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Debütant, mit dem niemand gerechnet hat – auch er selbst nicht

Sport

Mika Baur ist eher klein, recht schmächtig, nicht außergewöhnlich schnell, dafür ein feiner Techniker mit einer ausgeprägten Spielintelligenz. Er ist auf den ersten Blick ein Fußballer, wie es sie oft im Profibereich gibt. Dass ihn damals in Frankfurt am Main niemand so wirklich auf dem Zettel hatte, als Jürgen Klopp seinen ersten Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verkündete, ist daher nicht besonders verwunderlich.

Bis zu Klopps Anruf sei auch für Baur selbst die Nationalmannschaft sehr weit weg gewesen: „Das fühlt sich immer noch unrealistisch an“, sagt er.

Immerhin spielte der 22-Jährige die meiste Zeit seiner bisherigen Karriere in der Dritten Liga, war bis zum Sommer des letzten Jahres noch ausgeliehen an Dynamo Dresden. Umso erstaunlicher ist es, dass der aus Baden-Württemberg stammende Mittelfeldspieler am Donnerstagabend in München als 1000. Debütant für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auflief und mit dem Nationalteam direkt einen Sieg gegen Serbien einfuhr.

Denn die Geschichte Baurs war lange die eines talentierten Fußballers, der sich in letzter Konsequenz nie so richtig durchsetzen konnte – zumindest nicht auf allerhöchstem Niveau. Über die Jugendabteilung des VfB Stuttgart verlief der Weg zunächst zum Nachwuchs des SC Freiburg.

Celtic Glasgow lockte mit der Champions League

In der Saison 2023/24 stand Baur mehrmals im Kader des damaligen Cheftrainers der A-Mannschaft Christian Streich. Er debütierte aber weder im DFB-Pokal noch in der Europa League oder der Bundesliga. Als er sich vor rund zwei Jahren dem Zweitligisten SC Paderborn anschloss, sammelte er zumindest ein wenig Spielzeit.

Sein erster kleiner Durchbruch gelang ihm allerdings erst im vergangenen Sommer, als er aus Dresden zurückkehrte, sich unter dem neuen Paderborn-Trainer Ralf Kettemann in die Stammelf spielte und sich zu einem wichtigen Leistungsträger entwickelte. In der jüngsten Aufstiegssaison gelangen ihm vier Tore und acht direkte Vorlagen in 33 Spielen.

Endlich erste Liga für Baur, hätte man denken können. Doch weil der schottische Meister Celtic Glasgow mit der Aussicht auf die Champions League warb, kehrte Baur der Bundesliga den Rücken. „Für mich war im Sommer der Sprung zu Glasgow eine wichtige Etappe“, aber dass dieser auch zum Schritt ins Nationalteam führen kann, „damit habe ich nicht gerechnet“.

Als Celtic die Verpflichtung im August bekanntgab, wurde der Transfer von den Fans und der schottischen Presse gefeiert. Er füge technische Klasse, Dynamik und Vielseitigkeit zum Spiel der Schotten hinzu und sei das verbindende Element zwischen Mittelfeld und Angriff, lautete der Tenor.

Jürgen Klopp dürfte derweil auch überzeugt haben, dass sich Baur trotz seiner Statur in der Scottish Premiership behauptete und sich schnell einen Stammplatz im neuen Team erspielte. „Das mag nicht die beste Liga der Welt sein, aber draufhauen tun die“, sagte Klopp und ergänzte anerkennend: „Da hat er sich echt eine Liga ausgesucht, um den nächsten Schritt zu machen.“

Baur ist trotz seiner Statur stark im Gegenpressing

Der 22-Jährige passt auch deshalb so gut in die Spielidee Klopps, weil er einerseits mutig mit Ball agiert und eine konstant hohe Passquote hat, und andererseits, weil er stark im Gegenpressing ist. Nach seiner Einwechslung gegen Serbien fügte er sich nahtlos in den überzeugenden Auftritt der deutschen Elf ein und verzeichnete direkt mehrere Balleroberungen.

„Mika Baur ist auch einer dieser wundervollen Spieler, die jetzt dabei sind. Ist er Sechser, Achter, Zehner – ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht so ganz genau. Er ist einfach ein wahnsinnig schlauer Spieler, technisch unglaublich gut, hat eine fantastische Einstellung und sich das heute einfach verdient, fertig“, sagte Klopp.

Der Bundestrainer ging sogar so weit, Baur mit Mittelfeldstar Vitinha von Paris Saint-Germain zu vergleichen. „Es gibt bei einem mehrmaligen Champions-League-Sieger einen Spieler, an den er mich ständig erinnert. Nicht nur optisch, sondern auch von der ganzen Veranlagung“, sagte Klopp und spielte damit auf den portugiesischen Nationalspieler an.

Darauf, dass Mika Baur mal solch ein Fußballmärchen erleben würde, deutete anfangs also nur wenig hin. Nicht zuletzt, weil sein Vater Markus Baur heißt und als Europa- und Weltmeister einer der erfolgreichsten deutschen Handball-Nationalspieler war.

„Mit Handball habe ich relativ früh aufgehört, das hat sich schnell in die Fußballrichtung gezogen, wobei ich auch lange Tennis gespielt habe“, sagte Baur in seinen ersten Tagen beim DFB. „Ich bin dann beim Fußball hängen geblieben, hat mir am meisten Spaß gemacht. Lieber einen Ball am Fuß als in der Hand.“

Rückblickend war diese Entscheidung wohl goldrichtig, denn sie bescherte ihm nun das Debüt bei der Nationalmannschaft. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, von dem man hofft, dass das nie weggeht.“ Nach den jüngsten Eindrücken bekommt man das Gefühl, dass Baur eines der neuen Gesichter sein könnte, die zumindest beim DFB nicht weggehen, sondern bleiben.

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