"das", "du", "ist", "da" und "ja": Kennst du das Zipfsche Gesetz?
Unsere Sprache folgt erstaunlichen Regeln: Manche Wörter benutzen wir ständig, andere nur selten. Forscher haben entdeckt, dass ein ähnliches Muster auch in Vogel- und Walgesängen steckt. Die komplexen Gesänge des japanischen Mövchens, einer Finkenart, aber auch die Rufe von Buckelwalen zeigen ein Muster, das auch typisch für menschliche Sprachen ist. Das berichtet ein internationales Forscherteam um Simon Kirby und Inbal Arnon von der Universität Edinburgh im Fachblatt "Science Advances". Die Sprachforscher verweisen dazu auf das sogenannte Zipfsche Gesetz: Dieses besage grob, dass in einer Sprache das am häufigsten benutzte Wort etwa doppelt so oft auftaucht wie das zweithäufigste, etwa dreimal so häufig wie das dritthäufigste und so weiter. Studien haben ergeben, dass dieses vom US-Linguisten George Kingsley Zipf entdeckte Muster im Grundsatz auf alle menschlichen Sprachen zutrifft. Kirby, Arnon und Kollegen verweisen in ihrer Studie auf Erkenntnisse, wonach dieses Häufigkeitsmuster unter anderem Kindern das Erlernen von Sprache erleichtert. Für das Deutsche etwa hat die Linguistin Katja Stärk untersucht, wie häufig bestimmte Wörter vorkommen, wenn Eltern mit Kindern sprechen, und dabei eine Zipf-Verteilung entdeckt. Dabei kam "das", am häufigsten vor, gefolgt von "du", "ist", "da" und "ja". Häufig verwendete Silbengruppen sind tendenziell kürzer Das Team um Kirby wollte nun wissen: Gilt das Zipfsche Gesetz möglicherweise für alle Formen der Kommunikation, die nicht genetisch vererbt, sondern von Generation zu Generation über Nachahmen und Lernen weitergegeben werden? Solche kulturell weitergegebenen Lautmuster gibt es nicht nur bei Menschen. Auch bei bestimmten Vögeln und Walen ist bekannt, dass Jungtiere Gesänge von älteren Tieren erlernen. Das Team wertete nun Daten aus, die Co-Autor Kazuo Okanoya von der Teikyo-Universität in Japan bereits 2010 veröffentlicht hatte. Er hatte die Gesänge des Japanischen Mövchens (Lonchura striata domestica) untersucht. Bei diesen Prachtfinken singen Männchen während der Balz komplex strukturierte Strophen. In der neuen Analyse untersuchten die Forscherinnen und Forscher nicht nur die Verteilung bestimmter Laute, sondern sie analysierten auch die Abfolge der Silben – also kurzer festgelegter Tonfolgen. Dabei, entdeckten sie, dass die Vögel bestimmte Sequenzen besonders häufig wiederholen - ähnlich, wie es in der menschlichen Sprache bei Wörtern der Fall ist. "Häufig verwendete Silbengruppen sind tendenziell kürzer, während seltener verwendete Gruppen tendenziell länger sind", sagt Kazuo Okanoya, der an der Auswertung seiner Daten beteiligt war und das Zipfsche Gesetz bestätigt sieht. Grundmuster für jede Art von erlernter Kommunikation? Damit wiederholte sich, was Kirby und Arnon 2025 bereits im Fachjournal "Science" für Buckelwale beschrieben hatten: Auch dort folgt die Häufigkeit von Sequenzen dem Zipfschen Gesetz. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass einige der grundlegenden Eigenschaften, die Sprache ausmachen, überall dort entstehen können, wo Kommunikation erlernt und von einer Generation an die nächste weitergegeben wird – und dass dies bei evolutionär weit voneinander entfernten Arten geschieht", schlussfolgert Arnon. Empfehlungen der Redaktion So verblüffend schlafen Wale Das seltsame Verschwinden der Spatzen Ist es unhygienisch, wenn eine Wespe auf dem Essen landet? Gesänge von Vögeln und Walen seien allerdings nicht das Gleiche wie menschliche Sprache, betonen die Autoren. Sie dienten vor allem der Partnerwerbung, nicht aber der Übermittlung komplexer Bedeutungen. Aber: "Wir Menschen sind zwar die einzige Spezies mit Sprache, doch wir teilen den Planeten mit mehreren anderen Arten, die ebenfalls über eine sich kulturell weiterentwickelnde Kommunikation verfügen – und das könnte uns einander ähnlicher machen, als wir bisher dachten", sagt Kirby. Das Zipfsche Gesetz könnte damit ein Grundmuster für jede Art von Kommunikation sein, die erlernt werden muss – ganz gleich, ob von Tieren oder Menschen. (dpa/bearbeitet von sav)