Deutlicher Heimsieg: DEG setzt sechs Ausrufezeichen gegen Dresden
Bo Šubr war sauer. Und zwar so richtig. Erst redete er wütend auf seine Spieler ein, dann nahm er Torwart Fabian Hegmann vom Eis. Es waren zwar gerade mal 25 Minuten gespielt, aber es stand bereits 4:0 für die Düsseldorfer EG. Irgendwas musste der Trainer der Dresdner Eislöwen also tun, damit seinem Team das Topspiel der zweiten Deutschen Eishockey-Liga (DEL2) nicht komplett entgleist. Doch großartig helfen konnte Šubrs Wutausbruch nicht mehr. Zwar schossen kurz später auch die Gäste ein Tor, aber gegen diese entfesselte DEG reichte das nicht. Noch bis Drittelende stellten die Düsseldorfer auf 6:1. So hieß es auch am Ende.
So wütend Šubr war, so zufrieden wirkte sein Gegenüber Harry Lange. Nicht, dass die DEG an den ersten Spieltagen zu wenig gezeigt hatte, im Gegenteil: Am Freitag hatte sie beim 4:3 nach Penaltyschießen bei den Lausitzer Füchsen ihren siebten Sieg in Folge eingefahren, aber zuletzt wirkte Lange trotzdem nicht glücklich: zu viele gegnerische Großchancen, zu viele unnötige Strafen. Das müsse sich schleunigst ändern, forderte der Trainer noch am Freitagabend und rief das Spiel gegen den DEL-Absteiger aus Dresden daher als Standortbestimmung aus: „Ich will wissen, wo wir stehen und wie weit wir schon sind.“
Nach dem achten Saisonsieg lässt sich sagen: schon sehr weit. Nun kann man darüber streiten, ob das Ergebnis nicht etwas zu hoch ausfiel, die DEG war schon sehr effektiv, brauchte für ihre sechs Tore gerade mal 24 Schüsse. Aber dass sie die bessere Mannschaft war, ließ sich nicht nur am Videowürfel ablesen. Von der ersten Minute an spielte sie ebenso schnell wie klar nach vorne. Und sie war endlich mal wieder diszipliniert, gönnte sich keine dummen Fouls. Hinzu kam eine beeindruckende Schlägerarbeit. Immer wieder fingen die giftigen Düsseldorfer Pässe ab und gewannen Zweikämpfe. Die ganz großen Chancen ließen zunächst zwar auf sich warten, aber mit der ersten Überzahl in der Schlussphase des ersten Drittels ging es dann los: Erst schoss der überragende Carter Turnbull (insgesamt zwei Tore und zwei Vorlagen) zum 1:0 ein, kurz später schickte der ebenso starke Max Faber (ein Tor, drei Vorlagen) Ville Järveläinen auf die Reise, der allein vor Hegmann die Ruhe behielt und ihm den Puck lässig durch die Beine schob.
Wer dachte, das erste Drittel wäre schon aufregend gewesen, kam nun aus dem Staunen kaum noch heraus. Zwei Schlägereien, 17 Strafminuten, diverse Großchancen und gleich fünf Tore. Und das Beste aus Sicht der DEG: Gleich vier davon fielen für sie, die ersten beiden binnen 13 Sekunden. Erst bediente Mateu Späth den Ex-Dresdner Matthias Pischoff, direkt danach jagte Andrew Bodnarchuk den Puck zum 4:0 unter die Latte. Was ganz nebenbei das erste Verteidigertor der Saison war.
Bodnarchuk hatte auch danach noch einen großen Auftritt: Nach einem fiesen Bandencheck von Oliver Granz gegen Brett Kemp, der später verletzt raus musste, wurde es richtig wild. Bodnarchuk schnappte sich Granz und schlug ihn zu Boden. Danach gab es immer neue Strafen und Handgemenge. Und eben weitere DEG-Tore. Faber und Turnbull stellten ebenfalls in Überzahl auf 6:1. Aber selbst das war es noch nicht in diesem denkwürdigen zweiten Drittel. Bis zur Sirene folgten noch ein paar Fouls und Chancen. Das Publikum war da längst beseelt, sang von der Deutschen Meisterschaft. Das war dann der nächste rundum gelungene DEG-Tag. Auch wenn im letzten Drittel nicht mehr viel passierte. Was vielleicht auch ganz gut war, wäre es so wild und teilweise dreckig weitergegangen, es hätte noch mehr Verletzte geben können. Aber die gab es nicht, auch keine Tore mehr, was auch an Niklas Lunemann im DEG-Tor lag, der sich noch ein paar Mal auszeichnen konnte.