Der zweite EM-Tag im Überblick Bronze für Ansah - Hummel mit Hammerwurf zu Silber
100 m: Ansah unbeeindruckt zu Bronze Owen Ansah hat als erster deutscher Sprinter seit 40 Jahren eine Medaille über 100 m gewonnen. Unbeeindruckt von seiner drohenden Sperre wegen eines möglicherweise verweigerten Dopingtests stürmte der Hamburger im Showdown von Birmingham in 10,19 Sekunden zu Bronze. Nur der neue Europameister Romell Glave (10,09 Sekunden) und dessen britischer Landsmann Jeremiah Azu (10,16) waren schneller. Ansah gewann die vierte Medaille für das DLV-Team in Birmingham und schrieb zudem Geschichte - 40 Jahre nach DDR-Sprinter Steffen Bringmann (Silber in Stuttgart) gewann der 25-Jährige als erster Deutscher wieder eine EM-Medaille über 100 m. Ob Ansah Bronze behalten darf, ist allerdings noch unklar. Wegen des Vorwurfs, eine Dopingprobe verweigert zu haben, droht ihm eine vierjährige Sperre. Für die beiden weiteren DSV-Starter Heiko Gussmann (10,37) und Lucas Ansah-Peprah (10,49) war das Halbfinale Endstation. Hammerwurf: Nächster Medaillencoup für Hummel Merlin Hummel bleibt der Silberjunge im Hammerwurf: Nach dem WM-Coup von Tokio gab es nun auch den zweiten Platz in Birmingham. Der Vizeweltmeister holte damit als erster deutscher Hammerwerfer seit 20 Jahren eine EM-Medaille. Hummel musste sich nur dem Ungarn Bence Halász geschlagen geben. In einem schwierigen Wettkampf packte Hummel im fünften Durchgang 81,30 m aus und rückte dicht an den führenden Olympia-Zweiten Halász heran. Dieser konterte dann aber postwendend mit 84,25 m - weltweit warfen nur neun Männer jemals weiter. Bronze ging an den Ukrainer Mychajlo Kochan (79,49). Hummels Frankfurter Vereinskollege Sören Klose wurde guter Sechster (78,13). 100 m Hürden: DLV-Duo im Pech - Sieg im Foto-Finish Doppeltes Pech für die deutschen Hürdensprinterinnen: Zunächst krachte Franziska Schuster in die drittletzte Hürde, stürzte und konnte das Rennen nicht beenden. Besonders bitter: Für Schuster war es der erste Sturz in einem Rennen überhaupt. "Soweit ist es okay, glaube ich. Also ich denke, morgen wird alles wehtun. Ich bin halt mit meinem Fuß weggeknickt und bin auch auf meine Nase gefallen", sagte sie. Anschließend legte Rosina Schneider einen beherzten Sprint im dritten Halbfinale hin, doch ihre 12,96 Sekunden sollten nicht ganz reichen. Drei Hundertstel fehlten ihr für den Einzug ins Finale. Das verpasste auch die dritte deutsche Starterin Lia Flotow, die in 13,02 Sekunden über den Zielstrich lief und Zwölfte im Halbfinale wurde. Europameisterin wurde schließlich nach Fotofinish im Finale die Niederländerin Nadine Visser vor der zeitgleichen Polin Pia Skrzyszowska, die 2022 in München gewonnen hatte - beide kamen nach 12,67 Sekunden ins Ziel, Visser war eine Tausendstel schneller. Platz drei ging an Laeticia Bapté (Frankreich/12,73). 400 m: Bredau mit starker Vorstellung ins Finale Starke Stadionrunde von Jean Paul Bredau: Der Potsdamer sicherte sich im zweiten Halbfinale über 400 m den Sieg und damit das Ticket für den Endlauf am Mittwoch (21.50 Uhr, live im Ersten und bei sportschau.de). Bredau lief in 44,86 Sekunden über die Zielline. Es war die fünftbeste Zeit aller drei Halbfinals. Schnellster war der Franzose Muhammad Abdallah Kounta in 44,36 Sekunden. Thorben Finke (Sögel) schied mit 45,66 Sekunden aus. 5000 m: Battocletti eindrucksvoll - Mikitenko mit guter Premiere Die "Queen" der 5000-m-Distanz machte ihrem Namen in Birmingham alle Ehre. Mit einer klugen taktischen Renneinteilung sicherte sich die Italienerin in 15:37,84 Minuten erneut den EM-Titel - wie vor zwei Jahren in Rom. Lange Zeit war es ein Rennen mit Bummeltempo - maßgeschneidert für Battocletti, die 200 m vor dem Ziel einen eindrucksvollen Spurt anzog und am Ende deutlich vor der Spanierin Marta García (15:39,98) und ihrer Landsfrau Micol Majori (15:40,65) lag. Die einzige deutsche Starterin Vanessa Mikitenko, Tochter der früheren Weltklasse Marathonläuferin Irina, durfte mit ihrer Premiere bei einem Großevent zufrieden sein. Die 21-Jährige lief als 14. durchs Ziel und sammelte vor allem viel Erfahrung. Die Zeit der Hanauerin: 15:54,49 Minuten. Weitsprung: Tentoglou wie einst Drechsler Der griechische Topfavorit Miltiadis Tentoglou gewann zum vierten Mal in Serie EM-Gold im Weitsprung und tat es damit Heike Drechsler gleich. Der Olympiasieger von Tokio und Paris setzte sich mit 8,44 m vor dem Schweizer Simon Ehammer (8,29) und Bulgariens Newcomer Boschidar Sarabojukow (8,26) durch. Auch der deutsche Meister Simon Batz war nach seinem 8,29-m-Sprung mit großen Hoffnungen nach Birmingham gereist, doch dann verletzte sich der Mannheimer ausgerechnet beim Einspringen in der Qualifikation. Kevin Brucha (Weimar) und Simon Plitzko (Hamburg) waren in der Qualifikation ausgeschieden. Stabhochsprung: Aus für Knäsche Ärgerlich verlief die Stabhochsprung-Qualifikation für die Holsteinerin Anjuli Knäsche. Die 32-Jährige überquerte die Latte bei 4,40 m - wie sieben andere Konkurentinnen auch. Doch Knäsche hatte einen Fehlversuch zuviel und musste als 13. der Qualifikation die Heimreise antreten. 800 m: Kolbe so schnell wie noch nie Was für ein Vorlauf über 800 m von Smilla Kolbe: Die 24-Jährige blieb in 1:57,80 Minuten erstmals unter 1:58 Minuten - ihre alte persönliche Bestleistung unterbot sie um mehr als eine Sekunde. Kolbe hat damit für die schnellste Zeit einer deutschen 800-m-Läuferin seit dem Jahr der Wiedervereinigung 1990 gesorgt. Das EM-Halbfinale steigt am Donnerstag (13.08.2026). Auch Kolbes 19 Jahre alte Teamkollegin Jana Marie Becker verbesserte bei ihrem EM-Debüt ihre Bestzeit auf 1:59,08 Minuten. Bitter lief es für Majtie Kolberg, die ihren Vorlauf angeschlagen nicht beenden konnte. Hochsprung: Wendrich fliegt ins Medaillen-Finale Starke Leistung von Falk Wendrich in der Hochsprung-Qualifikation. Der 31-Jährige überquerte 2,23 m im dritten Versuch. Damit stellte er nicht nur seine Saisonbestleistung ein, sondern buchte auch einen der zwölf Plätze für das EM-Finale am Freitag (14.08.2026, 21.00 Uhr, live im Ersten und bei sportschau.de). Diskuswurf: Janssen im Finale - Richter und Karges raus Von den drei deutschen Diskuswerfern hatte nach der Qualifikation nur Henrik Janssen Grund zur Freude: Der erfahrene 28-Jährige lieferte mit 65,42 m die drittbeste Weite aller Teilnehmer ab und buchte damit einen Platz im Finale am Donnerstag (13.08.2026). Teamkollege Steven Richter präsentierte sich dagegen außer Form. Der 23-Jährige brachte nur einen gültigen Versuch zustande - und in dem landete sein Diskus bereits nach 62,02 m. Marius Karges warf bei seiner EM-Premiere 60,73 m, er wurde damit 15. Die Favoriten gaben sich keine Blöße: Mykolas Alekna aus Litauen warf mit 67,74 m die beste Weite. 110 m Hürden: Minoue im Halbfinale dabei