Das neue Telezoom 70-200 von Nikon im Test
Ein lichtstarkes Teleobjektiv: Nikon hat gerade eine Neuauflage seines Klassikers für das Z-System der spiegellosen Systemkameras herausgebracht. Das Nikkor Z 70-200 mm f/2.8 VR S II kostet 3350 Euro, es hat einen optischen Aufbau aus 18 Linsen in 16 Gruppen inklusive doppelseitig asphärischer Linsen. Der integrierte Bildstabilisator deckt sechs Blendenstufen ab, als Syncro-VR verspricht Nikon ein noch höheres Maß des Ausgleichs. Zunächst ist die Funktion für die Gehäuse Z9, Z8, Z6III, Z5II, Zf und ZR verfügbar. Schnell ist das Objektiv außerdem: Der Antrieb mit dem etwas lyrischen Namen „Silky Swift Voice Coil Motor“ (SSVCM) verspricht einen bis 3,5-mal flinkeren Autofokus im Vergleich zur ersten Generation des Telezooms. Den ersten Pluspunkt verzeichnet das Objektiv schon zu Hause beim Auspacken: Das geringe Gewicht des voluminösen Objektivs fasziniert, haarscharf unter einem Kilogramm ist Nikon geblieben. An einer Nikon Z7II spielt der Zoom Tempo und Präzision aus: Von oben im Berg rückt der Stausee im Tal mit seiner Mauer zum perspektivisch verkürzten Motiv zusammen. Der Tropfenschleier eines Wasserfalls wird im Gegenlicht zum strahlend weißen Spiel der Spitzlichter. Angenehm wirkt das Bokeh. Da kommt die Konstruktion der Blende aus elf abgerundeten Lamellen ins Spiel. Auch Reflexionen harten Sonnenlichts auf dem Wasser werden so zu schönen, unterschiedlich farbigen Kreisen aufgelöst. Präzise arbeitet der Autofokus der Systemkamera mit dem Telezoom auch im Dunkel von Kirchenräumen oder dem Dämmerlicht von Laubengängen. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Im Blick zurück zeigt sich der Fortschritt Wir nutzen die Chance und vergleichen das neue Objektiv mit seinem Vorgänger aus den Neunzigerjahren. Damals brachte Nikon erstmals ein Autofokusobjektiv für das F-System mit 80 bis 200 Millimeter Brennweite und durchgehender Lichtstärke von 2,8 heraus. Wir haben den schweren Brocken damals vor allem für die Bühnenfotografie gekauft: Konzerte, Tanz, Theater. Die offene Blende war ein Segen. Das Nikon ED AF Nikkor 80-200 mm 1:2.8 aus dieser Zeit begleitete uns viele Jahre lang. Zu Beginn wurde es mit manueller Fokussierung an Kameras wie FM2 und F3 eingesetzt, dann kam mit F800 und F4 der Schritt zum Autofokus und schließlich mit der D100 der Sprung ins digitale Zeitalter. Endgültig zum Erinnerungsstück wurde der Klassiker mit dem Umstieg auf die spiegellosen Systemkameras des Z-Systems. 70 Millimeter als kürzere Brennweite dieser Familie von Alleskönnern kam bei Nikon Anfang der 2000er-Jahre. Die längeren 200 Millimeter blieben aber – über die verschiedenen Generationen des lichtstarken Zooms und die Kamerasysteme hinweg. Das passt gut in dieses Jahr. Denn 2026 werden 200 Jahre Fotografie gefeiert. Vor allem in Frankreich begeht man den Anlass größer mit dem „Bicentenaire de la Photographie“. Von dort stammt ja auch diese Innovation, die unsere Bild- und Bilderwelt der Moderne so maßgeblich geprägt hat. Als Joseph Nicéphore Niépce 1826 den Blick aus seinem Arbeitszimmer per Heliografie festhielt, entstand das erste Foto der Geschichte. Von lichtstarken und flexiblen Objektiven wie heute konnte der Fotopionier aber höchstens träumen. Der nächste Schritt in der Entwicklung von Teleobjektiven mit Lichtstärke 2,8 bei Nikon steht bevor: Das Unternehmen hat im Mai die Entwicklung eines entsprechenden Z-Nikkors mit 120 bis 300 Millimeter Brennweite angekündigt. Der Clou soll ein integrierter 1,4-facher Telekonverter sein. Mit einer Lichtstärke von dann nur noch 4,0 wächst der Brennweitenbereich des Telezooms auf 420 Millimeter.