Der Ukraine gehen die besten Raketen für die Jagd auf Russlands Jet-Drohnen aus. Jetzt feuern MiG-29 Waffen aus den 1970er-Jahren ab
Die Ukraine setzt gegen schnelle russische Drohnen und kleine Marschflugkörper wieder Luft-Luft-Raketen aus den 1970er-Jahren ein. MiG-29 schießen inzwischen mit R-60-Geschossen, weil modernere R-73 knapp werden, berichtet das ukrainische Nachrichtenportal „Euromaidan Press“.
Russland greift verstärkt mit strahlgetriebenen Geran-3-, Geran-4- und Geran-5-Drohnen sowie mit Banderol-Marschflugkörpern an. Die Ziele liegen in Häfen, Städten, Lagern und Kraftwerken. Die Flugkörper sind schnell: Geran-Drohnen fliegen mit bis zu 600 Kilometern pro Stunde, Banderol mit bis zu 700. Für bodengestützte Geschütze und langsamere Abfangdrohnen sind solche Ziele schwerer zu treffen. Deshalb schickt die ukrainische Luftwaffe häufiger Kampfjets in die Luft.
MiG-29 und F-16 jagen schnelle Ziele
Die F-16 bilden inzwischen den größten Teil der ukrainischen Jagdflugzeugflotte. 21 Maschinen sollen im Einsatz sein. Dahinter folgen MiG-29 sowjetischer Bauart. Trotz hoher Verluste fliegen davon noch immer Dutzende, berichtet „Euromaidan Press“. Über Odessa kommen sie demnach fast täglich zum Einsatz, um Drohnen und Raketen abzufangen.
Die MiG-29 können mehrere sowjetische Luft-Luft-Raketen tragen:
R-60 mit Infrarot-Zielerfassung
R-73 mit Infrarot-Zielerfassung
R-27 mit Radarlenkung
Für langsame bis mittelschnelle Ziele galt die R-73 lange als beste Wahl. Die Rakete stammt aus den 1980er Jahren, ist sehr wendig und trifft auf kurze Distanz präzise. Ein Exemplar kostet laut dem Bericht rund 300.000 US-Dollar (etwa 258.000 Euro).
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R-73 wird knapp, R-60 kehrt zurück
Die Ukraine ging 2022 mit größeren Beständen der R-73 in den Krieg und erhielt offenbar weitere Raketen von Partnern. Das Problem: Die Lenkwaffen werden in Russland montiert, die Zahl ist also begrenzt. Gleichzeitig stieg der Verbrauch stark. Die Ukraine setzte R-73 nicht nur von Flugzeugen aus ein, sondern auch auf bodengestützten Startvorrichtungen, nachdem 9M33-Raketen für Osa-Flugabwehrsysteme fehlten. Sogar auf unbemannten Booten tauchten sie auf.
Im August war nach einem MiG-29-Absturz eine R-60 in den Trümmern zu sehen. Kurz darauf kursierte ein Video, das eine MiG-29 beim Abschuss einer Banderol in sehr niedriger Höhe mit einer solchen Rakete zeigen soll. Seit November 2025 läuft laut „Euromaidan Press“ ein Programm zur Modernisierung der R-60.
Analoge Bauteile im Suchkopf, dem „Auge“ der Rakete, werden durch digitale ersetzt. Außerdem wird die Rakete für Bodenstarts angepasst. Ihor Fedirko vom ukrainischen Rat der Rüstungsindustrie nannte das einen „vorübergehenden Weg, sonst unbrauchbare Raketen doch noch einzusetzen“.
Russland steigert Produktion von Jet-Drohnen
Laut dem finnischen Nachrichtenportal „Verkkouutiset“ soll Russland im Juli 1500 strahlgetriebene Geran-Drohnen gestartet haben, im August dann 2500. Im August habe die Produktion der Jet-Modelle die der propellergetriebenen Varianten überholt. Die Abfangquote gegen die schnellen Drohnen sei im Juli auf 50 Prozent gefallen, später womöglich auf 60 bis 70 Prozent gestiegen. Langsamere Geran-1- und Geran-2-Drohnen fängt die Ukraine nach diesen Angaben meist zu 90 Prozent ab.
Der Analyst Michael Bohnert von der Denkfabrik Rand Corporation schrieb auf X, niemand wolle „Abfangquoten in den 60ern oder 70ern.“ Neue ukrainische Abfangdrohnen könnten die Lage verbessern. Ihre Produktion liege aber noch hinter der russischen Fertigung der Jet-Drohnen.