Der Anleihenmarkt brennt - und kaum einer schaut hin
Der größte Markt der Welt sendet gerade das lauteste Signal seit 2008. Und die Tagesschau berichtet über Klimaziele.
Rund 145 Billionen Dollar stecken im globalen Anleihenmarkt. Damit ist er ungefähr so groß wie alle Aktienmärkte der Welt zusammen – und trotzdem berichtet niemand darüber. Dabei ist er der wichtigere von beiden. Denn hier wird der Preis des Geldes gemacht. Für Ihre Hypothek, für jeden Unternehmenskredit, für jede Aktienbewertung, für jeden Staatshaushalt. Wenn dieser Markt zuckt, zuckt alles. Und er zuckt gerade nicht. Er krampft. Und das Global! Was sich gerade zusammenbraut könnte einen desaströsen Dominoeffekt auslösen.
Ein globales Pulverfass
Japan. Die zehnjährige Rendite hat 3 Prozent durchbrochen. Zum ersten Mal seit 1996. Dreißig Jahre. Die dreißigjährige Anleihe markierte mit über 4,15 Prozent ein Allzeithoch – höchster Stand, seit es diese Laufzeit überhaupt gibt. Und das in einem Land mit über 200 Prozent Schuldenquote.
Großbritannien. Zehnjährige Gilts über 5,2 Prozent, so hoch wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008. Die dreißigjährige bei fast 5,9 Prozent – Höchststand seit 1998.
USA. Zehn Jahre bei rund 4,8 Prozent, höchster Stand seit Anfang 2025. Die dreißigjährige über 5,3 Prozent, so hoch wie zuletzt in der Finanzkrise. Bei einem Schuldenberg von über 40 Billionen Dollar. Der Zinsdienst allein nähert sich 1,2 Billionen Dollar im Jahr. Pro Jahr. Nur Zinsen!
Deutschland. Die zehnjährige Bundesanleihe bei rund 3,35 Prozent. Höchster Stand seit 2011. Im März 2020 lag sie bei minus 0,85 Prozent. Deutschlands Wirtschaft stagniert seit 7! Jahren und die geht Wirtschaft baut immer weiter ab. Auch in Frankreich ist die angfristige Renditen auf dem höchsten Niveau seit 2008.
Und der Bloomberg-Index für globale Staatsanleihen? 3,72 Prozent. Höchster Stand seit Mitte 2008.
Sie sehen also, das Fieberthermometer ist überall am ansteigen und attestiert dem Patienten, dass er erkrankt ist. Und es ist kein französisches Problem, kein japanisches Problem, kein britisches Problem. Das ist ein systemisches, globales Problem.
Was hier wirklich passiert
Die meisten nennen es einen Ausverkauf. Ich nenne es etwas anderes: eine Rückkehr zur Realität. Zwei Jahrzehnte lang haben Notenbanken den Zins abgeschafft. Nullzins. Strafzinsen. Anleihenkäufe in Billionenhöhe. Yield Curve Control in Japan. Die Bank of Japan hat den Preis für Geld schlicht per Dekret festgesetzt – und der Markt hat mitgespielt, weil er musste. Ich habe das seit Jahren als das bezeichnet, was es ist: finanzielle Repression. Enteignung der Sparer auf Raten. Die größte Umverteilung von unten nach oben in der Geschichte.
Jetzt kommt die Rechnung.
Der Markt nimmt sich zurück, was ihm gehört: die Preisfindung. Und die fällt anders aus, als es den Finanzministern lieb ist. Der Zins ist der Preis für Risiko und Zeit. Wenn Staaten sich schneller verschulden, als sie wachsen, steigt der Preis. So einfach ist das. Kein Wirtschaftsprofessor der Welt kann das wegdiskutieren.
Drei Kräfte wirken gleichzeitig:
Erstens: Inflation ist zurück. Der Ölpreis über 90 Dollar, Brent zeitweise fast 97. Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran treibt die Energiepreise. Die Eurozone meldete für August 3,3 Prozent Inflation nach 2,9 Prozent im Juli. Fed-Chef Warsh hat in Jackson Hole klargemacht, dass die Arbeit noch nicht getan ist. Die Märkte preisen inzwischen über 60 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung am 16. September. Vor einer Woche waren es 37 Prozent.
Zweitens: Die Schuldenflut. Staaten und Unternehmen wollen 2026 rund 29 Billionen Dollar am Anleihenmarkt aufnehmen. Rekord. Dazu kommt eine beispiellose Welle von Unternehmensanleihen, weil der KI-Bau-Boom finanziert werden will. Microsoft, Apple, JPMorgan – alle drängen an den Markt. Die Emissionstätigkeit im September liegt geschätzt 30 bis 40 Prozent über dem Zehnjahresschnitt.
