„Den Schnickschnack braucht kaum jemand“ - Leser über Software und KI im Auto
Der vollständige Artikel von Philipp Raasch, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Wir bauen jetzt das Auto, das Tesla vor 9 Jahren gebaut hat
Deutsche Autobauer stehen unter Druck, ihre Fahrzeuge stärker über zentrale Software-Plattformen zu entwickeln und Funktionen per Update weiterzuentwickeln. Im FOCUS-online-Forum beschäftigt dieser Umstand viele Leser. Einige Kommentatoren sehen genau darin jedoch keinen Fortschritt: Sie wollen zuverlässige Mechanik, einfache Bedienung und möglichst wenig Abhängigkeit von Software, Abos und dauerhafter Vernetzung. Andere halten Softwarekompetenz für unverzichtbar, wenn deutsche Hersteller bei Assistenzsystemen, automatisiertem Fahren und neuen digitalen Diensten mithalten wollen. Im Kern streiten die Kommentatoren darüber, ob das Auto der Zukunft vor allem ein gutes Fahrzeug bleiben muss oder ob Software zunehmend darüber entscheidet, wer auf dem Weltmarkt bestehen kann.
Skepsis gegenüber softwaredefinierten Autos
Die größte Lesergruppe begegnet dem softwaredefinierten Auto mit deutlicher Skepsis. Sie fürchtet mehr Komplexität, neue Fehlerquellen, Datenzugriffe und kostenpflichtige Freischaltungen bereits verbauter Funktionen. Auch Over-the-Air-Updates werden als mögliches Sicherheitsrisiko gesehen. Die Bedenken sind nicht grundsätzlich unbegründet, allerdings sind Softwareupdates und Cybersecurity inzwischen selbst Gegenstand internationaler Fahrzeugregeln. Hersteller müssen entsprechende Managementsysteme für Cybersicherheit und Softwareupdates vorweisen. Vernetzung bedeutet daher nicht automatisch weniger Sicherheit. Sie schafft aber neue Angriffspunkte und erhöht den Aufwand, Fahrzeuge über viele Jahre technisch abzusichern. Genau darin sehen viele Leser einen Nachteil gegenüber einfacheren Fahrzeugkonzepten.
ANZEIGE
ANZEIGE
„Ich arbeite täglich mit KI, kann programmieren und bin ein IT-Nerd, aber im Auto brauche ich das nicht unbedingt. Ich teile die Ansichten von Gartner nicht. Ich fände es besser, wenn die Autos unterschiedlich sind, statt alle gleich. Bei so vielen Marken sollte es die Freiheit geben, dass für alle Kunden etwas angeboten werden kann. Wer einen Computer zum Fahren braucht – bitte, die gibt es schon. Wer aber lieber puristisch und frei von dem Kram, Einmischung und Bevormundung Auto fahren will, dem sollte man dies auch weiterhin ermöglichen. Diese Gleichschaltung hat eher etwas von sozialistisch-planwirtschaftlichem Denken als von freier Marktwirtschaft und Produkte bauen, welche Kunden brauchen, wollen und kaufen.“ Zum Originalkommentar
„Software im Auto bietet dem Hersteller viele Zugriffsmöglichkeiten auf Daten des Eigentümers und Fahrers. Sie verschafft dem Hersteller neue Verdienstmöglichkeiten durch Freischaltung und Dauerleasing von eigentlich selbstverständlichen Funktionen wie Radioempfang, Navi, Klima etc. Sie verschafft der EU die Möglichkeit zur Gängelung und Überwachung des Fahrers und sie verschafft Hackern den einfachen Zugang zum Fahrzeug bis hin zu Manipulation und Diebstahl.“ Zum Originalkommentar
„Ständige Updates wegen Sicherheitslücken, weil man allen möglichen Schnickschnack in die Software einbaut, den kaum jemand braucht, aber das System angreifbar macht. Siehe die kürzliche Katastrophe mit MS Excel, wo nach einem Update Copy & Paste u. a. nicht mehr funktionierte. Die wichtigste Funktion überhaupt. Man stelle sich nur mal vor, nach einem Update fürs Auto funktionieren die Bremsen nicht mehr. Oder das System wird gehackt und ferngesteuert ...“ Zum Originalkommentar
Fahrqualität und Industriekompetenz bleiben entscheidend
Eine zweite Lesergruppe hält die Gegenüberstellung von Software und klassischem Automobilbau für zu kurz gegriffen. Für sie entscheiden weiterhin Fahrkomfort, Verarbeitung, Haltbarkeit und zuverlässige Technik darüber, welches Auto sie kaufen. Ein gutes Softwaresystem könne diese Eigenschaften ergänzen, aber nicht ersetzen. Zugleich erkennen diese Kommentatoren an, dass deutsche Hersteller eigene Softwarekompetenz benötigen und sich nicht dauerhaft von externen Plattformen abhängig machen dürfen. Diese Sicht entspricht auch der Entwicklung der Industrie: Volkswagen arbeitet an einer eigenen Architektur für softwaredefinierte Fahrzeuge, BMW baut automatisierte Fahrfunktionen aus. Der Wettbewerb entscheidet sich damit nicht ausschließlich bei der Software, aber ohne leistungsfähige Software lassen sich viele neue Fahrzeugfunktionen kaum noch entwickeln.
