Der Archäologe Harald Meller im Interview über Otto den Großen
FAZ+Archäologe Meller : „Die Zeit der Geschichtsfälschungen ist zurückgekehrt“ Von Andreas Kilb 31.07.2026, 07:12Lesezeit: 7 Min. Kaiserliche Knochen: Die Gebeine Otto des Großen im Hörsaal der Universitätsmedizin Magdeburgdpa Die AfD vereinnahmt Otto den Großen als Ahnherren der deutschen Nation. Landesarchäologe Harald Meller hält mit Wissenschaft dagegen. Er erforscht das Skelett des Kaisers und warnt vor der Rückkehr nationalistischer Geschichtsmythen. Die „Reliquien der deutschen Nation“ seien „banaler Neugier ausgeliefert“ worden, schrieb der kulturpolitische Sprecher der AfD in Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, auf der Website seiner Partei, als das Skelett Ottos des Großen in der Medizinischen Fakultät der Universität Halle gezeigt wurde. Harald Meller, der Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vorgeschichte in Halle, hatte die dringend notwendige Sanierung des brüchig gewordenen kaiserlichen Sarkophags im Magdeburger Dom dazu genutzt, Ottos Gebeine wissenschaftlich untersuchen zu lassen, und sie bei einem Pressetermin der Öffentlichkeit vorgeführt. Bis zur Wiederbestattung und zur Schließung des Sarkophags im September werden die Knochen des Kaisers mit neuesten Forschungsmethoden durchleuchtet, auch im Hinblick darauf, ob man Otto wirklich als „Gründer des Deutschen Reiches und damit der Präfiguration unseres Staates“ bezeichnen darf, wie es Tillschneider tut. Kann man Archäologie „deutsch denken“? Darüber müssen wir reden. Wir treffen Harald Meller im Direktorenbüro des halleschen Museums, das gerade seine Sonderausstellung über die steinzeitliche Schamanin von Bad Dürrenberg aufgrund des großen Besucherandrangs bis 2027 verlängert hat. FAZ+ Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen (Originalpreis: 13,80 €) jetzt nur 0,99 € Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen (Originalpreis: 13,80 €) jetzt nur 0,99 € Mit einem Klick online kündbar Das Beste von FAZ+ FAZ+Krisenvorsorge Prepping: Der brave Bürger baut sich einen Bunker Auch immer mehr Durchschnittsbürger bereiten sich auf den großen Zusammenbruch vor, weil auf den Staat kein Verlass mehr sei. Julian Kaspar Genner hat das Prepper-Milieu erforscht und nach den Motiven gefragt. Marianna Lieder FAZ+Die Serie „Sheep“ im ZDF: Satire mit Scha(r)fsinn In der anarchisch-zurückgelehnten Serie „Sheep“ sprechen die Schafe, während es den Menschen verwehrt bleibt. Das ist sehenswerter Herdentierklamauk mit einer guten Portion österreichischer Doppelbödigkeit. Axel Weidemann FAZ+Robert Macfarlanes Buch: „Wer ist dieser Vogel?“ Ergriffen von der eigenen Ergriffenheit: Robert Macfarlane legt eine Sammlung von Vogelporträts vor, nimmt es mit den biologischen Fakten aber nicht so genau. Kai Spanke Quelle: F.A.Z.Artikelrechte erwerben Andreas Kilb Feuilletonkorrespondent in Berlin. Schlagworte: