Deutliche Worte: Kanzler spricht Warnung an Russland aus
"Wird massiven Schaden nehmen"
Russland: Kanzler spricht Warnung aus
Von dpa, reuters
30.09.2026 - 01:14 UhrLesedauer: 3 Min.
Bei einem Besuch von Kasachstans Präsident lässt sich Kanzler Merz zu Russland ein. Er fordert Verhandlungen – spricht aber auch eine Warnung an das Putin-Regime aus.
Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat bei einem Besuch in Berlin seine "exzellenten Beziehungen" zu Kreml-Chef Wladimir Putin gepriesen. "Was auch immer in der Ukraine passiert, wir werden niemals vergessen, dass Russland und die Ukraine unsere Freunde sind", sagte Tokajew am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Mit Blick auf Russland wies der kasachische Präsident auf die mehr als 7.500 Kilometer lange gemeinsame Grenze hin. Tokajew sagte auch, das in Zentralasien gelegene Kasachstan bestehe auf der "Achtung und Wahrung des Grundsatzes der territorialen Integrität aller Staaten".
Merz bekräftigte die deutsche Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine und sah das jüngste Gespräch zwischen Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow als Beleg für Russlands fehlende Bereitschaft zu ernsten Friedensverhandlungen. "Die anschließende Bewertung dieses Gesprächs durch Russland hat gezeigt, dass Russland offensichtlich überhaupt nicht an ernsthaften Gesprächen zum jetzigen Zeitpunkt interessiert ist", sagte der Bundeskanzler.
Merz: "Sind bereit, Ukraine lange Zeit zu unterstützen"
"Wir werden deswegen alle unsere Anstrengungen unternehmen, der Ukraine weiter behilflich zu sein, sie zu unterstützen", fuhr Merz fort. Dies gelte "nicht nur militärisch, sondern auch politisch, finanziell, ökonomisch".
"Wir können nur noch einmal die russische Regierung auffordern, an den Verhandlungstisch zu kommen, ernsthafte Gespräche zu führen, um diesen Krieg zu beenden", sagte Merz. "Aber wenn Russland dazu nicht bereit ist, dann sind wir in der Lage und wir sind auch bereit, die Ukraine noch über eine lange Zeit zu unterstützen." Russland werde den Krieg "nicht gewinnen" und "selbst massiven Schaden nehmen".
Wadephul und Lawrow hatten sich am Samstag am Rande der UN-Generaldebatte in New York getroffen. Es war das erste Treffen der Außenminister Deutschlands und Russlands seit Beginn der russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine vor mehr als viereinhalb Jahren. Wadephul sagte im Anschluss, bei dem Gespräch seien die "fundamentalen Unterschiede" bei der Beurteilung des Krieges deutlich geworden.
Tokajew für Einfrieren des Konflikts
Merz will nach eigenen Worten alles unternehmen, um der Ukraine über den bevorstehenden Winter zu helfen. Vor dem Mitte Oktober geplanten europäischen Ratstreffen gebe es intensive Beratungen, "wie wir unsere Hilfen auch noch einmal verbessern können", sagte Merz bei einem Treffen mit dem kasachischen Staatspräsidenten Kassym-Schomart Tokajew in Berlin.
Merz sagte zu den EU-Beratungen, es werde auch über sehr konkrete Hilfen für den ukrainischen Haushalt beraten und die Verbesserung der Luftverteidigung. "Das ist zurzeit eine der größten Herausforderungen, vor denen die Ukraine steht", sagte Merz. Er bemühe sich in persönlichen Gesprächen mit Reihe von Staats- und Regierungschefs auf der Welt, Nachschub für die Luftverteidigung in der Ukraine zu ermöglichen.
Der kasachische Präsident machte deutlich, dass er für ein Einfrieren von militärischen Operationen auf dem Gebiet der Ukraine sei, um Diplomatie und Verhandlungen zu ermöglichen. Er vermied jede direkte Kritik und sagte, sowohl Russland als auch die Ukraine seien gute Freunde Kasachstans.