Derby Köln - Gladbach: Sechs Verletzte bei Fan-Krawallen
Nach dem 101. Rheinderby in der Bundesliga gibt es mehr aufzuarbeiten als die Leistungen beider Mannschaften. Überschattet wurde das Spiel, das der 1. FC Köln 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach gewann, von Ausschreitungen im Oberrang der Nordkurve.
Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Montag unter Berufung auf die Polizei berichtete, seien bei den Krawallen, die sogar eine dreiminütige Spielunterbrechung nach sich zogen, insgesamt sechs Menschen verletzt worden, darunter auch ein Kind. Neben zwei Stadionbesuchern handelte es sich um eine Ordnerin und drei Polizisten. Zur Schwere der Verletzungen machten die Ermittler zunächst keine Angaben.
Am Montagnachmittag teilte die Polizei Köln mit, dass sie in bislang mehr als 20 Fällen überwiegend wegen Körperverletzung oder Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittele. „Die Zahl der Straftaten kann sich im Nachhinein noch erhöhen, derzeit werten die Ermittler unter anderem die Bilder der Videobeobachtung im Stadion aus“, heißt es weiter.
Eskaliert war die Situation nach dem 2:1-Siegtreffer für den FC durch Said El Mala in der 67. Minute. In der Folge waren Anhänger am Gästeblock im Oberrang des Kölner Fußball-Stadions aneinandergeraten. Gladbach-Fans traten Plexiglasschutzscheiben zwischen den Blöcken aus der Verankerung, laut Polizei zerstörten Fans eine Glaswand auch mit Nothämmern.
Zudem wurden Böller und Leuchtraketen gezündet. Aus dem Gladbacher Block flog auch Pyrotechnik auf die Tribüne mit Kölner Fans. Ein Tatverdächtiger, der einem Polizisten in den Rücken trat, wurde festgenommen. Bis zum Spielende sicherten die Einsatzkräfte der Polizei den Bereich vor der zerstörten Glasscheibe.
Dass es mehrere Minuten dauerte, ehe die Polizei zur Stelle war, wertete Philipp Türoff, Sprecher der Geschäftsführung des 1. FC Köln, als „nicht ungewöhnlich“. Türoff war nach der Partie und den verstörenden Ausschreitungen ein gefragter Mann, schließlich war beim Derby erstmals ein neues Sicherheitskonzept angewendet worden.
„Im Rahmen der Stadionallianzen NRW engagieren wir uns als Polizei Köln noch enger mit dem 1. FC Köln, der Stadt, der Bundespolizei und den Fanorganisationen für Sicherheit im Fußball. Auch wenn wir die Anzahl der Einsatzkräfte bei Fußballspielen reduzieren, können wir auf spontane Entwicklungen reagieren, sodass alle friedlichen Fans ein spannendes und sportliches Rhein-Derby genießen können“, hatte Einsatzleiterin Mareike de Valck im Vorfeld erklärt.
Die Polizei trete bei Fußballspielen mehr in den Hintergrund. Jetzt liege der Ball sprichwörtlich im „Feld der Fußballanhänger“, hatte de Valck hinzugefügt, „sie sind gefordert, das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen“. War es vor dem Spielbeginn noch ruhig geblieben, überschatteten die Ausschreitungen in der zweiten Hälfte jedoch die Partie.
Türoff irritierte mit seiner Einschätzung, dass es sich sehr stark um individuelle Störungen gehandelt habe. Zudem sagte er, dass das Sicherheitskonzept als Ganzes nicht anders funktioniert habe als vorher.
Derweil reagierte Gladbachs Geschäftsführer Markus Aretz mit deutlichen Worten: „Das Werfen von Böllern und das Abschießen von Raketen und die damit einhergehende Gefährdung von Menschen sind absolute No-Gos und ein wirklich enttäuschendes Verhalten. So etwas hat im Stadion nichts zu suchen, ist absolut nicht das Bild, das wir als Verein abgeben wollen.“