DAX +0,44 % 25.818,21 Pkt 18:00:00 MDAX +0,15 % 30.472,32 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -1,22 % 6.131,31 Pkt 18:00:00 Dow Jones -1,34 % 51.770,31 Pkt 21:47:53 S&P 500 -2,12 % 7.580,07 Pkt 21:47:43 Nasdaq -4,19 % 25.437,00 Pkt 22:15:59 Nikkei -2,12 % 63.290,11 Pkt 07:45:03 Gold -3,29 % 3.898,90 USD 21:59:59 Silber -5,59 % 49,28 USD 21:59:59 Brent -1,26 % 113,43 USD 21:59:57 WTI +2,08 % 104,12 USD 21:59:59 Bitcoin +0,29 % 77.423,54 USD 21:35:28 EUR/USD +0,09 % 1,11660 USD 22:29:29 EUR/GBP -0,44 % 0,83320 GBP 22:27:29 EUR/CHF -0,32 % 0,92060 CHF 20:29:15 EUR/JPY -0,23 % 175,650 JPY 20:29:15

Der Versicherer Standard Life zahlt eine Traum-Rendite ohne Extra-Steuer

Wirtschaft

Diesmal geht es nach Großbritannien. Standard Life ist zwar auch ein Finanzkonzern, aber mit anderem Profil: hohe laufende Rendite, starke Marktstellung, kein britischer Quellensteuerabzug auf normale Dividenden – und ein Geschäftsmodell, das direkt am Megatrend Altersvorsorge hängt. Das Unternehmen verwaltet Renten-, Spar- und Vorsorgelösungen für Millionen Kunden und verdient an langfristigen Verträgen, Kapitalanlagen, Plattformen, Lebensversicherungsbeständen und Altersvorsorgeprodukten.

Standard Life klingt wie ein alter britischer Finanzklassiker. Und tatsächlich reichen die Wurzeln des Namens bis ins Jahr 1825 in Edinburgh zurück. An der Börse bekannt war das Unternehmen über Jahre hinweg aber nur als Phoenix Group Holdings (die sogar noch älter ist und 1782 gegründet wurde). Der heutige börsennotierte Konzern ist aber das Ergebnis vieler Zusammenschlüsse und Übernahmen und änderte erst kürzlich, im Februar 2026, seinen Namen offiziell in Standard Life plc. Seit März 2026 wird die Aktie in London unter dem Ticker SDLF gehandelt. Der neue Name soll die bekannteste Marke des Konzerns wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Der nächste große Schritt ist die geplante Übernahme des britischen Aegon-Geschäfts. Standard Life will damit zum größten Anbieter für Altersvorsorge, Sparen und Renteneinkommen in Großbritannien werden. Nach Abschluss käme die Gruppe auf rund 16 Millionen Kunden und etwa 480 Milliarden britische Pfund Assets under Administration. Der Deal soll (vorbehaltlich der regulatorischen Genehmigungen) gegen Ende 2026 abgeschlossen werden.

Die Dividende: langsam, aber stetig

Standard Life zahlte für 2025 insgesamt 55,40 Pence je Aktie. Das waren 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Schlussdividende wurde auf 28,05 Pence angehoben und am 20. Mai 2026 ausgezahlt. Gemessen am Schlusskurs des Jahres 2025 entspricht die Auszahlung einer Dividendenrendite von 7,52 Prozent. Die Erhöhung war nicht so groß, aber sie ist relativ verlässlich. Seit 2018 hat Standard Life (damals noch unter dem Namen Phoenix) die Dividende Jahr für Jahr erhöht. Aus 46,0 Pence je Aktie im Jahr 2018 wurden 55,40 Pence für 2025. Und die Rendite ist deutlich höher als bei vielen klassischen Dividendenwerten aus Deutschland, Frankreich oder der Schweiz.

Zu den Ausschüttungen für 2026 wurde noch keine Aussage gemacht, aber die Dividendenpolitik des Unternehmens besagt, dass die Dividende grundsätzlich nachhaltig und tendenziell steigend sein soll. Es ist davon auszugehen, dass die Halbjahresdividende, deren Höhe mit Bekanntgabe der H1-Zahlen am 7. September angekündigt werden dürfte, so hoch ausfallen wird wie die letzte Ausschüttung (also 28,05 Pence) und im Oktober ausgezahlt wird. Eine mögliche Erhöhung der Schlussdividende könnte dann mit der Bekanntgabe der Jahreszahlen im Frühling 2027 erfolgen.

