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Der stille Killer: Neue Studie zeigt, dass heiße Nächte zunehmend tödlicher werden

Nation

29,4 Grad – kühler wurde es nicht. In der Nacht zum 28. Juni 2026 blieb die Temperatur im sächsischen Kubschütz (Landkreis Bautzen) extrem hoch. Ein Wert, der selbst am Mittelmeer im Hochsommer selten erreicht wird und der fast zehn Grad über der Schwelle einer sogenannten Tropennacht (über 20 Grad) liegt. Solche Extremwerte sind zwar Einzelfälle, doch sie stehen für einen klaren Trend: Die Zahl der tropischen Nächte nimmt im Zuge des Klimawandels auch in Deutschland zu, so der Deutsche Wetterdienst (DWD). In der Region Frankfurt am Main gab es Anfang dieser Woche mit 22 Grad erneut eine Tropennacht, in der Nacht zum kommenden Freitag dürfte es im Raum Köln, im Rheingebiet und in Leipzig ebenfalls wieder kaum unter 20 Grad abkühlen. Laue Sommernächte sind beliebt für Gartenpartys, Biergärten und Grillfeste. Doch sie haben auch ihre Schattenseiten: Wenn der Schlaf durch zu hohe Temperaturen leidet, drohen gesundheitliche Risiken. Eine Studie der Forschungsgruppe Climate Central hat nun herausgefunden, dass sich der klimabedingte Schlafverlust durch nächtliche Hitze in den vergangenen 50 Jahren mindestens verdoppelt hat. 56 Stunden Schlaf weniger Im Schnitt verloren die Menschen zwischen 2020 und 2025 rund 56 Stunden Schlaf pro Jahr durch hohe Nachttemperaturen, ein Trend, den Studien bereits seit längerem andeuten. Mehr als zehn Prozent dieses Schlafmangels gehen auf Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels zurück. Die Forschenden warnen vor schwerwiegenden Auswirkungen der heißen Nächte auf die Gesundheit, denn schlechter Schlaf verursacht eine ganze Reihe von gravierenden körperlichen und geistigen Gesundheitsproblemen, wie die Forschung mittlerweile hinreichend belegt hat. Die Klimaforschenden haben für die neue Untersuchung 1338 Großstädte weltweit untersucht. Dabei zeigte sich, dass das Ausmaß des temperaturbedingten Schlafverlusts, das der Erderwärmung zuzuschreiben ist, in fast allen Städten seit den 1970er-Jahren zugenommen hat. Extremwerte im Nahen Osten Am stärksten betroffen sind Menschen im globalen Süden, allen voran im Nahen Osten. Einwohner:innen in Städten in Saudi-Arabien, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten verloren zwischen 2020 und 2025 jährlich 55 bis 87 Stunden Schlaf durch höhere Nachttemperaturen, davon 12 bis 16 Stunden allein durch die Klimakrise. Der restliche Schlafverlust geht auf die ohnehin schon sehr heiße, natürliche Klimazone dieser Länder zurück. Menschen in Südindien und Südostasien verloren 78 bis 91 Stunden Schlaf pro Jahr durch höhere Nachttemperaturen, davon acht bis neun Stunden klimabedingt – ähnlich in Westafrika (Niger, Nigeria, Burkina Faso) mit mindestens 65 Stunden, davon 10 bis 11 klimabedingt. In den 253 untersuchten US-Städten verloren Menschen im besagten Zeitraum im Schnitt 36 Stunden Schlaf pro Jahr durch höhere Nachttemperaturen, davon etwa 13 Prozent direkt durch den Klimawandel verursacht. Europa führt der Report nicht als eigene Region auf, der Fokus liegt auf den am stärksten betroffenen Regionen der Erde, also dem Nahen Osten, Asien, Afrika und Amerika. „Durch die Kombination neuester Erkenntnisse der Attributionsforschung, also der Wissenschaft, die einzelne Wetterereignisse dem Klimawandel zuordnet, mit Forschung zur Wirkung von Hitze auf den Schlaf, können wir nun eine verborgene, aber wachsende Folge steigender Temperaturen quantifizieren“, erklärte Kristina Dahl, Vizepräsidentin für Wissenschaft bei Climate Central. 35 Grad in der Nacht Besorgniserregend zudem: Nächte heizen sich weltweit schneller auf als die Tage. Rekordbeispiel: In der Nacht zum 13. August 2025 sanken die Temperaturen in den jordanischen Städten Aqaba und Ghor es-Safi nicht unter 35 Grad – Werte, die laut Forschenden tödlich sein können. Zu warme Nächte gelten nicht umsonst als stille Killer. Hohe Nachttemperaturen sind besonders gefährlich, da sie den Körper daran hindern, sich von der Tageshitze zu erholen. Das erhöht laut den Studienautor:innen das Risiko für Schlaganfälle, andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit. Zudem verschlechtern heiße Nächte Qualität und Dauer des Schlafs, mit negativen Folgen für kognitive Funktion, Gehirnentwicklung und Lernen bei Kindern. Besonders gefährdet sind Säuglinge, ältere Menschen, Schwangere und generell Frauen, die von hitzebedingtem Schlafverlust stärker betroffen sind. Überproportional betroffen sind zudem einkommensschwache Bevölkerungsgruppen in schlechten Wohnräumen ohne Klimaanlage. „Weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht sind mit einer beeinträchtigten Immunfunktion, verminderter Leistungsfähigkeit sowie mehr Fehlern, Schmerzen und Unfällen verbunden“, sagte Courtney Howard, Vorsitzende der Global Climate and Health Alliance, zu den Studienergebnissen. Regelmäßiger Schlafmangel kann laut Howard zu Gewichtszunahme, Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhtem Sterberisiko führen. „Das unterstreicht die Notwendigkeit, Ungleichheiten durch Anpassungsmaßnahmen zu beseitigen und Treibhausgasemissionen dringend zu senken, um Gesundheit und Wohlstand zu schützen.“ In Deutschland hat allein die Hitzewelle von Ende Juni 2026 tausende Menschen das Leben gekostet. Bei Rekordtemperaturen von mancherorts mehr als 41 Grad Celsius starben in der letzten Juniwoche etwa 23.900 Menschen und damit 7100 mehr als noch zwei Wochen zuvor, so das Statistische Bundesamt. Die Sterbefallzahlen in der Hitzeperiode im Juni lagen hingegen um neun Prozent über dem Vergleichswert der Jahre 2022 bis 2025.

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