„“Gartner Digital Automaker Index”. Wer bitte kauft danach ein Auto? Hand aufs Herz, die meisten Menschen wissen nicht mal, dass es sowas gibt.“ Zum Originalkommentar
„Ein spannender Artikel, der einen Laien erahnen lässt, worum es wirklich geht. Ich nehme mal an, dass derzeit ein Durchschnittskunde im Fahrzeug erst mal nicht merkt, ob es software- oder maschinenbauzentrisch ist. Wirklich problematisch wird das alles erst beim autonomen Fahren. In der Pharmaindustrie ist es ja oft so, dass der, der als Erster einen Wirkstoff hat, am Markt nicht unbedingt am erfolgreichsten ist. Aber wenn man eine ganze Technologie verschläft? Mercedes und BMW haben ja immerhin hinbekommen, was VW nicht geschafft hat: eigene, softwarezentrische Fahrzeuge. Erstaunlich ist, dass der renommierte und weltgrößte japanische Hersteller Toyota, der mit der Einführung von Hybridfahrzeugen seine Innovationsfähigkeit bewiesen hat, in der Gartner-Liste noch hinter den Deutschen rangiert.“ Zum Originalkommentar
„Die Analyse mag faktisch korrekt sein, aber sie spart ein paar Dinge aus. Zunächst einmal muss sich ein Auto an seinen Fahreigenschaften messen lassen – und an seiner Verarbeitung ...“ Zum Originalkommentar
Zustimmung zum softwaredefinierten Auto
Ein kleinerer Teil der Leser sieht Software, KI und automatisiertes Fahren als entscheidende Technologien für die Zukunft der Autoindustrie. Diese Kommentatoren verweisen auf Tesla und andere neue Anbieter und warnen davor, dass deutsche Hersteller technologisch den Anschluss verlieren könnten. Tatsächlich investieren die Konzerne inzwischen erheblich in diesen Bereich.
„Einige der genannten Unternehmen sind den hiesigen schon wieder zwei bis drei Entwicklungsgenerationen voraus. Sie haben schon Satelliten in Betrieb (z. B. Tesla und Geely), die das Navigieren auf wenige Zentimeter genau erlauben. Dazu Starlink, das jeden Zentimeter auf der Welt per Internet erreichen kann und inzwischen auch in Teslas Cybercab verbaut wird. Das sind weitere Bausteine, mit denen das autonome Fahren Normalität wird. Noch einen kleinen Schritt weitergedacht werden durch autonom fahrende E-Fahrzeuge kaum noch Autos benötigt, die 22 Stunden am Tag nur herumstehen und an Wert verlieren.“ Zum Originalkommentar
„Also ich kann hier nur feststellen: Nach fünf Jahren habe ich mittlerweile den zweiten Tesla, und die Software funktioniert perfekt. Man gewöhnt sich unheimlich schnell daran. Das Navi ist wirklich spitze, zeigt jede rote Ampel, wo ein paar Autos stehen, schon als Mini-Stau an. Sehr sinnvolle Softwareupdates kommen ohne Probleme. Über die Jahre ist die Software extrem gut entwickelt worden ...“ Zum Originalkommentar
„Und wieder mal eine gute Analyse des Ist-Zustandes. Sie beschreibt die Ursache, warum die hiesige Industrie dem Weltmarkt hinterherhinkt. Wie lange das noch gut geht, weiß niemand. Nur sicher ist: Wer demnächst nichts in KI und autonomem Fahren zu bieten hat, braucht bald gar nichts mehr anzubieten. Das Geschäft treiben jetzt schon andere gewaltig voran.“ Zum Originalkommentar
Andere Meinungen sowie sarkastische Beiträge
Die übrigen Beiträge richten sich weniger gegen einzelne Technologien als gegen die Vorstellung, dass Digitalisierung allein die Probleme der deutschen Autoindustrie lösen könne. Einige Leser halten den Begriff des softwaredefinierten Autos für Marketing und bezweifeln, dass Käufer ihre Entscheidung an solchen Kriterien ausrichten.
Diskutieren Sie mit, teilen Sie Ihre Einschätzung und beteiligen Sie sich an der Diskussion im Kommentarbereich.
Hier für den Auto-Newsletter anmelden!
Sie wollen keinen Artikel unserer Auto-Experten verpassen? Dann melden Sie sich jetzt beim Auto-Newsletter von FOCUS online an.
Hinweis: Die zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Analyse und Strukturierung erfolgen mithilfe Künstlicher Intelligenz. Die zusammenfassenden Texte und Einordnungen werden redaktionell kuratiert und bearbeitet.