Die jüngsten Zahlen

Auch operativ sieht Standard Life solide aus. Im Geschäftsjahr 2025 stieg die Operating Cash Generation um 5 Prozent auf 1,47 Milliarden britische Pfund. Der bereinigte operative IFRS-Gewinn legte um 15 Prozent auf 945 Millionen britische Pfund zu. Die Kapitalausstattung bleibt robust. Die Shareholder Capital Coverage Ratio lag Ende 2025 bei 176 Prozent. Der Solvency-II-Überschuss betrug 3,6 Milliarden britische Pfund. Die Solvency-II-Leverage-Ratio sank von 36 auf 33 Prozent.

Für einen Renten- und Lebensversicherungskonzern sind solche Kennzahlen entscheidend. Dividenden werden hier nicht nur aus bilanziellen Gewinnen beurteilt, sondern vor allem aus Cash Generation, Kapitalpuffer und Solvenz. Standard Life sieht sich nach eigenen Angaben weiter auf Kurs für die Finanzziele bis 2026.

Die Risiken

Trotz der hohen Dividende ist Standard Life kein risikoloser Anleiheersatz. Lebensversicherer und Rentenkonzerne sind komplex. Ihre Bilanzen hängen an Zinsen, Kapitalmärkten, langfristigen Verpflichtungen und regulatorischen Vorgaben. Ein Risiko ist die Kapitalmarktentwicklung. Fallen Aktien und Anleihen gleichzeitig oder verändern sich Zinsen stark, können Kapitalpuffer und Bewertungsannahmen unter Druck geraten. Ein zweites Risiko ist die Integration von Aegon UK. Die Übernahme kann Größe und Wachstum bringen, erhöht aber zunächst die Komplexität.

Drittens ist Standard Life ein britischer Finanzwert. Wer die Aktie aus Deutschland kauft, trägt ein Wechselkurs-Risiko. Wertet das britische Pfund gegenüber dem Euro ab, sinkt die Dividende in Euro gerechnet. Wertet es auf, wirkt der Wechselkurs positiv. Und viertens bleibt der hohe Cashflow-Anspruch. Anleger kaufen Standard Life vor allem wegen der Dividende. Sollte das Wachstum der Operating Cash Generation enttäuschen, würde der Markt schnell sensibel reagieren.

Vergleich mit Legal & General und Aegon

Standard Life ist kein klassischer Schadenversicherer wie Allianz oder AXA, sondern eher mit Unternehmen wie Legal & General vergleichbar, die wir bereits im Dividenden-Radar untersucht haben. Beide sind britische Finanzkonzerne mit starkem Altersvorsorgebezug, hoher Dividendenrendite und dem Vorteil, dass Großbritannien auf normale Dividenden üblicherweise keine Quellensteuer erhebt. Der Unterschied: Legal & General ist breiter aufgestellt, stärker im Asset Management, institutionellen Geschäft und bei Pensionsrisiko-Transfers. Standard Life ist stärker auf Lebensversicherungsbestände, Rentensparen und Konsolidierung ausgerichtet.

Aegon (hier im Dividenden-Radar) ist ebenfalls ein naheliegender Vergleich, weil Standard Life gerade das britische Aegon-Geschäft übernehmen will. Dadurch wird Standard seine Stellung im Heimatmarkt deutlich ausbauen. Aegon bietet ebenfalls eine attraktive Rendite und will die Dividende stärker steigern, befindet sich aber mitten im strategischen Umbau Richtung USA. Standard Life ist fokussierter: britische Altersvorsorge, hohe Cashflows und hohe Prozent Rendite. Für passive Einkommensinvestoren ist Standard Life deshalb der einfachere Income-Case – Aegon bleibt eher die Transformationswette mit zusätzlichem Aktienrückkauf-Potenzial.

