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Der erste Elektro-Kontinent: EU will Öl und Gas verbannen

Technologie

Neue Zielvorgaben Der erste Elektro-Kontinent: EU legt Plan zur Abkehr von Öl und Gas vor Von dpa, wal 18.07.2026 - 06:47 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Die EU treibt ihr Vorhaben voran, Europa als ersten Kontinent der Welt klimaneutral zu machen. Ein neuer Elektrifizierungsplan soll dabei helfen. Anlagen in Industrie, Gebäuden und Verkehr sollen nach dem Willen der Europäischen Kommission künftig häufiger mit Strom betrieben werden. Die Brüsseler Behörde prüft ein Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040. Das kündigte sie jetzt für das laufende Jahr an. Hintergrund der Strategie ist es, weniger fossile Energie zu verbrauchen; der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energiequellen soll steigen. Derzeit liegt die Elektrifizierungsrate in der EU den Angaben der Kommission zufolge stagnierend bei 23 Prozent, bis 2030 wird eine Quote von 32 Prozent angestrebt. China, Korea und Japan erreichen laut der Behörde bereits jetzt über 30 Prozent. In der vergangenen Woche hatte dies auch der Chef der Internationalen Energieagentur IEA, Fatih Birol, bemängelt. Die EU mache einen "Riesenfehler", indem sie nicht schneller mit der Energiewende vorankomme, sagte Birol der "Financial Times". Mehr Wärmepumpen, Elektroautos und Smart Meter Diese Kritik will Brüssel nicht auf sich sitzen lassen und stellte am Freitag den neuen Aktionsplan vor, der die EU zum "ersten Elektro-Kontinent der Welt" machen werde. In allen Ländern sollen mehr Wärmepumpen eingebaut und Elektroautos gefahren werden, außerdem sollen mehr intelligente Stromzähler (Smart Meter) installiert werden, um diese Anlagen besser mit dem Stromnetz zu verzahnen. Die EU-Kommission will im Laufe des Jahres vorschlagen, Subventionen für fossile Brennstoffe schrittweise abzuschaffen. Das könnte in Deutschland zum Beispiel bedeuten, dass das Dieselprivileg oder die Subvention für Agrardiesel nicht mehr erlaubt wären. Details sollen bis Ende 2026 verhandelt werden. Nach einer Analyse des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) gibt es in Deutschland insgesamt 38 Subventionen, die fossile Energieträger bevorzugen. Außerdem soll Strom in der EU im Vergleich zu Gas günstiger werden. Die EU will Maßnahmen vorschlagen, die bewirken, dass Strom für Privathaushalte maximal 2,5-mal so teuer wie Gas ist. Für die Industrie soll der Strompreis maximal doppelt so hoch sein wie der für Gas. Da Strom im Vergleich zu Gas effizienter eingesetzt werden kann, sind elektrische Geräte trotz des höheren Preises oft günstiger. Dieser Vorteil würde durch die Begrenzung des Preisunterschieds nach dem EU-Vorschlag noch weiter verstärkt werden. Iran-Krieg führt zu 50 Milliarden an Mehrkosten für Öl und Gas In Deutschland lag der Elektrifizierungsgrad zuletzt (Zahlen von 2024) nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft bei 20 Prozent. Während im Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen demnach 38 Prozent des Energiebedarfs durch Strom abgedeckt wird und in der Industrie 31 Prozent, sind es bei den privaten Haushalten 21 Prozent und im Verkehr nur drei Prozent. Nach Gebäuden werde in Energiebilanzen nicht extra aufgeschlüsselt, schrieb der Verband. Der seit Februar andauernde Iran-Krieg hat nach Kommissionsangaben zu 50 Milliarden Euro zusätzlichen Kosten für Öl- und Gasimporte geführt – ohne dass mehr Brennstoff bezogen wurde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs sei dies bereits die zweite fossile Preiskrise innerhalb von fünf Jahren. Da die EU mehr als die Hälfte ihres Energieverbrauchs mit importierten fossilen Energieträgern decke, bestehe eine strukturelle Verwundbarkeit. Energieunabhängigkeit sieht die Kommission daher als Souveränitätsfrage. Gas soll bis 2040 größtenteils ersetzt werden Von einer Umstellung auf mehr Strom erhofft sich die Kommission, dass bis 2040 mehr als 70 Prozent der Gasimporte ersetzt werden und die Rohöleinfuhr der Staatengemeinschaft um 40 Prozent gesenkt werden kann. Eingespart werden sollen Schätzungen zufolge bis zu 260 Milliarden Euro an fossilen Importkosten bis 2040. Zudem könne die Elektrifizierung dazu beitragen, die CO2-Emissionen bis 2040 um mehr als zwei Milliarden Tonnen zu senken, rund 20 bis 30 Prozent der derzeitigen Emissionen. Zu einigen Aspekten hat die EU-Kommission nun bereits einen solchen Vorschlag vorgelegt. Unter anderem soll Strom niedriger besteuert werden als Erdgas. Die Brüsseler Behörde schlägt auch vor, die Übertragungs- und Verteilungsnetzentgelte flexibler zu konzipieren. Mitgliedstaaten sollen Steuern und Entgelte für bestimmte Nutzer senken können, etwa für energieintensive Industrien oder Energiegemeinschaften. Die Bundesregierung hat auch im Koalitionsvertrag verankert, dass die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß abgesenkt werden soll. Das ist bisher aber nicht passiert.

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