Der Emostyle kommt 2026 zurück - Millennials haben scheinbar nur darauf gewartet
Wenn mir mit 15 jemand gesagt hätte, dass ich es irgendwann nicht mehr cool finden würde, rot-schwarz karierte Vans mit einem schwarzen Top mit pinken Sternen zu kombinieren, hätte ich der Person nicht geglaubt. Meine Liebe zum Emostyle verpuffte dann jedoch schneller als gedacht. Schon wenige Jahre später waren mir meine Looks von damals peinlich – doch das könnte sich bald ändern, denn auf Social Media beobachte ich das langsame Comeback des Mid-2000er-Phänomens. Eine Entwicklung, die eigentlich längst überfällig ist und von der ich doch nicht weiß, ob ich schon bereit dafür bin.
Was den Emostyle der 2000er ausmachte
Schräger Pony, Sterne, Herzchen, Schleifen alles in schwarz, pink, rot und weiß. Das sind nur einige typische Elemente, die die Emomode Mitte der 2000er ausgemacht haben. Dazu kamen enge Röhrenjeans (am besten von Drainpipe), Bandshirts von My Chemical Romance oder Fall Out Boy, Nietengürtel, die mehr Statement als Funktion waren, und Converse Chucks, die man bis zur Unkenntlichkeit bekritzelte. Wer es besonders ernst meinte, trug Arm Warmers, Fishnet-Handschuhe und natürlich: schwarzen Eyeliner. Viel schwarzen Eyeliner. Die Haare? Tiefschwarz gefärbt, asymmetrisch geschnitten, der Pony so tief ins Gesicht gezogen, dass man sich fragte, wie man überhaupt noch etwas sehen konnte. Eine meine größten Ängste damals: Dass der zu Tode geglätte Pony nass werden und sich so sehr locken könnte, dass er über den Augenbrauen endet.
Doch Emo war nie nur Mode, es war ein Lebensgefühl, das untrennbar mit der Musik verbunden war. Bands wie My Chemical Romance, Fall Out Boy, Panic! At The Disco, Paramore und Taking Back Sunday lieferten den Soundtrack zu einer Generation, die ihre Gefühle nicht verstecken wollte. Die Texte handelten von Herzschmerz, Identitätskrisen, Außenseitertum und dem Gefühl, von der Welt nicht verstanden zu werden.Themen, die gerade in der Pubertät universell nachvollziehbar waren. Auf MySpace teilte man seine Lieblingssongs, auf Konzerten schrie man die Lyrics mit, als ginge es um Leben und Tod. Die Musik war der Klebstoff, der die Community zusammenhielt und der Grund, warum der Style überhaupt erst zu einer Bewegung wurde.
Wer die 2000er liebt, sollte auch diese Romcoms unbedingt noch mal schauen:
My Chemical Romance gehen wieder auf Tour
Das legendäre My Chemical Romance Album „The Black Parade“ ist mittlerweile 20 Jahre alt. Die Band feiert das mit einer weltweiten Stadiontournee – und zeigt damit, dass sie in den letzten Jahren keinesfalls an Fans verloren hat. Adam Rapchik, Leiter der Abteilung für Musikpartnerschaften bei viagogo, erklärte gegenüber Cosmopolitan UK: „Holt den schwarzen Eyeliner wieder hervor, denn der Emo-Trend ist offiziell zurück. Die Nachfrage auf viagogo ist sprunghaft angestiegen: Die Suchanfragen nach My Chemical Romance stiegen nach der Ankündigung der ‚Black Parade 2026‘-Tour um 22 % und legten anlässlich der Jubiläumsveröffentlichung von ‚Three Cheers‘ um 185 % zu.“ Die Teenager, die sich damals stundenlang die Haare geglättet und toupiert haben, sind heute Anfang bis Mitte 30 und sehnen sich in ihre Jugend zurück, während die Gen Z nach und nach jeden 2000er-Trend wieder hervorkramt und es fast schon ein Wunder ist, dass sie den Emostyle nicht früher für sich entdeckt haben.
Immerhin passt der melancholisch-düstere und doch mit bunten, fast schon niedlichen Elementen durchzogene Style perfekt in die heutige Zeit, in der gefühlt eine Horrormeldung die nächste jagt und der Hang zum Individualismus und zur Selbstdarstellung durch Social Media gleichzeitig immer größer wird. TikTok und Instagram sind das neue MySpace und Tumbler, Labubus das neue Hello Kitty und Diddl Mäuse sind ohnehin zurück. Hinzukommt, dass 20 Jahre ohnehin ein typischer Zyklus sind, in dem sich Modetrends wiederholen, und 2006 war der Beginn der Emozeit, die ihren Höhepunkt etwa 2008/2009 erreichte, um dann rund um die 2010er-Wende ein rasches Ende zu finden.
Aktuell beobachten wir die ersten Vorboten des Emotrends. Millenials posten nostalgische Reels mit Fotos von damals und jüngere Gen Z Influencer Tutorials zu dickem schwarzem Eyeliner. Auch Skinny Jeans – oder wie man damals sagte Röhrenjeans – feiern gerade ihr Comeback, ebenso wie die Napoleon-Jacke, die My Chemicals Black Parade Albumcover zierte – und ich sehe immer häufiger diese bunten gestreiften Strähnen, am besten kombiniert mit einem schrägen Pony.
So trägt man den Emostyle heute
Natürlich kommen Trends nie genau so zurück, wie sie vor 20 Jahren waren. Der Emostyle vermischt sich mit weiteren aktuellen Moderichtungen und wird somit neu interpretiert. Heutige Emos sehen weniger extravagant und etwas schicker aus als die Teenager von damals. Typische Emostyle-Elemente, die wir jetzt schon in der Mode finden, sind zum Beispiel:
Chucks und Vans
Nietengürtel
Schleifen im Haar
Schwarz weiß gestreifte T-Shirts
Skinny Jeans
Netzstrumpfhosen
Damit das Ganze nach Emo aussieht, ist vor allem die Kombination wichtig. Die richtige Frisur muss auf das passende Outfit passen. Ein gutes Basic für den Start sind auf jeden Fall die klassischen schwarzen Converse Chucks:
War der Emostyle überhaupt jemals weg?
Die Chucks beweisen: Einige Elemente des Emostyles waren nie so richtig weg. Und genau das sagen auch viele Millennials. Sie haben sich innerlich immer mit dem Emostyle identifiziert und zumindest Teile davon weiter getragen. Ein Reel der Influencerin @Wastarasagt und die Kommentare darunter haben mich erst so richtig auf das Comeback des Trends aufmerksam gemacht:
Im Video reagiert sie auf ein Reel des Comedians Aurel Mertz, der fragt: „Wo sind eigentlich die ganzen Emos hin?“ und zeigt sich laut singend beim My Chemical Romance Konzert. Nutzer*innen kommentieren darunter Dinge wie: „Ich habe die schwarzen Vans nur gegen gelbe getauscht.“ Als Millennial, der den Emotrend voll mitgemacht hat, freue ich mich zumindest über das My Chemical Romance Comeback. Auch schwarze Chucks habe ich nach wie vor im Schrank stehen. Die haben mich auch durch so manche andere Style-Phasen begleitet. Das Glätteisen für den schrägen Pony bleibt meinen Naturlocken aber definitiv weiterhin fern, ob ich mir jemals wieder schwarzen Kajal auf die Wasserlinie pinseln und mich in eine Röhrenjeans quetschen werde, werden die nächsten Jahre zeigen.