was sehr guten 96 Prozent entspricht. Das RF 50 mm f/1,2 L USM ist mit 92 bzw. 98 Prozent zwar etwas besser, dennoch ist das günstigere RF 45 mm nah dran. Deutlicher wird der Qualitätsunterschied hingegen in den Bildecken. Hier sinkt die Auflösung des RF 45 mm bei Offenblende auf 1.462 Lp/Bh (48 Prozent) ab. Zweifach abgeblendet sind es 1.767 Lp/Bh (58 Prozent). Zum Vergleich: Das RF 50 mm f/1,2 liefert bei f/1,2 80 Prozent und nach zweimaligem Abblenden sogar 90 Prozent in den Ecken. Bei den typischen Abbildungsfehlern zeigt das RF 45 mm bei Offenblende einen sichtbaren Helligkeitsverlust vom Bildzentrum in Richtung der Ecken von 1,5 Blendenstufen, der aber zweifach abgeblendet fast vollständig verschwindet. Farbsäume werden in den JPEGs gut korrigiert. In den RAW-Dateien sieht man sie hingegen teilweise sehr deutlich.

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