Fazit: Hohe Rendite, starke Marke, einfacher Steuerfall

Standard Life bietet 7,5 Prozent Dividendenrendite, regelmäßige moderate Erhöhungen, eine traditionsreiche Marke und ein Geschäftsmodell, das vom wachsenden Bedarf an Altersvorsorge profitiert. Der steuerliche Vorteil ist für deutsche Anleger auch angenehm. Während bei vielen internationalen Dividendenwerten Quellensteuer zurückgefordert oder angerechnet werden muss, kommen britische Standarddividenden in der Regel ohne UK-Abzug an. Das macht Standard Life unkomplizierter als viele andere Hochrendite-Aktien.

Natürlich gibt es Risiken. Die Bilanz ist komplex, das Pfund schwankt, Kapitalmärkte können die Solvenz belasten, und die Aegon-Integration muss gelingen. Doch unterm Strich bleibt Standard Life ein interessanter britischer Rentenriese für Anleger, die laufenden Ertrag suchen.

Beispielrechnung: 1.000 Euro Bruttodividende pro Monat

Für die Beispielrechnung nutzen wir die Gesamtdividende für 2025 von 55,40 Pence je Aktie. Beim Wechselkurs von 1 Euro zu rund 0,856 britischen Pfund entspricht das etwa 65 Eurocent je Aktie und Jahr. Um auf 12.000 Euro Bruttodividende pro Jahr zu kommen, wären rechnerisch rund 18.550 Standard-Life-Aktien nötig.

Gemessen am Schlusskurs des Jahres 2025 entspricht das einem Anlagebetrag von ungefähr 136.700 britischen Pfund. Umgerechnet sind das knapp 160.000 Euro. Im laufenden Jahr hat die Aktie kräftig zugelegt (+ 24 Prozent). Wenn die Dividende für 2026 erhöht wird, wie Analysten erwarten, entspräche die aktuelle Rendite noch 6,2 Prozent und der Kapitalaufwand beliefe sich auf etwa 194.000 Euro. Zum Vergleich: Bei der PKO Bank in der vergangenen Woche waren etwa 216.000 Euro notwendig und beim britischen REIT PHP in der Woche davor sogar nur 158.000 Euro.

Steuerliche Behandlung für deutsche Anleger

Standard Life ist aus steuerlicher Sicht vergleichsweise angenehm. Großbritannien erhebt auf normale Dividenden grundsätzlich keine Quellensteuer. In Deutschland unterliegen Dividenden der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Ohne Kirchensteuer ergibt sich bei ausgeschöpftem Sparerpauschbetrag eine Belastung von 26,375 Prozent.

Übersicht zur Dividende von Standard Life

Marktkapitalisierung: 9,26 Milliarden Pfund (10,8 Milliarden Euro)

Dividendenrendite für 2025: 7,53 %, aktuell 6,2 %

Dividende erhöht: 7 Jahre in Folge

Dividende nicht gesenkt: 7 Jahre

Dividende kontinuierlich ausgeschüttet: mindestens 16 Jahre

Frequenz: zweimal jährlich, gewöhnlich Mai und Oktober

Zeitplan

16.03.2026: Dividendenvorschlag

09.04.2026: Ex-Tag

10.04.2026: Record Date

20.05.2026: Auszahlung

Geschäftsjahr

Dividendenrendite in %**

Dividende in Pfund

2029e 6,95e 0,64e 2028e 6,84e 0,63e 2027e 6,52e 0,60e 2026e 6,19e 0,57e 2025 7,52 0,554 2024 10,59 0,54 2023 9,90 0,53 2022 8,38 0,51 2021 7,50 0,49 2020 6,85 0,48

* Quellen: Standard Life, FactSet, wallstreetONLINE.

** Zur Errechnung der Dividendenrendite wurde der Schlusskurs des jeweiligen Geschäftsjahres genommen, beziehungsweise ab 2026 der aktuelle Kurs.

Die optimale Dividendenstrategie

Eine optimale langfristige Dividendenstrategie hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter dem individuellen Risikoprofil, den Anlagezielen und der finanziellen Situation. Hier sind jedoch einige allgemeine Prinzipien, die empfohlen werden können:

Diversifikation: Investieren Sie in eine breite Palette von Unternehmen und Sektoren, um das Risiko zu streuen. Diversifikation kann helfen, das Portfoliorisiko zu mindern, da nicht alle Sektoren gleichzeitig von Marktschwankungen betroffen sind.

