Der Auftritt beim Glücksgefühle-Festival
Beim „Glücksgefühle“-Festival ist der Streit um Alphaville längst nicht ausgestanden. Nun hat sich auch Nura eingemischt – und dabei einen anderen Künstler des Line-ups ins Visier genommen. Während ihres Auftritts auf dem Hockenheimring griff die Rapperin Andreas Gabalier verbal an.
Den Anlass lieferte die vorangegangene Kontroverse um Alphaville. Nura stellte auf der Bühne die Frage, warum Gabalier bei dem Festival spielen könne, während es um den Auftritt der Band um Marian Gold zuvor einen heftigen Konflikt gegeben hatte. „Andreas Gabalier darf hier auftreten und Alphaville nicht, oder was?“, rief sie ins Publikum.
Bei dieser Spitze blieb es nicht. Nura kündigte in drastischen Worten an: „Pass mal auf, wie ich später in seinen Backstage kacken werde.“ In einem auf Instagram verbreiteten Mitschnitt sind daraufhin Jubelrufe aus dem Publikum zu hören. Später legte die Rapperin mit einem „F*** Andreas Gabalier“ nach.
Warum Gabalier in Nuras Ansage auftaucht
Andreas Gabalier hat in der Vergangenheit wiederholt Debatten mit Äußerungen über gesellschaftliche Themen ausgelöst. Den Vorwurf, politisch rechts zu stehen, weist der österreichische Sänger zurück. Auf Nuras Beschimpfungen reagierte Gabalier zunächst nicht öffentlich. Sein eigener Auftritt beim „Glücksgefühle“-Festival war nur wenige Stunden später angesetzt.
Nura legt sich auch mit den Veranstaltern an
Der Sänger war allerdings nur ein Teil von Nuras Bühnenansage. Auch die Festivalleitung bekam deutliche Worte zu hören. „Ihr habt mich eingeladen, also labert keinen Scheiß“, sagte die Rapperin.
Die Vorstellung, ihr Auftritt könne wegen solcher Aussagen als politische Propaganda verstanden werden, wies sie zurück. „Wenn man mich bucht, kriegt man bestimmt keine politische Propaganda.“ Anschließend verwies Nura auf ihre eigene Lebensrealität: „Ich bin schwarz, wollt ihr mich verarschen?“
Damit erreichte die Auseinandersetzung um die gewünschte politische Zurückhaltung auf dem Festival eine weitere Eskalationsstufe. Auslöser war die zwischenzeitliche Ausladung von Alphaville gewesen. Festivalchef Markus Krampe entschuldigte sich später für die Entscheidung und lud die Band erneut ein. Alphaville lehnte die Rückkehr jedoch ab.
Auch Mia Julia berichtet von Rechtsextremismus
Nach Nuras Set, das um 16.15 Uhr endete, verschwand das Thema Politik ebenfalls nicht von der Bühne. Einen ernsten Ton schlug später Mia Julia an.
Die Sängerin sprach während ihres Auftritts über ihre persönlichen Erfahrungen mit Rechtsextremismus. Nach eigenen Angaben wurde sie über Jahre hinweg aus der rechtsextremen Szene bedroht und berichtete dem Publikum von den Dimensionen dieser Anfeindungen.
So nahm das Festival am Ende eine bemerkenswerte Wendung: Der Versuch, politische Diskussionen von der Bühne fernzuhalten, führte nicht zu weniger Wortmeldungen. Stattdessen äußerten sich im Laufe des Tages gleich mehrere auftretende Künstler zu gesellschaftlichen und politischen Themen.