Wer soll das alles kaufen? Die Notenbanken nicht mehr – die verkaufen. Japan nicht mehr – die brauchen ihr Geld zu Hause. Und genau da liegt der Sprengstoff. Wie verzweifelt man ist, zeigt die tatschade das das US-Finanzministerium nun die eigenen ausgeben Schuldscheine aufkauft. Hat man nun das finanzielle Perpetuum Mobile erfunden? Nein, das ist finanzieller Inzest der schlimmsten Sorte.
Drittens: Das Vertrauen bröckelt. Das US-Finanzministerium hat im August mit Rückkäufen langlaufender Papiere eingegriffen, um die Zinsen zu deckeln. Ergebnis: Die Renditen haben zwei Drittel des Rückgangs wieder aufgeholt. Der Markt lässt sich nicht mehr einschüchtern. Das ist neu. Das ist wichtig.
Zum Erscheinen meines Spiegel-Nr.1 Bestsellers "Der größte Crash aller Zeiten". lag die zehnjährige Bundesanleihe bei minus 0,71 Prozent, und mir wurde erklärt, Zinsen kämen nie wieder. Heute: 3,35 Prozent. Und der Bund muss seine Zinsausgaben bis 2030 verdreifachen. Dazu kommen die Dinge, die ich in Interviews und Kolumnen seit Jahren sage und die inzwischen Alltag sind: Rückkehr der Inflation, Deindustrialisierung Deutschlands, das Scheitern der Energiewende, Rekordinsolvenzen.
Als ich bei ServusTV nach dem Zukunftsberuf gefragt wurde, habe ich "Insolvenzverwalter" geantwortet. Man hat gelacht. Heute haben wir Rekordinsolvenzen. Ich sage das nicht, um recht zu haben. Ich sage es, weil daraus eine Methode folgt: Wer versteht, wie ein Schuldgeldsystem endet, muss nicht raten. Er muss nur rechnen.
Und die Rechnung war immer dieselbe. Unbegrenzt vermehrbares Papiergeld verliert gegen begrenzt vermehrbare Sachwerte. Immer. Ohne Ausnahme. In jeder Währungsgeschichte der letzten 5.000 Jahre.
Deswegen empfehle ich seit über einem Jahrzehnt dasselbe: Gold, Silber, Bitcoin, Rohstoffe, produktive Substanz. Nicht weil ich ein Crash-Prophet bin, sondern weil Knappheit die einzige Eigenschaft ist, die kein Politiker per Beschluss abschaffen kann.
Japan ist das Epizentrum
Vergessen Sie für einen Moment Washington. Schauen Sie nach Tokio.
Japan war jahrzehntelang der Anker des globalen Anleihenmarktes. Japanische Versicherer, Pensionskassen und Banken haben ihr Geld ins Ausland getragen, weil es zu Hause nichts gab. Dieses Kapital hat amerikanische Staatsanleihen finanziert, europäische Immobilien, globale Aktienmärkte. Der Yen-Carry-Trade war der Schmierstoff der Weltfinanz.
Jetzt gibt es zu Hause wieder Rendite. Über 4 Prozent auf dreißig Jahre. Ohne Wechselkursrisiko.
Was passiert, wenn dieses Kapital heimkehrt?
Die Antwort kennen wir teilweise schon: Es zieht an allem, was mit billigem Geld gebaut wurde. Und wenn der Abstand zwischen japanischen und amerikanischen Dreißigjährigen unter 100 Basispunkte fällt, wird die Rechnung für Treasuries brutal.
Premierministerin Takaichi fährt gleichzeitig eine expansive Fiskalpolitik mit Rekord-Budgetanmeldungen. Mehr Schulden, höhere Zinsen, schwacher Yen. Ein Land mit 200 Prozent Schuldenquote kann sich 4 Prozent Zinsen nicht leisten. Punkt.
Und Deutschland? Der Zinsberg wächst
Kommen wir nach Hause. Es wird nicht schöner.
Die Zinsausgaben des Bundes: 2026 rund 33,7 Milliarden Euro. 2027 bereits 43,6 Milliarden. Ein Plus von fast 10 Milliarden – in einem einzigen Jahr. Und dann geht es erst richtig los. Die eigene Finanzplanung der Bundesregierung sieht vor: 55,2 Milliarden 2028. 68,1 Milliarden 2029. 80,7 Milliarden 2030. Eine Verdreifachung in vier Jahren. Für nichts. Für keine Straße, keine Schule, keine Rente. Nur für den Schuldendienst. Die geplante Neuverschuldung 2027 liegt bei 196,5 Milliarden Euro. Kumuliert bis 2030 über eine Billion. Das 500-Milliarden-Sondervermögen ist dabei noch nicht einmal richtig abgerufen.
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