DAX +0,67 % 25.582,26 Pkt 10:25:48 MDAX +0,96 % 30.579,10 Pkt 10:25:49 Euro Stoxx 50 -0,10 % 6.158,36 Pkt 10:25:45 Dow Jones +0,31 % 52.377,57 Pkt 21:48:23 S&P 500 +1,30 % 7.722,60 Pkt 21:48:15 Nasdaq +2,01 % 26.477,81 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,08 % 63.954,19 Pkt 07:45:03 Gold -0,23 % 4.065,40 USD 10:30:43 Silber -0,57 % 53,99 USD 10:30:29 Brent -2,27 % 111,29 USD 10:30:41 WTI +2,11 % 102,01 USD 10:30:47 Bitcoin +0,65 % 81.330,70 USD 10:40:46 EUR/USD -0,38 % 1,11310 USD 10:40:44 EUR/GBP -0,01 % 0,83720 GBP 10:40:48 EUR/CHF -0,11 % 0,92380 CHF 10:40:48 EUR/JPY -0,24 % 175,586 JPY 10:40:49

Deutsche Energiewende boomt - doch ihre Firmen gehen pleite

Technologie

Die Zahlen sind eigentlich ermutigend: Immer mehr Solarmodule werden in Deutschland installiert, der gesetzlich festgelegte Zielwert für 2026 von 128 Gigawatt Peak (GWp) wurde bereits im August erreicht. Und bei der Windkraft wurden von Januar bis Juli 2026 insgesamt 816 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 5,29 Gigawatt in Betrieb genommen, wie aus dem sogenannten Marktstammdatenregister hervorgeht – ein deutlicher Zuwachs im Vergleich zum letzten Jahr.

Die deutsche Energiewende ist also weiter im vollen Gange, allerdings: Die Firmen, die diesen Zubau vorantreiben, profitieren immer weniger davon. Im Gegenteil häufen sich die Pleiten und Insolvenzen.

Der Enerparc-Schock

Der Solarpark-Entwickler Enerparc musste Anfang September Insolvenz anmelden, eine gescheiterte Finanzierung habe dazu geführt, dass das Hamburger Unternehmen nicht mehr seine Rechnungen bezahlen konnte, hieß es. Ein Schock für die Branche: Enerparc galt als einer der größten Entwickler Europas. Erst im Frühjahr sicherte sich das Unternehmen eine Finanzierung über eine Milliarde Euro, „zur Fortsetzung der Wachstumsstrategie“, wie die Hamburger damals mitteilten.

Kleines Kraftwerk

Die schwäbischen Windkraft-Projektentwickler von Sowitec meldeten bereits im Juli Insolvenz an, weitere große Namen wie Baywa R.E. und Abo Energy kämpfen ebenfalls ums Überleben. Zahlreiche deutsche Anbieter von Solaranlagen sind in den letzten Jahren ebenfalls pleitegegangen. Der Cuxhavener Windparkentwickler PNE steht komplett zum Verkauf, findet aber keinen Käufer.

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Was passiert da gerade?

„Jeder guckt und sagt: Was kommt da?“

„Einerseits haben wir superviele Genehmigungen, eigentlich könnte alles super laufen“, sagt auch Bärbel Heidebroek am Rande der renommierten Hamburger Messe Wind Energy, die am Dienstag gestartet ist. Die Präsidentin des Bundesverbands Windenergie (BWE) sieht die Schuld vor allem bei der Politik. „Die Industrie ist einfach verunsichert“, erklärt Heidebroek. „Es sollte eigentlich eine tolle Messe sein, aber trotzdem guckt jetzt jeder auf diese Gesetzespakete und sagt: Was kommt da?“

Der Showdown folgt noch in dieser Woche. Am Donnerstag nämlich soll der Bundestag zwei wichtige Gesetzespakete verabschieden, auf die zumindest Teile der Branche mit großer Sorge blicken. Zum einen ist da das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das die sogenannte Einspeisevergütung für neue Anlagen langfristig abschaffen soll. Eine sogenannte „Wirkleistungsbegrenzung“ soll außerdem die Menge des Stroms weiter drosseln, den Erzeuger ins Netz einspeisen dürfen. Und dann ist da noch das Netzpaket, das Vergütungen für Gebiete, in denen den Netzen Überlastung droht, streichen will.

Die Angst vor „solaren Sperrzonen“

Mit den Änderungen möchte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Systemkosten der Energiewende senken – in der Branche aber lösen sie Sorgen aus. Denn schärfere Bedingungen beim Bau und Anschluss neuer Anlagen werden unweigerlich dafür sorgen, dass weniger Anlagen geplant werden.

Die Reiche-Pläne könnten „faktisch zu solaren Sperrzonen“ führen, warnt Carsten Körnig, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar). Statt den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu bremsen, müsse der Ausbau der Netze beschleunigt werden, um mehr Projekte zu ermöglichen, so Körnig. „Wenn mehrere neue Belastungen gleichzeitig auf die Projekte zukommen, können bislang wirtschaftliche Solarparks unrentabel werden.“

„Die Goldgräber-Jahre sind vorbei“

Doch nicht nur die Politik macht der Branche Probleme – sondern auch die Ökonomie. Denn es ist zumindest schwieriger geworden, mit erneuerbaren Energien Geld zu verdienen. „Die Goldgräber-Jahre sind sicher vorbei“, sagt ein Vertreter der Solarbranche zu FOCUS online Earth. „Die Glücksritter fallen alle gerade heraus, aber man merkt schon, dass es auch zunehmend seriöse Unternehmen erwischt.“

Gründe gibt es viele. Die Reformen der Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen haben zu einem Ausbau-Boom geführt – was für die Branche aber auch größere Konkurrenz und sinkende Preise bedeutet. Seit 2023 sinken die sogenannten Zuschlagswerte der Auktionen für neue Windkraft- und Solarflächen. Wer bei Freiflächen-Solaranlagen nach Daten der Bundesnetzagentur im Jahr 2023 noch mit 6,23 Cent pro Kilowattstunde erwarten konnte, erhielt 2025 nur 4,83 Cent pro Kilowattstunde – ein Minus von 23 Prozent.

Stotternder Motor

Parallel dazu jedoch stiegen die Bau- und Finanzierungskosten, die Margen sinken also von beiden Seiten. „Die Unternehmen unterliegen wirklich großem Stress“, sagte Jochen Magerfleisch von der Frankfurter Energie-Unternehmensberatung Capcora der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Und das liegt nicht an den standardmäßigen Zyklen. Es ist mehr eine Sache der Strukturen.“

Gleichzeitig betonen Branchenvertreter: Mit Erneuerbaren Energien lässt sich immer noch gutes Geld verdienen, auch und gerade in Deutschland. Die Bundesrepublik sei ein „Motor der Energiesicherheit“, lobte die Chefin des europäischen Branchenverbands Wind Europe, Tinne Van der Straeten, zum Auftakt der Wind Energy am Dienstag. Der Ausbau in Deutschland laufe weiter vorbildlich. Zuletzt jedoch galt: Der Motor ist ein wenig ins Stottern geraten.

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