Der "Feelgood"-Wahlkampf der rechten Schwedendemokraten
Es gibt nur Weniges in Schweden, das so für den Sommer steht, wie der Göta-Kanal mit seinen knapp 60 Schleusen. Im Sommer ist er ein Ziel für Touristen und Einheimische, er gab einer der erfolgreichsten schwedischen TV-Serien seinen Namen. Und er gibt auch eine perfekte Kulisse ab - für den Wahlkampf von Jimmy Åkesson, dem Vorsitzenden der rechtsnationalen Schwedendemokraten. Gleich sechs Tage war Åkesson Ende Juli auf dem Kanal unterwegs. Mit Boot, Tour-Bus und Heißluftballon, der sein eigenes Konterfei zeigt. Das Plakat zur Kanal-Tour sieht aus wie der Tourneeplan einer schwedischen Country-Band: bunt, fröhlich und sehr schwedisch. Hier auf dem Kanal lädt er Gäste auf seine Motorjacht ein - zum Beispiel Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergard von den regierenden Moderaten. Sie darf ihn vor laufenden Kameras öffentlichkeitswirksam ins Wasser schubsen. Das Material landet sofort auf Instagram, TikTok und Co. - unterlegt mit Gute-Laune-Musik. Angelehnt an Trumps MAGA-Kampagne Im Hawaii-Hemd und mit einem Bier in der Hand kommt der starke Mann der schwedischen Rechten ins Sinnieren. Ihm sei in letzter Zeit immer mehr klar geworden, weshalb er in die Politik gegangen sei: "Weil mich eine Sache umtreibt, dass das Land, in dem ich aufgewachsen bin, immer mehr verschwindet." Und genau hier setzt auch seine Botschaft vor den Wahlen am 13. September an. Die Schwedendemokraten versprechen, Schweden wieder zu dem zu machen, was es einmal war. Der Wahlkampf ist angelehnt an die "Make America Great Again"-Kampagne von US-Präsident Donald Trump und soll Erinnerungen an das alte Schweden wecken und auch an das im Grunde genommen sozialdemokratische Folkhemmet ("Volksheim"), in dem jeder seinen Platz und jeder seinen Volvo oder Saab hatte. All das bediene sehr gut eine Sehnsucht vieler Menschen im Land, erklärt Orla Vigsö, Professor für politische Kommunikation an der Universität Göteborg und spricht von einer "Volksheim-Nostalgie". Das fange schon bei den Schriften und Farben der Kampagne an: "Die erinnern an die 1970er-Jahre, fast wie ein Kinderprogramm." Ein anderes Land als in den 1970er-Jahren? Die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten kommt an. Derzeit sind die Schwedendemokraten laut Umfragen die zweitstärkste Partei im Land, noch vor den regierenden Moderaten. Mit denen wollen sie nach einem Wahlsieg eine eigene Koalition bilden und damit erstmals auch Ministerämter besetzen. Das wäre ein Novum in Schweden. In den vergangenen vier Jahren haben sie die bürgerliche Drei-Parteien-Regierung unter Ministerpräsident Ulf Kristersson lediglich gestützt - allerdings verbunden mit einer Art Koalitionsvertrag. Politologe Vigsö betont: "Jetzt wollen sie an die Macht." Mit ihrem Gute-Laune-Wahlkampf geht es den Schwedendemokraten nicht nur darum, Erinnerungen an alte, vermeintlich gute Zeiten zu wecken. Während die Motorjacht durch den Kanal gleitet, macht Åkesson auch deutlich, wer seiner Meinung nach schuld hat, dass Schweden heute ein anderes Land ist als in den 70er Jahren. "Wenn du Nachbarn hast, die nicht verstehen, was du sagst, oder die als Minderheitsschweden in einer Parallelgesellschaft irgendwo am Rande der Stadt leben, dann ist ja klar, dass gegenseitiges Vertrauen und Solidarität abnehmen." Dann kümmere sich jeder nur noch um sich selbst, meint Åkesson. Aufnahme von Flüchtlingen gesenkt Zur Wahrheit gehört: Schweden hat während der Flüchtlingskrise vor zehn Jahren pro Kopf mehr Menschen aufgenommen als fast jedes andere Land in Europa. Ein Grund, weshalb das Land unter der bürgerlichen Regierung eine Wende bei der Migrationspolitik vollzogen hat. Die Aufnahme neuer Flüchtlinge hat Schweden auf das in der EU zulässige Minimumniveau gesenkt. Und die Menschen, die es in den Norden Europas geschafft haben, werden mit hohen Geldsummen zum Verlassen des Landes aufgefordert. Auch die jüngste Entwicklung rund um die Enklave in Ceuta in Nordafrika nutzt Åkesson wie viele andere rechte Parteien in Europa für seinen Wahlkampf. In einem Post auf Instagram prophezeit er neue Flüchtlingsbewegungen für den Fall, dass der linke Block in Schweden die Wahl gewinnt: "Diese Bilder gab es, als sie zuletzt regiert haben. Diese Bilder wird es wieder geben." Gegner starten nur langsam Die politischen Gegner der Schwedendemokraten starten erst jetzt langsam in den Wahlkampf. Magdalena Andersson, die Vorsitzende der Sozialdemokraten und frühere Ministerpräsidentin, zeigte sich zuletzt am Samstag auf der Stockholmer Pride-Parade. In den Umfragen liegt ihre Partei mit mehr als 30 Prozent derzeit zwar vorn, aber es fehlen ihr bisher die Partner für eine stabile Regierung. Eine ihrer zentralen Botschaften ist deshalb auch: Jimmy Åkesson von der Regierung fernzuhalten. Sie sagt, die Schwedendemokraten seien keine Partei wie jede andere: "Schweden wird kein weltoffenes Land mehr sein mit einer Regierung, in der zwölf Minister der Schwedendemokraten sitzen", sagt sie unter Applaus bei einer Kundgebung am Rande der Pride-Week.