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Der Herr der stehenden Flieger in Dresden: Für einen "Ramp Agent" tickt zwischen Landung und Neustart gewaltig die Zeit

Wirtschaft

Dresden - Abheben und ab in den Urlaub. Wie ein Flug in die Ferien verläuft, weiß jeder. Doch was passiert zwischen der Landung eines Flugzeugs und dem Neustart auf dem Flughafen meist im Verborgenen der Passagiere? Wir haben während eines sogenannten Turnarounds in der Urlaubsreisezeit einmal hinter die Kulissen am Dresdner Flughafen geschaut. Dort übernimmt ein Ramp Agent (Flugzeugabfertiger) am Boden die Kontrolle über die Flugzeuge. Er dirigiert ein Konzert von Gewerken, die zeitgleich und immer gegen die Uhr arbeiten. Das gemeinsame Ziel: die Maschine möglichst schnell wieder in die Luft zu bekommen. Pilot kann nicht mal eben rückwärts fahren In der Luft sind die Piloten die unangefochtenen Herren über das Flugzeug. Doch kaum hat die Maschine Bodenkontakt, übernimmt Paul Löschner (28) die Herrschaft. Sein Job als Ramp Agent ist es, Flugzeuge auf dem Dresdner Airport abzufertigen - zwischen Landung und Neustart. Dabei ist er Regent auf Zeit über alle Belange am Boden: Gepäckent- und -beladung, Auftanken, Kabine säubern, Toiletten abpumpen und natürlich das Boarding der Passagiere. Heute schauen die Fluggäste des SunExpress-Fluges XQ 297 nach Antalya bereits erwartungsvoll aus den Flugzeugfenstern. Wann geht's endlich los? Gleich. Doch noch ist Löschner per Headset mit dem Piloten verbunden. Über diese Standleitung meldet er ihm, dass alle Luken verschlossen sind und hinter der Maschine alles frei ist: "Ich bin quasi der Rückspiegel für den Piloten, weil der nicht sehen kann, was hinter dem Flugzeug passiert." Der Pilot kann nicht mal rückwärts fahren. Das übernimmt Nicki Dietrich (26) für ihn. Sie steht mit einem Fuß schon auf dem Gaspedal ihres Push-Back-Fahrzeugs, um die Maschine langsam rückwärts Richtung Rollbahn zu drücken. Deine täglichen News aus Dresden Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach. 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Koffer von Passagieren, die kurzfristig einen Anschlussflug erreichen müssen, landen dabei ganz vorn am Anfang des Bandes. Ein neonfarben leuchtender Kofferanhänger "Priority" und die Verladung in einen Extra-Container kennzeichnen das "VIP-Gepäck". Dann beginnt er wieder - der Countdown für den Boxenstopp einer Verkehrsmaschine. Der Lufthansaflug LH 2122 aus München rollt langsam auf das Terminal zu. Doch wo ist eigentlich der Kellenschwinger, der Maschinen mit immer hektischer werdenden Bewegungen einweist und an Haltepunkt zum Stoppen bringt? Gepäckaustausch beginnt sehr schnell "Der ist längst durch ein elektronisches Stoppschild ersetzt", erklärt Löschner. Das zeigt dem Piloten: noch 1,20 Meter - 0,80 - 0,40 - Stop! "Sobald das rot blinkende Antikollisionslicht am Rumpf der Maschine erloschen ist, dürfen wir ans Flugzeug." Plötzlich hastet eine Armee von Helfern wie ein hungriges Wolfsrudel gleichzeitig von allen Seiten an die Maschine. Einer verbindet das Flugzeug mit der Ground Power Unit. Über die Steckverbindung schickt sie 115 Volt Spannung in den Flieger, damit die eigene Turbine zur Stromerzeugung abgeschaltet werden kann. "Das spart Kerosin und mindert den Lärmpegel", weiß Löschner, der längst schon wieder mit dem Piloten verstöpselt ist. Ein Rüssel dockt als Bindeglied zur Fluggastbrücke zum Terminal an der vorderen Flugzeugtür