Das große Schlager-Sterben im Fernsehen: Anna-Carina Woitschack schimpft und hat recht
Mit „Immer wieder sonntags“ wird demnächst einer von vielen Schlager-Shows der Stecker gezogen. Anna-Carina Woitschack bedauert den Trend und legt den Finger in die Wunde. Die Zeiten der ZDF-Hitparade mögen schon lange vorbei sein, der Schlager an sich ist aber eine deutlich beständigere Gattung, als viele vermuten würden. Ob in der alten Bundesrepublik oder in der DDR, immer wieder fanden und finden eingängige Lieder über Fernweh, Liebeskummer und Lebensfreude ihr Publikum. Freilich, wer Sprechgesang hört oder zum harten Blues von AC/DC die Haarpracht im Wind wehen lässt, konnte mit Heino, Frank Schöbel und Co. noch nie etwas anfangen und wird auch mit Helene Fischer oder Andrea Berg nicht warm. Die Geschmäcker sind erfreulicherweise verschieden und genau diese Vielfalt sollte auch im Fernsehen abgebildet werden, zumindest im Öffentlich-rechtlichen, das neben seinem Bildungsauftrag auch die Förderung von Kunst, Musik und Theater als Kernaufgabe zu erfüllen hat. Neuausrichtung trifft Schlager-Fans Seit Jahren durchlaufen ARD und ZDF eine gewaltige Umstrukturierung, einerseits aus Sparzwängen, anderseits aber auch, um ein jüngeres Publikum mit neuen Eigenproduktionen zu gewinnen, die vorrangig in den Mediatheken abgerufen werden sollen. Dafür wird am linearen Programmangebot gekürzt, und zwar in allen Bereichen. Selbst der „Tatort“ ist nicht mehr unantastbar. Besonders hart trifft es die Schlagerbranche. Nicht nur „Immer wieder sonntags“ wird abgesetzt, auch die „Beatrice Egli Show“, „Die Schlagerhitparade“ des MDR sowie das Format „Musik für Sie“ sind nicht mehr auf Sendung. Anna-Carina Woitschack sieht keinen Grund für die vielen Absetzungen Anna-Carina Woitschack hat sich nun zu dieser Thematik in einem Interview mit Der Westen geäußert. Sie findet es schade, dass „die Plattformen für Künstler weniger werden, vor allem, wenn sie Newcomern eine Bühne geboten haben“, so die Sängerin. Woitschack bedauert die Absetzung der vielen Sendungen und hat nicht das Gefühl, dass Fans weniger davon sehen möchten. Viel mehr sei das Gegenteil der Fall, was sie am Erfolg ihrer Live-Auftritte festmacht. In der Tat sind Schlager-Acts nach wie vor erfolgreich. Dazu muss man nur nach Dresden schauen, wo Roland Kaiser jährlich die Massen anzieht... von Helene Fischers Tourneen mal ganz abgesehen, auch wenn die Grenzen zwischen Schlager und Popmusik hier verschwimmen. Mehr über Roland Kaisers lange Karriere erfahrt ihr im Video. „Immer wieder sonntags“ zuletzt auch beim jungen Publikum stark Und auch im Fernsehen waren die Quoten der entsprechenden Sendungen meist stark. „Immer wieder sonntags“ holte zuletzt laut DWDL nicht nur die stärksten Werte seit zehn Jahren, sondern war auch bei den Jüngeren mit einem zweistelligen Marktanteil erfolgreich. Entsprechend sollten die Verantwortlichen von ARD und ZDF aufpassen, das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Beide Sendeanstalten müssen nicht ausschließlich darauf hinarbeiten, Netflix, Amazon und Co. Konkurrenz zu machen. Manche Jüngere schauen nach wie vor lineares Fernsehen und hören auch Schlager. Und dann wären da noch die vielen Älteren unter uns, die von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ebenfalls unterhalten werden wollen. In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass verbliebene Sendungen wie der „Fernsehgarten“ im Portfolio bleiben, ob man sie nun persönlich mag oder nicht.