Derby-Randale: Behrens droht Hannover und Braunschweig mit Kollektivstrafen
Stand: 26.10.2026 13:48 Uhr
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) hat Hannover 96 und Eintracht Braunschweig nach den Ausschreitungen im Niedersachsenderby scharf kritisiert. Den Vereinen drohen nun offenbar Konsequenzen.
"Die Bilder aus dem Stadion in Braunschweig waren einmal mehr erschreckend und müssen jeden echten Fußballfan wütend machen. Insbesondere ein großer Teil der Ultraszene von Hannover 96 war zu diesem Spiel offensichtlich ausschließlich angereist, um maximales Chaos und eine Eskalation der Gewalt zu provozieren", erklärte Behrens in einer Stellungnahme am Montag.
Was war passiert? Nach dem Tor zum 2:0-Endstand durch Braunschweigs Yann Sturm in der Nachspielzeit waren aus dem Fanblock von Hannover Raketen und bengalische Feuer in den Zuschauerblock und auf das Spielfeld geschossen worden.
Niemand muss nach diesen Vorfällen glauben, dass etwaige zukünftige Derbys in Braunschweig erneut so stattfinden werden wie das Spiel am vergangenen Sonntag. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD)
Bereits vor dem Derby hatte die SPD-Politikerin an beide Vereine und Fan-Lager appelliert und vor Konsequenzen bei Randale gewarnt. "Sollte dies nicht der Fall sein, sehen wir uns gezwungen, zukünftig weitergehende Maßnahmen wie personalisierte Tickets, reduzierte Gästefan-Kontingente oder sogar Geisterspiele anordnen zu müssen", hatte sie gesagt.
Sicherheitsvorkehrungen "absolute Nullnummer"
Die Sicherheitsvorkehrungen im und um das Stadion bezeichnete sie im Nachgang des brisanten Duells als "absolute Nullnummer". Konkret kritisierte die Ministerin: "Wieder mussten wir erleben, dass große Mengen Pyrotechnik und scheinbar große Teile der im Vorfeld entwendeten Choreo ins Stadion eingeschmuggelt wurden. Wieder mussten wir mitansehen, dass Pyro von 96-Ultras als Waffe gegen friedliche Braunschweigfans, gegen Ordner und am Ende sogar gegen Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr eingesetzt wurde."
"Bin wahrlich keine Anhängerin von Kollektivstrafen, aber..."
Dies sei längst nicht mehr tragbar und auf das Schärfste zu verurteilen. Behrens drohte: "Niemand muss nach diesen Vorfällen glauben, dass etwaige zukünftige Derbys in Braunschweig erneut so stattfinden werden wie das Spiel am vergangenen Sonntag", sagte sie und schob hinterher: "Ich bin wahrlich keine Anhängerin der sogenannten Kollektivstrafen, aber wenn die vielbeschworenen Selbstreinigungskräfte der Kurve allen Appellen zum Trotz absolut nicht funktionieren und die Sicherheitsmaßnahmen im Stadion nicht ausreichen, dann sehe ich derzeit auch keine wirksame Alternative."
Hannover 96 verurteilt die Szenen "auf das Schärfste"
Geht es nach der SPD-Politikerin, dürfe es bei Geldstrafen allein nicht bleiben. Erst einmal müsse es jetzt allerdings darum gehen, die für die Krawalle verantwortlichen Personen schnellstmöglich zu identifizieren. Dabei soll auch Zweitligist Hannover 96 unterstützen, der die Vorkommnisse ebenfalls scharf verurteilt hatte: "Die Eindrücke dieses Tages sind insbesondere durch die inakzeptable Eskalation im 96-Gästeblock kurz vor Ende der Partie geprägt", schrieb der Zweitligist in einer Stellungnahme.
Behrens nimmt 96 in die Pflicht
"Dies sind Szenen, die Hannover 96 auf das Schärfste verurteilt und für die es keinerlei Entschuldigung gibt. Die Verursacher waren sich der Konsequenzen ihres Handelns bewusst. Sie haben die Gesundheit anderer Menschen wissentlich gefährdet", schrieb der Club weiter. Man werde sich "aktiv daran beteiligen, die Verursacher dieser Vorfälle zu identifizieren", hieß es. Behrens nahm 96 nun in die Pflicht und sagte: "Das darf kein Lippenbekenntnis bleiben."
Die Feuerwehr musste beim Derby im Hannoveraner Block kleinere Brände löschen. Schiedsrichter Tobias Reichel unterbrach die Partie für zehn Minuten. "Das trübte die Bilanz des Gesamteinsatzes", hatte ein Polizeisprecher zu den Szenen gesagt.
Denn: Vor und nach dem Vorfall blieb es den Angaben nach ruhig. Mit einem Extra-Zug waren 1.900 Anhänger aus Hannover nach Braunschweig gebracht und vom Bahnhof zum Stadion begleitet worden. Die Polizei sicherte das als Hochrisikospiel eingestufte Derby mit einem massiven Aufgebot. Dabei war ein Augenmerk, die beiden verfeindeten Fan-Lager zu trennen.