an. Eine Gangway wird für den Hinterausgang angefahren. Während sich die Passagiere noch abschnallen, beginnt direkt unter ihren Sitzen der Gepäckaustausch. Löschner: "Im Airbus 320 können dafür insgesamt sieben Container aus- und eingeladen werden, in denen das Gepäck verstaut ist." Bei der Boeing 737 zuvor nach Antalya musste noch jedes Teil einzeln per Hand über ein Förderband verladen werden - Koffer für Koffer, Tasche für Tasche. Flughafen-Tankwart ist an der Reihe Wenn alle Passagiere ausgestiegen sind, huscht eine Putzkolonne über die Gangway in das Flugzeug. Zeitgleich betankt Flughafen-Tankwart Stephan Herrmann (46) die Maschine: "Der Pilot hat 1,7 Tonnen Kerosin geordert, das mit einer Geschwindigkeit von 800 Litern pro Minute in die Tragflächentanks gepumpt wird." Ach ja, der Pilot. Was macht er eigentlich, nachdem der Ramp Agent die Kontrolle übernommen hat? "Ich kontrolliere zum Beispiel die Turbinen auf mögliche Beschädigungen der Schaufeln durch Vogelschlag", erzählt Flugkapitän Alexander Meier (51), der nach seinen München-Dresden-München-Flügen heute noch nach Zagreb düst und dort übernachtet. Sobald der Tankrüssel abgezogen ist, dürfen die ersten Passagiere einsteigen - traditionell Business-Class, Eltern mit Kindern und Rollstuhlfahrer. Nur der "Würstchenwagen" kommt vor dem kurzen Inlandsflug heute nicht zum Einsatz. So wird im Flughafenjargon das Kesselfahrzeug zum Abpumpen von Fäkalien aus den Bordtoiletten genannt. Dann wird's stressig. Nächstes Flugzeug schon im Anmarsch "Weil der Swiss-Flug nach Zürich ausfällt, wurden Passagiere zum Umsteigen auf den München-Flug umgebucht. Die Maschine ist jetzt mit 167 Fluggästen nahezu voll besetzt", erzählt Löschner im Laufschritt. "Ein Passagier fliegt dadurch nicht mehr mit, sodass sein Gepäck ausgeladen werden muss." Doch das muss erst mal in einem der gerade verladenen vier Gepäckcontainer gefunden werden. Löschners gesamte Crew sucht nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen mit - und wird dadurch schnell fündig. So kann Belader Thomas Weber (37) den um genau einen Koffer erleichterten Gepäckcontainer schnell wieder einladen. Doch das Manöver hat Zeit gekostet. Statt wie geplant um 9.35 Uhr kommt der Airbus erst 9.50 Uhr ins Rollen. Nach Löschners Abfertigung ist aus der Maschine Flug LH 2123 nach München geworden. Eine Abkürzung über den tschechischen Luftraum kann den Zeitverlust wieder aufholen. Der Agent auf Zeit hat den Staffelstab an den Piloten übergeben. Schneller als so mancher Flug dauert, hebt die Maschine nach 55 Minuten Bodenkontakt wieder ab. Doch hinter den Wolken blitzt schon das nächste Flugzeug auf, das Löschner und seine Crew gleich unter ihre Fittiche nehmen werden. Kindliche Begeisterung wurde später zum Beruf Außer als Ramp Agent arbeitet Paul Löscher (28) auf dem Flughafen Dresden International auch im Qualitätsmanagement. Schon als Kind begeisterte ihn das Fliegen und die Technik. Löschner studierte an der Dresdner Verkehrshochschule Ingenieurswesen. Während andere Kommilitonen kellnerten, verdiente er sich sein Geld seit 2017 bei Studentenjobs als Flugzeugabfertiger sowie Be- und Entlader am Dresdner Flughafen. Aus dem Studenten- wurde sein Hauptjob. Seit 2025 arbeitet er auch als Ramp Agent: "Besonders stressig wird's manchmal wie zuletzt bei der UEFA Conference League, wenn viele Maschinen zusätzlich in Dresden landen."

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