DAX +0,61 % 26.459,88 Pkt 13:46:50 MDAX +0,60 % 32.459,22 Pkt 13:46:51 Euro Stoxx 50 +0,30 % 6.559,24 Pkt 13:46:30 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,74 % 69.220,25 Pkt 08:45:03 Gold +0,37 % 4.453,80 USD 13:51:44 Silber +1,17 % 65,87 USD 13:50:52 Brent +0,55 % 89,01 USD 13:51:22 WTI +0,19 % 82,56 USD 13:51:40 Bitcoin +1,16 % 63.548,43 USD 14:01:43 EUR/USD +0,53 % 1,15960 USD 14:00:57 EUR/GBP +0,02 % 0,85510 GBP 14:01:50 EUR/CHF -0,03 % 0,93870 CHF 14:01:50 EUR/JPY +0,37 % 184,572 JPY 14:01:51

Das „Skinny-Gen” reduziert Herzrisiko um 60 Prozent

Wissenschaft

Warum wird der eine Mensch schneller dick als der andere – obwohl beide ähnlich essen? Die Antwort liegt offenbar nicht nur auf dem Teller. Bei manchen Menschen arbeitet der Stoffwechsel von Geburt an anders: Sie haben weniger Körperfett, weniger Fett in der Leber, günstigere Blutzucker- und Blutfettwerte und zugleich einen höheren Anteil fettfreier Körpermasse. Schlankheitsgen entscheidet, ob Körper Energie verbrennt Der Grund könnte in einem winzigen Unterschied im Erbgut liegen. Bei etwa einem von 7000 Menschen funktioniert eine Kopie des FNIP1-Gens nicht vollständig. Forscher sind damit auf ein sogenanntes „Skinny-Gen“, ein Schlankheitsgen gestoßen – und zwar mithilfe einer ungewöhnlich großen Genanalyse. In einer Studie werteten sie die proteinbildenden Bereiche der DNA von mehr als einer Million Menschen aus elf Kohorten in Amerika, Europa und Asien aus. Dabei fanden sie 59 Gene, die mit dem Energie- und Fettstoffwechsel zusammenhängen. FNIP1 gehörte zu den auffälligsten Treffern. „Schlankheitsgen“ senkt Herzrisiko um 60 Prozent In der Untersuchung trugen 155 Menschen eine entsprechende Loss-of-Function-Variante von FNIP1. Sie besaßen nur eine veränderte Genkopie. Die zweite funktionierte weiterhin. Bei diesen Personen fanden die Wissenschaftler unter anderem einen niedrigeren BMI, weniger Körperfett eine günstigere Fettverteilung, einen höheren Anteil fettfreier Körpermasse, niedrigere Blutzuckerwerte und weniger Fett in der Leber. Besonders auffällig war der Zusammenhang mit Erkrankungen des Stoffwechsels und Herz-Kreislauf-Systems. Für diese Auswertung standen 227.636 Erkrankte und 265.114 Kontrollpersonen zur Verfügung. Träger der FNIP1-Varianten hatten rund 60 Prozent geringere Chancen auf die zusammengefassten Erkrankungen. ANZEIGE ANZEIGE Dazu gehörten koronare Herzkrankheit, Typ-2-Diabetes, metabolische Fettleber und Leberzirrhose. So schützen Sie Ihr Herz jeden Tag Um dem Risiko einer koronaren Herzkrankheit, einer Herzrhythmusstörung oder eines Infarkts vorzubeugen, empfiehlt Kardiologe Michael Böhm auf fünf Herz-Regeln im Alltag zu achten: Rauchen Sie nicht. Integrieren Sie Mini-Bewegungseinheiten in Ihren Alltag. Bewegen Sie sich zweimal am Tag 15 Minuten flott. Ernähren Sie sich ausgewogen. Checken Sie regelmäßig Ihre Cholesterin- und Blutdruckwerte. Das „Schlankheitsgen“ löst eine natürliche Stoffwechselbremse FNIP1 erfüllt normalerweise eine Art Sparfunktion. Das dazugehörige Protein arbeitet mit Folliculin zusammen und bremst Prozesse, die Energie in den Zellen verbrauchen. Dazu gehören der Aufbau von Mitochondrien und die Verarbeitung von Nährstoffen zur Energiegewinnung. Fällt eine der beiden FNIP1-Kopien aus, läuft diese Bremse offenbar schwächer. Die Zellen können dann mehr Energie verbrauchen und Fette verstärkt abbauen. „Diese Menschen nehmen Energie auf, speichern und nutzen sie stärker als Menschen ohne diese Mutationen“, erklärt Genetiker Luca Lotta von Regeneron Pharmaceuticals gegenüber Scientific American. Darin liege der schützende Effekt. Evolutionär betrachtet könnte eine sparsame Energienutzung lange ein Vorteil gewesen sein. Lotta verweist auf frühere Zeiten mit knapper Nahrung. Heute leben viele Menschen dagegen dauerhaft in einer Umgebung mit reichlich Kalorien. Geringe Genaktivität in der Leber steigerte Fettabbau In der Studie untersuchte das Team weiterhin, was passiert, wenn FNIP1 gezielt gebremst wird. In menschlichen Leberzellen reduzierten die Wissenschaftler die Aktivität des Gens um mehr als 90 Prozent. Daraufhin wurden Gene aktiver, die am Fettabbau und an lysosomalen Prozessen beteiligt sind. Die Leber könnte deshalb ein besonders interessantes Ziel für eine spätere Behandlung darstellen. Versuche mit Mäusen lieferten jedoch ein komplizierteres Bild. Die alleinige Hemmung von FNIP1 in der Leber schützte die Tiere nicht vor Gewichtszunahme. Erst eine gleichzeitige Hemmung von FNIP1 und dem verwandten FNIP2 erzielte einen deutlichen Effekt. Auch das Ausschalten von FLCN, einem weiteren Bestandteil desselben Stoffwechselwegs, wirkte. Die Tiere nahmen unter einer fett- und fructosereichen Ernährung weniger Fett zu. Zudem verbesserten sich Insulinsensitivität und Leberwerte. Mögliche Grundlage für neue Abnehmmedikamente Der Effekt der seltenen FNIP1-Mutation ähnelt in Teilen dem von Medikamenten wie Ozempic: Betroffene haben weniger Körperfett und günstigere Stoffwechselwerte. FNIP1 wirkt jedoch nicht über den GLP-1-Signalweg. Die Mutation verändert vor allem Energieverbrauch, Fettabbau und den mitochondrialen Stoffwechsel. FNIP1 könnte künftig die Grundlage für neue Medikamente gegen Übergewicht und Stoffwechselkrankheiten liefern. Die Forscher prüfen dafür eine gezielte Hemmung des Gens in der Leber. So ließe sich der Energie- und Fettstoffwechsel beeinflussen, ohne FNIP1 im gesamten Körper auszuschalten. Vergleichbare leberspezifische siRNA-Verfahren werden bereits bei anderen Genen eingesetzt. Bei zwei defekten Genkopien können Erbkrankheiten entstehen Eine vollständige Blockade von FNIP1 kommt allerdings nicht infrage. Menschen besitzen zwei Kopien des Gens, jeweils eine von Mutter und Vater. Für den günstigen Stoffwechseleffekt reichte in den untersuchten Fällen eine veränderte Kopie aus. Fallen dagegen beide Kopien aus, kann eine seltene Erbkrankheit entstehen. Sie geht unter anderem mit Immunschwäche und hypertropher Kardiomyopathie einher. „Wenn man das Gen therapeutisch überall im Körper zu 100 Prozent hemmen würde, könnte das negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben“, erklärt Lotta. Eine gezielte Behandlung der Leber könnte dieses Problem möglicherweise umgehen. Bis daraus ein Medikament entsteht, dürfte allerdings noch viel Forschungsarbeit nötig sein. Wirksamkeit und Sicherheit einer gezielten FNIP1-Hemmung beim Menschen sind bislang nicht geklärt. Kurz zusammengefasst: FNIP1 gilt als mögliches „Schlankheitsgen“: Seltene Varianten sind mit weniger Körper- und Leberfett sowie günstigeren Stoffwechselwerten verbunden. Betroffen ist etwa einer von 7.000 Menschen: Ihr Körper scheint Energie leichter zu verbrauchen, statt sie als Fett zu speichern. Für Medikamente ist es noch zu früh: FNIP1 könnte ein Therapieziel werden, doch Sicherheit und Wirksamkeit beim Menschen sind noch ungeklärt. Von Anne Bajrica

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