DAX +0,15 % 25.410,84 Pkt 18:00:00 MDAX +0,67 % 30.287,68 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.116,23 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,96 % 52.361,58 Pkt 21:43:41 S&P 500 +0,17 % 7.676,77 Pkt 21:43:43 Nasdaq +0,62 % 26.169,38 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,95 % 63.404,01 Pkt 02:36:35 Gold -0,23 % 4.029,00 USD 02:41:35 Silber -0,31 % 54,18 USD 02:41:10 Brent -0,85 % 109,80 USD 02:41:14 WTI -0,82 % 100,93 USD 02:41:34 Bitcoin -0,02 % 79.996,27 USD 02:51:34 EUR/USD -0,41 % 1,11720 USD 02:50:42 EUR/GBP -0,13 % 0,83740 GBP 02:51:36 EUR/CHF +0,08 % 0,92480 CHF 02:51:36 EUR/JPY +0,11 % 176,107 JPY 02:51:37

Deportation vor 85 Jahren, Dieter Dehm verurteilt

Allgemein

Man muss kein Prophet sein, um anzunehmen, dass Merz heute gut Wetter bei der Jungen Union machen wird. Er verstehe den Unmut ja, wird er sagen. Er würde auch gern durchregieren, wird er sagen. Er sei nur leider in einer Koalition gefangen, die Kompromisse schmieden müsse, wird er sagen. Was er sicher nicht sagen wird: »Diese Debatte gerade, dass wir uns diese Sozialversicherungssysteme und diesen Sozialstaat finanziell nicht mehr leisten können, ist – und da entschuldige ich mich jetzt schon für den Ausdruck – Bullshit.« Dieses Zitat stammt von der damaligen Arbeitsministerin Bärbel Bas, als sie im vergangenen Jahr bei der Landeskonferenz der Jusos in Gelsenkirchen auftrat.

Insofern wäre Bas eigentlich der interessantere Gast heute bei der JU. Oder ihr Nachfolger Alexander Schweitzer, der noch vor Kurzem sagte, die gesetzliche Rente sei das Resultat harter Arbeit und »kein Charity-Projekt«. Die Vorschläge der Rentenkommission müssten »noch einmal auf den Tisch«.

Wie auch immer ein Kompromiss zwischen SPD und Union ausfallen wird – Winkel könnte ihn von diesem Tisch fegen.

Mehr Hintergründe: Jetzt hat Merz schon wieder ein JU-Problem

An diesem Wochenende vor 85 Jahren begannen die Nationalsozialisten, mit dem sogenannten Osttransport im großen Stil Juden zu deportieren. Am 18. Oktober 1941 wurden 1013 Berlinerinnen und Berliner am helllichten Tag von der Gestapo in einem Marsch durch die Stadtteile Moabit, Charlottenburg und Halensee nach Grunewald getrieben. Es hatte sich schnell herumgesprochen. Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden bis 1945 mehr als 55.000 Menschen aus Berlin verschleppt und ermordet.

Am Sonntag erinnern Berlins Noch-Regierender-Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und der israelische Botschafter Ron Prosor am Mahnmal »Gleis 17« des Bahnhofs Grunewald an die Opfer des Terrors der Nazis. Seit Freitag stehen zudem in allen Berliner Bezirken 25 Litfaßsäulen mit stellvertretend 100 großflächig gezeigten Opfern, die diesen Zivilisationsbruch und die damit verbundenen Schicksale thematisieren. Es ist eine Privatinitiative, die der Berliner Regisseur, Kulturmanager und Autor Günter Jeschonnek mithilfe von Fördergeldern umsetzte.

Jeschonnek versuchte für das Projekt neben Holocaustüberlebenden wie Eva Umlauf auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik zu gewinnen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wurde gefragt, ob sie für die Aktion »Sie wollten leben!« die Schirmherrschaft übernehmen wolle. Klöckner ließ ausrichten, dass sie genau auswählen müsse, wofür sie eine Schirmherrschaft übernehme. Sie konzentriere sich auf wenige ausgewählte Veranstaltungen mit einem besonderen Bezug zu ihrem Amt, hieß es in der Antwort. Jeschonneks Initiative gehörte offenbar nicht dazu. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurde angefragt. Er müsse sich bedauerlicherweise eine große Zurückhaltung auferlegen, insbesondere bei der Beschirmung von einzelnen Veranstaltungen, war die Reaktion.

Auch für die Gedenkveranstaltung zum 85. Jahrestag des Beginns der Deportationen hat Steinmeier – anders als vor fünf Jahren – keine Zeit. Da ist er in Kulmbach und nimmt vom Präsidenten des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, eine Erntekrone in Empfang.

Mehr Hintergründe: Manche Schulen schicken »ihre streng gescheitelten Hitler-Boys«, sagt der Guide, »damit wir sie bekehren«

Dehm spielte in den vergangenen Wochen eine entscheidende Rolle bei der Annäherung von AfD und BSW in Sachsen-Anhalt. Jetzt hat das Amtsgericht Tiergarten auf Antrag der Staatsanwaltschaft Berlin einen Strafbefehl gegen ihn erlassen, berichtet mein Kollege Timo Lehmann. Der Tatvorwurf: Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Hintergrund ist ein gemeinsames Interview, das Dehm und der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke im Oktober 2025 einem lokalen TV-Sender aus Erfurt gegeben hatten. Dabei kam auch zur Sprache, dass Höcke verurteilt worden war, weil er im Landtagswahlkampf 2021 in Sachsen-Anhalt die SS-Parole »Alles für Deutschland« verwendet hatte. Im Interview solidarisierte sich Dehm mit Höcke und wiederholte den Spruch.

Das Gericht setzte gegen Dehm eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 150 Euro an. Dehm hat Einspruch eingelegt, die Entscheidung ist daher nicht rechtskräftig. Er selbst wollte sich dazu nicht äußern. Ist vielleicht auch besser so.

Die ganze Geschichte hier: Gericht erlässt Strafbefehl gegen Diether Dehm

…ist der Kanon-Verlag. Der junge Buchverlag hat bislang drei Bände mit Tagebuchaufzeichnungen des Schauspielers und Sängers Manfred Krug herausgegeben. Kommende Woche jährt sich dessen Todestag zum zehnten Mal. Aus diesem Anlass veröffentlichte Kanon einen vierten und letzten Band über die Jahre 2002 bis 2004. Nicht nur, weil ich Krug seit »Auf Achse« sowieso für den größten Künstler Deutschlands halte, ist dieser Band ein Riesenvergnügen. Denn Krug war auch ein feinsinniger und selbstironischer Beobachter und Chronist.

Kostprobe? »Sa 18.1.2003 – Ein drängender Brief von der Duisburger Prinzengarde ist gekommen: Ich solle unbedingt am ›Herrenessen‹ im ›Duisburger Hof‹ teilnehmen. Das steigt um 12.00 Uhr mittags am 15.2.2003 und da sollen einige Neu-Narren aufgenommen werden, darunter der CDU-Politiker Friedrich Merz (😊). Na, das fehlt mir gerade noch. Ich schicke der Prinzengarde eine Spende über 2000 Euro und hoffe, mich so endgültig loskaufen zu können.«

Zur Rezension des dritten Bands durch Krugs Tochter Marlene Duda: »So wie er hier schreibt, so erinnere ich mich an ihn. Pointiert, komisch, mit Rückgrat«

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