„Das war’s“: Selenskyj beendet Trumps „Waffenruhe“ – und wirft dem US‑Präsidenten eine Putin
Nach einer Phase der Ruhe sind die Beziehungen zwischen den USA und der Ukraine jetzt, wo in den Vereinigten Staaten die Zwischenwahlen näher rücken, wieder von deutlichen Spannungen gekennzeichnet. US-Präsident Donald Trump hatte einen „Diesel-Deal“ mit dem sanktionierten Russland verkündet und obendrein – offenbar ohne Absprache – eine Waffenruhe für Attacken auf Energieanlagen. Mit dieser soll es nun aber endgültig wieder vorbei sein.
„Das war’s“, sagte der ukrainische Präsident in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der „Financial Times“. Die Ukraine habe Trumps Waffenruhe bis dahin befolgt, obwohl sie davon überrascht worden sei. Russland habe sich nicht daran gehalten. Moskau selbst hatte Angriffe auf die Energieinfrastruktur eingestanden und behauptet, sie würden dem Militär dienen.
Selenskyjs Frust wird deutlich
An dieser Stelle des Interviews klingt bei Wolodymyr Selenskyj bereits eine Frustration mit Trump und der US-Regierung durch. Unstrittig ist, dass deren diplomatische Bemühungen bislang zu keiner längeren Waffenruhe – geschweige denn einem Friedensvertrag – geführt haben, obwohl Trump im Wahlkampf ein Kriegsende innerhalb von 24 Stunden versprochen hatte.
Zwar zeigte sich Selenskyj in dem Gespräch bemüht, die Fortschritte in der Kommunikation mit dem Weißen Haus herauszustellen, die es seit dem öffentlichen Oval-Office-Streit im Februar 2025 gegeben habe. Zwar gehe es in den Beziehungen zwischen Kyjiw und Washington auch nicht um Persönlichkeiten, sondern um gemeinsame Interessen. Gleichwohl sagte er über den US-Präsidenten: „Wie kann Trump mit ihm [dem russischen Machthaber Wladimir Putin] befreundet sein? Ich denke, das ist ein Fehler.“
Selenskyj: Trump liebt Leute wie Putin
Später ging Selenskyj weiter auf die Beziehung von Trump und Putin ein. Trump „spricht ja selbst darüber, offen und laut, dass er solche Menschen liebt, und er sie respektiert.“ Gemeint sind Männer wie Putin, die sich – wie Selenskyj ausführt – jahrzehntelang an der Macht behaupten können. Reiche Männer, zu denen Selenskyj auch den Trump-Unterstützer und Tech-Billionär Elon Musk zählt. Trump gehe es um Geschäfte mit Russland.
In dem Interview kam auch das Thema „Unterstützungs-Stopp durch die USA“ zur Sprache. Kurzer Rückblick: Es hatte Berichte über Drohungen aus den USA gegeben, wonach der Ukraine wichtige Geheimdiensterkenntnisse vorenthalten werden sollten, wenn sie die Attacken auf die russischen Ölanlagen nicht einstellt.
Kurz nach den Berichten hatte die Ukraine gemeldet, nicht über manche Starts ballistischer Raketen aus Russland informiert worden zu sein – was faktisch nur die USA hätten machen können. Ferner meldeten ukrainische Soldaten Probleme mit dem für Drohnenangriffe wichtigen Internetdienst Starlink von Musk. Im Interview sagte Selenskyj nun, dass die Amerikaner technische Probleme als Erklärung für die fehlenden Warnungen vor ballistischen Raketen angegeben hätten. Ob das stimmt, wisse er nicht.
Starlink-Drosselung war „bewusste Entscheidung“
Was die Drosselung der Starlink-Verbindung angeht, sagte Selenskyj allerdings: „Soweit ich weiß, wurde Starlink auf eine niedrigere Geschwindigkeit gedrosselt.“ Das sei „eine bewusste Entscheidung“ gewesen, entweder von der Regierung oder von Musks Konzern SpaceX.
Musk hat eine Verantwortung für die Drosselung via X zurückgewiesen. Diese könne nur vom US-Militär beziehungsweise dem Präsidenten entschieden werden, behauptete er. Zudem forderte er Selenskyjs Rückzug als Präsident.
Die Einschränkung von Starlink ist Berichten zufolge inzwischen wieder aufgehoben. Das meldeten mehrere ukrainische Medien unter Berufung auf Quellen im Verteidigungsministerium. Die Behörde prüfe jedoch weiter die Umstände und Gründe für die am Mittwoch aufgetretene Beschränkung, hieß es. (mit dpa)