Qualitätsaktien wählen: Achten Sie auf Unternehmen mit einer starken Bilanz, stabilen Cashflows und einer Geschichte von zuverlässigen und wachsenden Ausschüttungen. Solche Unternehmen sind oft besser positioniert, um auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Dividenden zu zahlen.

Reinvestition von Dividenden: Das Reinvestieren von Dividenden kann das Wachstum des Portfolios beschleunigen. Durch den Zinseszinseffekt können reinvestierte Dividenden über die Zeit einen signifikanten Beitrag zum Gesamtertrag des Portfolios leisten.

Langfristige Perspektive: Dividendenstrategien sind oft langfristig ausgerichtet. Marktschwankungen sollten daher nicht zu überstürzten Entscheidungen führen. Geduld und Beständigkeit sind Schlüssel zum Erfolg.

Steuereffizienz berücksichtigen: Die steuerliche Behandlung von Dividenden kann je nach Land und individueller Situation variieren. Es ist wichtig, Steuereffekte in die Strategie einzubeziehen.

Überwachung und Anpassung des Portfolios: Portfolios sollten regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden, um sicherzustellen, dass es weiterhin den eigenen Anlagezielen entspricht und gut diversifiziert bleibt.

Bewertung: Achten Sie auf die Bewertung der Aktien. Hohe Dividendenrenditen sind nicht immer ein gutes Zeichen; sie können auch ein Hinweis auf Probleme im Unternehmen sein.

Verwendung von Dividendenfonds, -ETFs: Für Anleger, die nicht direkt einzelne Aktien auswählen möchten, können Dividendenfonds eine praktikable Alternative sein, da sie eine gute Möglichkeit zur Diversifikation bieten.

Fazit:

Dividendeninvestitionen können eine großartige Möglichkeit sein, ein passives Einkommen aufzubauen. Indem Sie sich auf Unternehmen mit stabiler Dividendenhistorie konzentrieren, können Sie Ihr Portfolio schrittweise ausbauen. Dabei ist natürlich immer zu beachten, dass Investitionen in Dividendenaktien – wie alle Investitionen – mit Risiken verbunden sind.

Weitere interessante Dividenden-Aktien befinden sich übrigens auch in der Dividenden-Watchlist unseres Börsenexperten Markus Weingran, dessen Börsenlounge sich täglich mit aktuellen Marktentwicklungen, Investitionstipps und Finanzthemen befasst.

Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

Disclaimer: Ausdrücklich weist die Smartbroker AG darauf hin, dass ein Investment in Wertpapiere und sonstige Finanzinstrumente im Sinne des WpHG grundsätzlich mit erheblichen Chancen und Risiken (Preis-, Markt-, Währungs-, Volatilitäts-, Bonitäts- und sonstigen Risiken) verbunden ist und ein Totalverlust des investierten Kapitals nicht ausgeschlossen werden kann. Die Smartbroker AG empfiehlt deshalb jedem Leser sich vor einer Anlageentscheidung intensiv mit den Chancen und allen Risiken auseinander zu setzen und sich umfassend zu informieren. Sämtliche verwendeten Wertentwicklungsangaben, sei es für die Vergangenheit oder im Sinne einer Prognose bzw. Einschätzung sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse bzw. Wertentwicklungen. Die hier angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Alle Informationen sind sorgfältig zusammengetragen, haben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind unverbindlich sowie ohne Gewähr. Des Weiteren dient die Bereitstellung der Information nicht als Rechtsberatung, Steuerberatung oder wertpapierbezogene Beratung und ersetzt diese nicht. Eine an den persönlichen Verhältnissen des Kunden ausgerichtete Anlageempfehlung, insbesondere in der Form einer individuellen Anlageberatung, der individuellen steuerlichen Situation und unter Einbeziehung allgemeiner sowie objektspezifischer Grundlagen, Chancen und Risiken, erfolgt ausdrücklich nicht.

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