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Das war Frankfurt gegen Köln

Sport

„Das haben wir gut eingefädelt.“ Die letzten Worte von Adi Hütter auf der Pressekonferenz am späten Freitagabend galten beileibe nicht dem Spielverlauf gegen den 1. FC Köln. Außerplanmäßig endete die Pressekonferenz wegen einer technischen Störung frühzeitig. Also leerte sich der Saal ordnungsgemäß, die Kernbotschaften hatte der Cheftrainer von Eintracht Frankfurt bereits gesetzt:

„Was mir speziell gefallen hat war, dass die Mannschaft die Situation angenommen hat. Dass in der ersten Halbzeit noch nicht alles gut gelaufen ist, ist für mich normal nach einer 0:6-Klatsche. Aber eines habe ich gesehen: Sie sind gemeinsam gelaufen. Sie haben sich gegenseitig unterstützt. Sie haben sich gegenseitig gepusht, haben gefightet. Das ist das Wichtigste. Das honoriert jeder in Frankfurt. Aufgrund der zweiten Halbzeit, in der wir sehr dominant aufgetreten sind, geht der Sieg absolut in Ordnung und war absolut verdient.“

Zusammengefasst und mit zwei Zahlen unterstrichen: Auch im 99. Bundesligaaufeinandertreffen der Traditionsvereine vom Main und Rhein lief nicht alles ohne Störgeräusche. Aber Frankfurt blieb stabil. 61,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe vor der Pause, elf zu zwei Abschlüsse nach dem Seitenwechsel. „Es ging gar nicht so sehr darum, perfekt zu spielen, sondern erwachsen und männlich zu spielen. Der Fokus lag auf den Zweikämpfen und darauf, kompakt zu stehen und nicht so viele Chancen zuzulassen. Das haben wir gemacht“, lobte Torhüter Noah Atubolu, der in seinem 100. Auftritt in der deutschen Beletage zum ersten Mal mit dem Adler auf der Brust seinen Kasten sauber hielt.

So wie seine Vorderleute von der ersten bis zur letzten Minute wie von Chefcoach Hütter gefordert „bis zum Umfallen“ malochten, war Eintrachts Nummer eins auch bei der ersten von wenigen Kölner Gelegenheiten nach 40 Sekunden direkt zur Stelle.

Befreiungsschläge am Freitag

Ein Detail, das die Beteiligten im Nachgang nicht unterschlugen – jedoch ihre eigenen Fortschritte ebenso wenig unter den Scheffel stellten. 1:0, Arbeitssieg, kein Leckerbissen, aber Balsam für die SGE-Seele.

1) Befreiungsschlag fürs Defensivgemüt

Nach den negativrekordverdächtigen 16 Gegentoren an den ersten fünf Spieltagen und nicht zuletzt dem 0:6 am vorigen Samstag in Leipzig hatte die Null hinter dem Doppelpunkt auf dem Videowürfel mehr als Symbolcharakter. Sie erfüllte auch ihren Zweck.

„Das 0:0 mit in die Pause nehmen, nach der Halbzeit nicht sofort ein Tor kassieren, später sogar ein Tor machen. So ist Fußball. Wenn du am Ende gewinnst und der Prozess weitergeht, sind alle glücklich“, betete Schlussmann Atubolu vor.

2) Befreiungsschlag fürs Publikum

Der Sommerzugang vom SC Freiburg bezog sich in der Mixed Zone auch auf das Verhältnis zum eigenen Anhang, was ihm als Neufrankfurter anscheinend noch mehr imponiert. „Die Fans hatten jeden Grund, sauer auf uns zu sein. Ich war verwundert, es wäre gerechtfertigt gewesen, nicht zu klatschen, nachdem, was wir gespielt haben“, reflektierte Atubolu nochmal die Packung in Sachsen, um dann anzuschließen: „Man weiß nicht, wie man im nächsten Spiel empfangen wird. Dann bin ich rausgekommen, sie klatschen schon wieder, pushen uns über 90 Minuten!“ Das sei „ein Punkt“ gewesen, „warum wie solch einen dreckigen Sieg holen konnten“. Den ersten Heimsieg seit dem 1:0 am 14. März gegen den 1. FC Heidenheim.

Gesicht des Abends: Robin Koch

Wer auch immer im Stadtwald ein Mikrofon vor sich hatte, nutzte die Gelegenheit, um über Robin Koch, in Leipzig ausgewechselt und im Nachgang mehr als einen Tag kritisiert, zu sprechen. „Er trägt als Kapitän viel Verantwortung. Ich möchte ihn gerne hervorheben, weil er für die Situation, die er hatte, ein unfassbares Spiel gemacht hat. Er ist ein Leader. So brauchen wir ihn. Er ist vorneweg gegangen“, verteilte Atubolu ebenso ein Sonderlob wie Adi Hütter ein „Extralob“.

Nicht zuletzt sprach bei Sky Sport auch Robin Koch über Robin Koch: „Es war keine einfache Woche. Der Trainer hat mir gesagt, wenn wir eine schwierige Phase haben, geht es um die Führungsspieler und um den Captain. Dass ich es abbekomme“, sei in Ordnung. Der 30-Jährige betonte, es gehöre dazu, „dass ich als Captain als allererstes angeprangert werde. Wichtig ist, was in der Mannschaft passiert und dass wir die Reaktion auf dem Platz zeigen, unter der Woche den Fokus auf uns richten und uns weniger mit dem außen rum beschäftigen“. Dass die Lorbeeren keine Worthülsen sind, zeigt eine größere Auswahl teaminterner Topwerte:

4 Bälle abgefangen

8 Luftduelle gewonnen

9 Luftduelle geführt

11 klärende Aktionen

11 Zweikämpfe gewonnen

56 angekommene Pässe

63 Pässe

85 Ballaktionen

Auswirkungen und Ausblick

Drei Freitagsspiele, drei gegentorlose Siege: 11:0 im DFB-Pokal gegen St. Tönis, 4:0 im Testspiel gegen Braunschweig, 1:0 in der Bundesliga gegen Köln. Und im Ernst: Der zweite Dreier am sechsten Spieltag. Die Tabelle bleibe zu diesem Zeitpunkt erstmal vernachlässigt, gerade wenn 16 Konkurrenten übers Wochenende punkten können. Klar ist für Atubolu in jedem Fall eines: „Es geht weiter, wir wollen noch mehr Zu-Null-Spiele haben.“ Zum Zweiten weiß der 24-Jährige aber auch: „Das Ganze ist ein Prozess. Es klappt nicht nach fünf Wochen, wenn wir sagen, wir sind jetzt ehrlich und gewinnen dann jedes Spiel. Wir sind froh, dass wir gewonnen haben. Wir müssen uns finden. Der Prozess geht immer noch weiter.“

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