DAX -0,56 % 25.983,04 Pkt 18:00:00 MDAX -0,39 % 31.715,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,35 % 6.422,06 Pkt 18:00:00 Dow Jones -1,08 % 52.769,52 Pkt 21:58:16 S&P 500 -0,66 % 7.641,07 Pkt 21:58:13 Nasdaq -0,88 % 26.059,49 Pkt 21:58:16 Nikkei +1,36 % 66.216,79 Pkt 08:45:03 Gold +2,06 % 4.582,10 USD 21:48:04 Silber +3,71 % 68,18 USD 21:47:50 Brent +2,11 % 93,55 USD 21:48:05 WTI +0,93 % 86,63 USD 21:48:11 Bitcoin +4,86 % 72.629,61 USD 21:58:08 EUR/USD +0,88 % 1,16810 USD 21:57:53 EUR/GBP +0,19 % 0,85680 GBP 21:58:17 EUR/CHF -0,57 % 0,93480 CHF 21:58:16 EUR/JPY +0,61 % 185,818 JPY 21:58:17

Das steckt hinter dem Kursanstieg bei Gold und Bitcoin

Wirtschaft

Weltweit steigen die Renditen von Staatsanleihen aktuell stark an. Diese Verwerfungen am Anleihemarkt beunruhigen viele Investoren – und offenbar auch das US-Finanzministerium. Denn steigende Anleiherenditen verteuern die Finanzierung des weltgrößten Staatshaushalts enorm. Trotzdem überraschte es die Märkte, dass Finanzminister Scott Bessent nun handelt. Sein Ministerium verkündete am Mittwoch, mehr langlaufende Anleihen am Markt zurückkaufen zu wollen. Daraufhin schnellten viele Kurse nach oben, an den Aktienmärkten, vor allem aber bei Gold und Bitcoin. Der Goldpreis stieg bis auf 4.527 Dollar, ein 4,5-prozentiges Plus zum Vortages-Schluss und das höchste Niveau seit Anfang Juni. Der Preis Bitcoin wiederum dümpelte an den Handelstagen zuvor bei rund 63.000 US-Dollar herum, raste zur Wochenmitte aber erst auf 68.000 Dollar und baute die Gewinne zuletzt bis auf deutlich über 70.000 Dollar aus. Was hat das US-Finanzministerium vor? Wie das Ministerium mitteilte, werden die Käufe langlaufender US-Anleihen, sogenannte „Treasuries“, erweitert. Das Volumen solle sich verdoppeln, mindestens: von zuletzt zwei Milliarden US-Dollar pro Rückkauf auf vier Milliarden Dollar. Im Visier sind dabei Anleihen mit Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren, das sogenannte „lange Ende“ der Zinskurve. Das Kalkül dahinter: Diese Kurse dieser Anleihen brachen zuletzt massiv ein, umgekehrt stieg die Umlaufrenditen auf Niveaus, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Das verteuert jedoch die Finanzierung des Staatshaushaltes, weil neu emittierte Anleihen mit diesem Zinsniveau konkurrieren müssen. Hintergrund des Zinsanstiegs sind der Krieg im Iran und die folglich gestiegenen Ölpreise, generelle Inflationsängste sowie die massiven KI-Investitionen, wofür Großkonzerne wie Alphabet oder Nvidia auch den Bondmarkt anzapfen. Wie funktioniert dieses Vorgehen? Bessents Ministerium nutzt das älteste Gesetz der Wirtschaft, um die Bondrenditen zu drücken: Mit den Rückkäufen wird schlicht das Angebot verkleinert. In der Theorie sollten so die Preise der Anleihen steigen und die Renditen fallen. Schon die Ankündigung hat diesen Effekt gebracht, wie beispielsweise der Kurs dieser 2046 fälligen US-Anleihe und die Umlaufrenditen bei den 30-jährigen Bonds zeigen. Die fielen am Mittwoch von 5,31 Prozent auf etwa 5,20 Prozent. Neu sei dieses Vorgehen nicht, erklärte George Saravelos, Devisenstratege bei der Deutschen Bank. Er erinnert an die „Operation Twist“ der US-Notenbank in den frühen 2010er-Jahren. Damals verkaufte die Federal Reserve kurzlaufende Anleihen und kaufte in gleichem Maße langlaufende Bonds zurück. Ziel war es, damals wie heute, vor allem die Renditen am „langen Ende“ der Zinskurve zu drücken. Schon unter Präsident John F Kennedy in den 1960er-Jahren gab es ähnliche Bemühungen, mit damals allerdings minimalem Effekt. Warum profitieren die Kurse von Gold und Bitcoin? Ein Nebeneffekt der Maßnahme: Der US-Dollar sackte am Mittwoch ungewöhnlich scharf ab. Anlagen, die hauptsächlich in Dollar handeln, profitieren davon, wie eben Gold und Bitcoin. „Wir sehen die Entwicklungen als negativ für den Dollar“, führte Saravelos aus. „Wenn dem Marktpreis für US-Anleihen ‚nicht erlaubt‘ wird, weiter zu fallen, muss sich der Preis für ausländische Investoren über einen schwächeren Dollar anpassen.“ Rund 31 Prozent der US-Staatsschulden wird von ausländischen Investoren gehalten. Ein schwächerer Dollar stützt Bitcoin und Gold in mehrfacher Hinsicht. Einerseits steigen die Kurse dieser in Dollar gehandelten Assets ohnehin, wenn der „Greenback“ fällt. Darüber hinaus verlieren US-Haushalte durch den Dollarverfall Kaufkraft für Waren im Ausland, weshalb sie ihr Erspartes womöglich in andere Wertspeicher, wie eben Gold, umschichten. Größter Treiber für die Kurse aber ist, dass die US-Regierung etwas gegen die massiv gestiegenen Umlaufrenditen unternimmt. Gold und Bitcoin sind bekanntlich zinslos. Werfen Bonds aber mehr Zinsen ab, schrumpft die Attraktivität von Gold und Bitcoin als Kapitalanlage. Umgekehrt gewinnen diese Sachanlagen an Reiz, wenn Anleihen weniger Zinsen bieten oder real (nach Inflation) sogar zu einem Minus an Kaufkraft führen. Ein solches Umfeld treibt die Nachfrage nach Gold und Bitcoin, weshalb die Kurse am Mittwoch so positiv reagierten. Wie geht es nun weiter? Fraglich ist, ob die US-Regierung mit den größeren Rückkaufen die Zinsen nachhaltig drücken kann, oder ob damit nur zeitweilig Symptome der immer größeren US-Staatsverschuldung bekämpft werden. Deutsche-Bank-Strategist Saravelos jedenfalls sieht die Möglichkeit, dass der US-Dollar weiter leidet. Das wäre tendenziell stützend für Gold und Bitcoin. „Der Markt dürfte jede weitere Maßnahme, um die Anleihenkurse zu stützen, aufmerksam verfolgen. Je stärker diese Maßnahmen als Verzerrung der Marktbepreisung wahrgenommen wird, umso wahrscheinlicher ist es, dass der US-Dollar weiter nach gibt.“

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren