Deutscher EM-Held: Alle Fragen und Antworten zum Doping-Wirbel um Ansah
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Birmingham – Behält er seine Medaille oder nicht? Nach dem Wirbel um eine angeblich verweigerte Dopingkontrolle steht das EM-Bronze von 100-Meter-Sprinter Owen Ansah (25) auf der Kippe. Die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) fordert eine Sperre von vier Jahren. Ansah wehrt sich. Nach seiner Darstellung klingelte der Kontrolleur außerhalb des angegebenen Zeitfensters. Doch wie funktionieren die Kontrollen eigentlich? Und welche Strafen gibt es für welche Tat? BILD gibt den Doping-Überblick. Was genau ist Doping? Die Definition der Nada lautet: „Doping wird definiert als das Vorliegen eines oder mehrerer festgelegter Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen.“ Konkret heißt es, dass eine verbotene Substanz in einer Athleten-Probe vorliegt oder diese Substanz genutzt wird. Als Dopingverstoß gilt auch, eine Kontrolle zu verweigern, zu umgehen oder Proben zu manipulieren. Wie läuft eine Kontrolle ab? Es gibt verschiedene Testpools, je nach Sportart und Kaderstatus der Athleten. Ansah befindet sich als Kaderathlet im Leichtathletikverband im sogenannten RTP (in Deutschland rund 500 Sportler), bei dem Sportler am häufigsten kontrolliert werden. Die Kontrollen können über Urin, Blut oder die neuere Dried-Blood-Spot-Probe (Trockenblutspots) erfolgen. Sobald der Kontrolleur den Athleten antrifft, muss dieser im Sichtfeld des Kontrolleurs bleiben. Der Athlet holt seinen Personalausweis und geht mit ihm zur Probe in einen Raum, der die nötige Privatsphäre bietet. Besonderheit: Die Sportler werden bei der Urinprobe auch auf der Toilette beobachtet. Ansonsten besteht die Gefahr, dass gefälschter (fremder) Urin verwendet wird. Die Nada stellt immer sicher, dass die Kontrollperson dasselbe Geschlecht hat wie der Athlet oder die Athletin. Pro Jahr führt die Nada etwa 13.000 Dopingkontrollen durch. Wann werden Athleten kontrolliert? Die Nada kann jederzeit und überall unangekündigt kontrollieren. Nicht nur nach Trainings oder nach den Wettkämpfen, sondern auch im Urlaub können Athleten völlig überraschend kontrolliert werden. In einer App müssen Top-Sportler die Nada immer auf Stand halten, wo sie sich gerade aufhalten. Wie läuft das mit den Zeitfenstern für die Proben? Die Athleten müssen eine Stunde und einen Standort am Tag angeben, an dem sie für eine Dopingkontrolle erreichbar und anzutreffen sind. Sie können das Fenster jedoch bis unmittelbar vor dem Zeitfenster anpassen. Im Fall von Ansah war es aus Sicht des Deutschen so, dass der Kontrolleur außerhalb des Zeitfensters klingelte. Darf auch außerhalb der Zeitfenster eine Kontrolle stattfinden? Jedoch können Dopingkontrollen grundsätzlich jederzeit und überall stattfinden, also auch außerhalb des 60-Minuten-Fensters. Das Fenster dient lediglich dazu, eine garantierte Erreichbarkeit für mindestens eine Stunde am Tag sicherzustellen. In begründeten Ausnahmefällen sind Kontrollen sogar zwischen 23.00 und 06.00 Uhr möglich. Was passiert, wenn man eine Probe verpasst? Hier ist der Unterschied zwischen Versäumnis und Verweigerung sehr wichtig. Wer einen Termin verpasst, also nicht zur angegebenen Zeit am angegebenen Ort ist, versäumt diesen Termin und bekommt einen „Strike“, also eine Warnung. Wer drei Strikes innerhalb von zwölf Monaten kassiert, bekommt eine Strafe von mindestens einem bis maximal zwei Jahren. Warum wird bei Ansah eine Sperre von vier Jahren gefordert? Bei Ansah liegt aus Sicht der Nada kein Versäumnis, sondern eine Verweigerung vor. Er wurde vom Kontrolleur angetroffen. Aus Ansahs Sicht geschah dies außerhalb des Zeitfensters. Ansah weigerte sich in dem Moment, die Probe zu machen, da er unter Zeitdruck gestanden hätte und kurz zuvor erst auf der Toilette war. Offiziell heißt es zum Strafmaß: „Bei einer einmaligen Verweigerung ist eine Sperre von vier Jahren vorgesehen, es sei denn, der Athlet weist nach, dass der Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen nicht absichtlich begangen wurde. Im Einzelfall kann die Sanktion an die Umstände angepasst und herab- oder heraufgesetzt werden.“