DAX +0,36 % 26.395,57 Pkt 15:01:10 MDAX +0,34 % 32.374,49 Pkt 15:01:11 Euro Stoxx 50 +0,02 % 6.540,74 Pkt 15:01:00 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,74 % 69.220,25 Pkt 08:45:03 Gold +0,07 % 4.440,20 USD 15:06:01 Silber +0,35 % 65,34 USD 15:06:06 Brent +0,67 % 89,11 USD 15:06:11 WTI +0,49 % 82,80 USD 15:06:11 Bitcoin +0,99 % 63.440,57 USD 15:16:07 EUR/USD +0,56 % 1,16000 USD 15:15:58 EUR/GBP +0,01 % 0,85500 GBP 15:16:11 EUR/CHF -0,06 % 0,93840 CHF 15:16:11 EUR/JPY +0,42 % 184,663 JPY 15:16:11

Der gefallene deutsche Engel an der Wall Street

Technologie

Wer ist Leopold Aschenbrenner? „KI-Wunderkind“ wird er oft genannt. In den USA sogar unübersetzt als „AI-Wunderkind“ bezeichnet. Der gerade mal 24-Jährige hat eine erstaunliche Karriere in den USA hingelegt und seit seinem Scheitern, ist er auch hierzulande bekannt. Mit 15 Jahren machte er Abitur in Berlin, im gleichen Jahr ging er noch in die USA, um Wirtschaftswissenschaften und Mathematik zu studieren. Er schloss an der Columbia University als Jahrgangsbester ab. Da war er gerade einmal 19 Jahre alt. Anschließend arbeitete er im Bereich langfristiges Wirtschaftswachstum und globale Risiken am Global Priorities Institute der Universität Oxford und war zeitweise beim FTX Future Fund tätig. 2023 wechselte er zu OpenAI und arbeitete im Superalignment-Team von Ilya Sutskever und Jan Leike an der Frage, wie sich künftige hochintelligente KI-Systeme kontrollieren lassen. Bis jetzt Bilderbuch-Karriere, aber es geht noch weiter: 2024 kommt es zum Bruch mit OpenAI: Er habe Geschäftsgeheimnisse an den Konkurrenten Anthropic weitergegeben. Aschenbrenner bestreitet dies: Er habelediglich seinen Job gemacht, und von den Auswirkungen von KI warnen wollen. Aschenbrenners Essay schlug in den USA hohe Wellen Denn im Juni 2024 veröffentlicht er das rund 165 Seiten lange Manifest „Situational Awareness: The Decade Ahead“, in dem er unter anderem argumentiert, dass AGI bereits um 2027 möglich sein könnte. AGI heißt: „Artificial General Intelligence“ – eine künstliche eigenständige Superintelligenz, die eigenständig handelt; vielen eine Horrorvorstellung. ANZEIGE ANZEIGE Sein Essay schlägt in den USA hohe Wellen. Schließlich gründet er in San Francisco den KI-fokussierten Investmentfonds Situational Awareness LP. Zu den bekannten Unterstützern zählen unter anderem Patrick und John Collison, Nat Friedman und Daniel Gross. Aus Investitionen von rund 225 Millionen US-Dollar macht er 45 Milliarden US-Dollar in einer atemberaubend kurzen Zeit. Das geht nur mit gehebelten Positionen. In seinem Q1-2026-13F hatte Aschenbrenners Fonds große Optionspositionen. Allein die gemeldeten Put-Positionen auf Halbleiterwerte hatten einen Nominalwert von rund 8,46 Milliarden US-Dollar. Seine Wette lautete vereinfacht gesagt: Long auf die Chiphersteller, Short auf die Softwareunternehmen. Der Fonds soll laut Berichten mit dem vierfachen seines Vermögens gehandelt haben. Mit geliehenem Geld. Das ging bis vor kurzem auch noch gut. Einen Beweis dafür, dass Citadel den Ausverkauf gezielt ausgelöst oder Aschenbrenner bewusst in die Zwangsliquidation getrieben hat, gibt es allerdings nicht. Der AI-Ausverkauf hatte bereits vor dem 27. Juli begonnen. Die gehebelten Positionen liefen schließlich gegen Aschenbrenner Es mag die Unerfahrenheit Aschenbrenners am Markt eine Rolle gespielt haben. Die kurze Geschichte: Seine gehebelten Positionen liefen schließlich gegen ihn. Die Banken verlangten zusätzliches Kapital oder den Verkauf von Positionen. Als die Kurse von Halbleiter- und anderen KI-Aktien Ende Juli dramatisch einbrachen, geriet der Fonds zunehmend unter Liquiditätsdruck. Schließlich verkaufte Aschenbrenner den Großteil der verbliebenen öffentlichen Aktienpositionen am 27. Juli an Citadel. In kürzester Zeit wurde ein Portfoliowert von 45 Milliarden US-Dollar vernichtet. Das ist die Short-Story. Dass Citadel dabei nicht ganz fair gespielt haben könnte, ist die lange, aber auch nicht belegbare Story, für die es zwar Hinweise, aber keine Beweise gibt. Die Frage besteht, ob Citadel über seine Markt- und Prime-Broker-Netzwerke (bei denen Aschenbrenner Kreditnehmer war) bereits vor dem 27. Juli wusste, dass Aschenbrenners Margin-Situation kippt. Die Verdachtsmomente beginnen mit der auffällig offensiven Fed-Kommunikation von Citadel: Bereits im Juni argumentierte das Haus, der Markt unterschätze die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts nach oben. Am 19. Juni bezeichnete Citadel einen September-Hike als Basisszenario und hielt sogar einen Schritt im Juli noch sogar für möglich. Am 27. Juli ging Citadel noch weiter und veröffentlichte unmittelbar vor der Fed-Sitzung einen ausführlichen Case für eine überraschende Zinserhöhung im Juli. Und was heißt ein solcher Zinsschritt: Gift für die Groth-Aktien, vor allen digen für jene Positionen, die Aschenbrenner im Portfolio gehalten hat. Für Aschenbrenner mag alles eine schmerzhafte Lehre gewesen sein Zwei Tage später hielt die Fed die Zinsen tatsächlich konstant. Gleichzeitig gerieten die stark gehebelten AI- und Halbleiterpositionen von Leopold Aschenbrenners Fonds Situational Awareness massiv unter Druck. Der Fonds verlor im Juli rund 67 Prozent und musste den Großteil seines öffentlichen Aktienportfolios liquidieren. Am 30. Juli kaufte Citadel schließlich den Großteil dieses Portfolios – zu einem Abschlag von rund zehn Prozent. Einen Beweis dafür, dass Citadel den Ausverkauf gezielt ausgelöst oder Aschenbrenner bewusst in die Zwangsliquidation getrieben hat, gibt es allerdings nicht. Denn der KI-Ausverkauf hatte bereits vor dem 27. Juli begonnen. Für Aschenbrenner mag dies eine schmerzhafte Lehre gewesen sein. Und vielleicht der Trost: Zu dem Genie gesellt sich jetzt auch Erfahrung. Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion

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