DAX-Chefs: Was Klein und Sewing verdienen gegenüber Cook und Nadella
Von ihren Aktionären bekommen Spitzenmanager selten Prügel wegen zu üppigen Managergehältern. Während Millionen-Verdienste von der Öffentlichkeit oft kritisch beäugt werden, nicken die Aktionäre die Vergütung in den Hauptversammlungen meist mit großer Mehrheit ab. So auch in diesem Jahr. Alle Vergütungsberichte, in denen die tatsächlichen Gehälter für das vergangene Jahr offengelegt werden, haben die Dax-Aktionäre in diesem Jahr abgesegnet. Im Durchschnitt betrug die Zustimmung mehr als über 90 Prozent. Einen kleinen Rückschlag gab es nur für Adidas. Zwar stimmten auch dort die Aktionäre im Mai dem Vergütungsbericht mit großer Mehrheit zu. In der Abstimmung über das künftige Vergütungssystem aber bekam das Management einen Korb – der Sportartikelhersteller muss nun nacharbeiten. 68 Prozent der Aktionäre lehnten das neu konzipierte Vergütungssystem ab. Tatsächlich gehört Adidas-Chef Bjørn Gulden zu den Spitzenverdienern im Dax. Obwohl der Aktienkurs im vergangenen Jahr fast 30 Prozent verloren hat, erhielt Gulden insgesamt rund 9,8 Millionen Euro. Damit landete er auf der Rangliste der bestbezahlten Dax-Vorstandsvorsitzenden auf Platz drei. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Spitzenreiter auf der am Donnerstag vorgestellten Rangliste der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und TU München ist SAP-Chef Christian Klein. Er bekam für das vergangenen Jahr eine Gesamtvergütung in Höhe von fast 10,9 Millionen Euro. Wer den Vergütungsbericht von SAP genauer studiert, findet dort neben der „vertraglichen Vergütung“ eine andere Zahl, die noch einmal deutlich höher liegt. Seine „gewährte und geschuldete Vergütung“ wird auf mehr als 16,2 Millionen Euro beziffert; darin enthalten ist allerdings auch eine nachträglich bezahlte Tranche aus einem schon vor längerer Zeit gewährten langfristigen Vergütungsprogramm für das Jahr 2022. Hier zeigt sich wieder: Für Managergehälter gibt es unterschiedliche Berechnungsmethoden, die sich im Ergebnis stark voneinander unterscheiden können. Das liegt vor allem an der Art, wie langfristige Vergütungsbestandteile auf die einzelnen Jahre heruntergerechnet werden. Hinter SAP-Chef Klein rangiert auf Platz zwei der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing. Der 56 Jahre alte Bankmanager bekam im vergangenen Jahr rund 10,5 Millionen Euro. Auch seine Kollegen im Vorstand verdienten üppig. Im Durchschnitt erhielten die Vorstände der Deutschen Bank fast 7,5 Millionen Euro – sie waren damit die Spitzenverdiener im Dax. Im Mittel aller Dax-Unternehmen beliefen sich die Gehälter der Vorstände auf 3,9 Millionen Euro, vier Prozent mehr als im Vorjahr. Dass die Gehälter der Deutschen-Bank-Vorstände deutlich darüber liegen, störte deren Aktionäre wenig. Sie stimmten dem Vergütungsbericht auf der Hauptversammlung im Mai – die zum ersten Mal seit 2019 wieder als Präsenzveranstaltung abgehalten wurde – mit fast 98 Prozent zu. Das verwundert wenig. Aus ihrer Sicht haben die Manager geliefert. Der Aktienkurs der Deutschen Bank hat sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Kritik an hohen Abfindungen Im Durchschnitt verdienten die Vorstandsvorsitzenden im Dax im vergangenen Jahr nach den Berechnungen der DSW rund 6,1 Millionen Euro. Mit SAP und der Deutschen Bank lagen nur zwei Unternehmen über der 10-Millionen-Grenze. DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler spricht in diesem Zusammenhang von einer sinnvollen „Schallmauer“, an der sich Unternehmen auch künftig als Höchstgrenze freiwillig orientieren sollten, damit die Spitzengehälter gesellschaftlich „noch vertretbar“ blieben. Die Höhe der Managergehälter sei auch „ein wichtiger Indikator für den sozialen Frieden in unserem Land“, sagt Tüngler: „Polarisierung, Verschwörungsmythen und radikale Strömungen an den Rändern unserer Gesellschaft gibt es wahrlich genug. Da muss die Vergütung von Dax-Vorständen keinen weiteren Anlass für populistische Strömungen geben.“ Er betont aber, dies sei „ausdrücklich kein Ruf nach Gehaltsobergrenzen“. Sehr kritisch sehen die Aktionärsschützer hohe Abfindungen für Manager, die vorzeitig ausscheiden. Laut dem Corporate-Governance-Kodex sollen Abfindungen den Wert von zwei Jahresvergütungen nicht überschreiten. Doch diese Empfehlung wird oft ignoriert. Die Regel werde „zum Papiertiger“, moniert Tüngler, der selbst elf Jahre lang Mitglied der Corporate-Governance-Kommission war. Tüngler selbst nannte keine Einzelfälle, zuletzt sorgten aber vor allem die Millionen-Abfindungen für den früheren Porsche-Vorstand Lutz Meschke und den früheren Vonovia-Chef Rolf Buch für erhebliche Kritik. Die langfristig variablen Vergütungsbestandteile sind entscheidend An einer anderen Stelle zeigt sich Tüngler milde. Oft werden Managergehälter auch wegen Intransparenz kritisiert. Das sieht er anders. Die Transparenz sei „auf einem guten Niveau“. Tatsächlich wird heute in den oft 40 bis 50 Seiten langen Vergütungsberichten sehr ausführlich berichtet, die Gehälter aller Vorstände werden individuell offengelegt. Das war früher nicht so. Allerdings lassen sich kritische Sachverhalte in einem Wust aus Zahlen auch leichter verstecken. Die Länge der Berichte steht nicht zwingend für mehr Transparenz. Laut Tüngler mangelt es allerdings weniger an Transparenz, es fehle eher die Vergleichbarkeit zwischen den Unternehmen. „Dies liegt vor allem an der Abschaffung der Mustertabellen des Deutschen Corporate Governance Kodex 2017 sowie an gesetzlichen Änderungen, die den Unternehmen sehr viel Freiheit bei der Darstellung gewähren“, sagt Tüngler. Im internationalen Vergleich werden deutsche Spitzenmanager nach Einschätzung der DSW weiterhin „relativ gering vergütet“. Im europäischen Euro Stoxx 50 erhielten die Vorstandsvorsitzenden (ohne die deutschen Unternehmen) im Durchschnitt rund 9,5 Millionen Euro. Noch weit üppiger werden seit Jahren die amerikanischen Spitzenmanager bezahlt. Im Dow Jones kamen die Konzernchefs durchschnittlich auf 30,5 Millionen Euro. Das ist das Fünffache des Dax-Niveaus. Spitzenreiter im Dow-Jones-Index war im vergangenen Jahr Goldman-Sachs-Chef David Solomon. Der Investmentbanker erhielt – vor allem dank des steigenden Aktienkurses – eine Gesamtvergütung in Höhe von rund 105 Millionen Euro. Er lag damit noch deutlich vor Microsoft-Chef Satya Nadella (85,5 Millionen) und Apple-Chef Tim Cook (65,8 Millionen). Laut DSW erhielten 28 der 30 Chefs der im Dow Jones gelisteten Unternehmen mehr als der Dax-Spitzenverdiener Christian Klein. Im Euro Stoxx führt Michel Doukeris, der Chef des größten Braukonzerns der Welt AB Inbev. Er stand schon im Vorjahr mit einem Gehaltspaket im Wert von damals 24,3 Millionen Euro an der Spitze des europäischen Leitindex. Im vergangenen Jahr konnte er seinen Verdienst nochmals kräftig um rund 164 Prozent auf insgesamt 63,9 Millionen Euro steigern. Auch bei ihm entfällt der Großteil – mehr als 90 Prozent – auf langfristig variable Vergütungsbestandteile.