Der Landkreis trauert um Grafings Bürgermeister Christian Bauer
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„Er war so ein netter Mann“: Landkreis weint um Grafings verstorbenen Bürgermeister Christian Bauer
Von: Michael Seeholzer
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Der plötzliche Tod des Grafinger Bürgermeisters (57) macht alle betroffen – für die Stadt hat er viel getan. Ein Nachruf.
Grafing – Der Schock sitzt tief: Wo auch immer am Mittwoch, 30. September, Menschen in Grafing zusammenstanden, versuchten sie im Gespräch das Unbegreifliche zu verarbeiten: In der Nacht auf Mittwoch war ihr beliebter Bürgermeister Christian Bauer (57) gestorben. Trotz angeschlagener Gesundheit hatte er noch die jüngste Bauausschusssitzung eröffnet, brach dann aber vor Eintritt in die Tagesordnung plötzlich bewusstlos zusammen. Alle Rettungsversuche waren vergeblich. Er starb in der Nacht im Kreisklinikum Ebersberg. Bauer hinterlässt seine Ehefrau, mit der er seit 1994 verheiratet ist, und drei erwachsene Kinder. Das tiefe Mitgefühl aller Grafinger Bürger gehört den Hinterbliebenen, die jetzt schwerste Stunden durchleben.
Plötzlicher Tod des Grafinger Bürgermeisters: Landkreis trauert um Christian Bauer
Dass er einmal Bürgermeister von Grafing werden sollte, geht aus seinem Lebenslauf nicht zwingend hervor. Wie in so manchem Leben spielten auch hier Zufälle eine Rolle. Aufgewachsen ist Christian Bauer, Jahrgang 1969, in der oberbayerischen Grenzstadt Freilassing. Nach seinem Abitur, das er 1989 absolvierte, machte er bis 1992 eine Ausbildung zum Diplomverwaltungsfachwirt im Dienst der Regierung von Oberbayern. Danach folgten fünf Jahre Verwaltungstätigkeit in der Kreisbehörde in Fürstenfeldbruck. Als im Grafinger Rathaus jemand gesucht wurde für den frei gewordenen Posten des Stadtkämmerers, erweckte das das Interesse des jungen Verwaltungsfachmanns. Im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung erzählte Bauer einmal, dass er vor seiner Bewerbung der Stadt Grafing mit seiner Frau Andrea heimlich einen Besuch abstattete. Der schöne Ort hatte es den beiden spontan angetan. 23 Jahre lang, bis zum Jahr 2020 war Bauer dann als Kämmerer für Grafing tätig. In dieser Zeit und in seiner Funktion lernte er die Stadt bis in jedes Detail kennen. Das war auch einer der Gründe, warum Bauer im Juli 2019 vom CSU-Ortsverein als Bürgermeisterkandidat auf den Schild gehoben wurde. Das war mitnichten eine einfache Entscheidung für ihn, denn immerhin kandidierte er damals gegen seine Chefin, die amtierende Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne).
Bei der Nominierungsversammlung erhielt Bauer 100 Prozent der Stimmen. Der erste Urnengang machte eine Stichwahl notwendig, die Bauer schließlich im zweiten Wahlgang knapp aber klar für sich entscheiden konnte. Es kam zum Wechsel im Rathaus. Bei der jüngsten Kommunalwahl konnte das beliebte Stadtoberhaupt seinen Stimmenanteil auf über 60 Prozent ausbauen.
„Ich möchte Bürgermeister für alle Grafinger Bürgerinnen und Bürger sein”, war das erkennbare Motto des Stadtoberhauptes. Christian Bauer war ein nahbarer Stadtchef.
Was ihm anfänglich keiner zugetraut hätte, weil viele ihn für einen trockenen Verwaltungsmann hielten: Bauer hatte lebhaftes Interesse am kulturellen Leben seiner Stadt und auch einen Sinn für schöne Dinge. Das ließ sich bald schon an einigen Details ablesen, wie zum Beispiel dem farbenprächtigen Blumenschmuck am Marktplatz. Das sind freilich Kleinigkeiten, aber die Bürger spürten die Nähe, die der Bürgermeister ausstrahlte und auch zuließ. Er war ein Bürgermeister zum Anfassen, leutselig, nie kontaktscheu, gleichzeitig aber überaus pflichtbewusst und fleißig. Erreichbar war Bauer immer – nicht nur für die Ebersberger Zeitung. Auf der Homepage der Stadt Grafing findet sich seine private Handynummer. Bürgernähe war für ihn kein Schlagwort, sondern eine Verpflichtung, der er stets nachzukommen sich erfolgreich bemühte.
Große Projekte in der Stadt abgeschlossen
Christian Bauer begleitete und schloss in seiner Amtszeit große Projekte in der Stadt ab. Unter anderem wurde die Kinderbetreuung ausgebaut mit der großen Tagesstätte am Stadion, wo auch das Jugendcafé Chaxter eine neue Heimat fand. Der Abschluss der Sanierung der Stadthalle gehört hier ebenso dazu wie die Erweiterung des Seniorenheimes am Hans-Eham-Platz, die Vorbereitung der Verkehrsberuhigung am Grafinger Marktplatz oder der Beginn des größten Wohnungsbauprogramms, das die Stadt in ihrer Geschichte entwickeln wird. Viele Dinge, die er in seiner Amtszeit angeschoben hat, wird er nicht mehr erleben. Dazu gehört auch die weitere Verkehrsentlastung der Innenstadt, die demnächst den Stadtrat weiter beschäftigen wird.
Am Mittwoch, 30. September, war das Grafinger Rathaus geschlossen. Vor dem Eingang am Marktplatz hatten Bürger Kerzen aufgestellt. In der ganzen Stadt herrschte eine gedrückte Stimmung. „Ich muss jetzt gehen, weil ich sonst anfange zu weinen“, sagte eine Nachbarin im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung. „Er war so ein netter Mann.”