Deutscher Möbelriese stellt Insolvenzantrag
Startseite Wirtschaft Deutscher Möbelriese stellt Insolvenzantrag: 269 Beschäftigte betroffen Von: Mark Simon Wolf Uns auf Google folgen Einst galt der Hersteller für Polstermöbel als eines der erfolgreichsten Unternehmen der Branche, doch nun droht die Insolvenz – so will der Betrieb sein Geschäft und die 269 Arbeitsplätze retten. Hude – Vor rund sechs Jahren galt Domo Collection innerhalb der Branche noch als einer der „erfolgreichsten Polstermöbelhersteller Deutschlands“ – doch diese Beschreibung gehört vorerst der Vergangenheit an. Das 2011 gegründete Unternehmen aus Hude in Niedersachsen hat einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Oldenburg gestellt. Konsumzurückhaltung und schwaches Sommergeschäft: Domo Collection stellt Insolvenzantrag Die Gründe für die Liquiditätskrise sind laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Christian Kaufmann von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH vielfältig: Neben einer deutlichen Konsumzurückhaltung am deutschen Markt laufe der Sommer für die Branche traditionell schwächer, zumal Domos „Bemühungen um eine Saisonlinie“ nicht erfolgreich gewesen seien. Früher, so ergänzte Domo-Geschäftsführer Ulf Vietor, hätte die Saisonlinie die schwächeren Geschäftsmonate noch ausgleichen können. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert, sagte Vietor weiter: „Vor diesem Hintergrund war der Schritt unvermeidbar.“ In Deutschland zählt das Unternehmen 24 Mitarbeiter, die zumindest bis Ende September Insolvenzgeld erhalten werden. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Doch alle Beteiligten betonten, dass die Geschäfte vorerst weiterlaufen sollen und eine Sanierung oberstes Ziel sei. Im Hintergrund liefen bereits „intensive Gespräche mit allen wichtigen Geschäftspartnern“, um den Fortbestand zu gewährleisten. Im nächsten Schritt sollen sämtliche Sanierungsoptionen geprüft und gezielt Investoren angesprochen werden. Auch polnische Tochtergesellschaft Oflor betroffen – Möbelproduktion soll zunächst weiterlaufen Auch für die polnische Produktionsgesellschaft Oflor Sp. z o.o., an der Domo seit Dezember 2013 sämtliche Anteile hält, wurde ein Insolvenzantrag gestellt. In dem Werk am Standort Psarskie im Westen Polens arbeiten insgesamt 245 Menschen. Die Produktion soll laut Pluta ebenfalls Teil des Sanierungsplans werden. Die Aussichten am Markt für Polstermöbelhaben sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert. Gingen die Umsätze der deutschen Polstermöbelhersteller 2025 bereits um 6,3 Prozent zurück, lagen sie nach Angaben des Verbands der Deutschen Polstermöbelindustrie bis Ende Februar 2026 weitere 12,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch die wertmäßigen Auftragseingänge lagen von Januar bis März 2026 um 11 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Domo galt als Erfolgsgeschichte der Branche: Kooperation mit Wolfgang Joop über 100 eingetragene Designs Domo selbst erlebte nach der Gründung 2011 einen rasanten Aufstieg und entwickelte sich innerhalb von rund zehn Jahren zu einer Branchengröße. Neben einer Kooperation mit dem Designer Wolfgang Joop im Jahr 2020, aus der eine Interior-Kollektion für die Marke „LOOKS by Wolfgang Joop“ hervorging, spiegelte sich die Designaktivität von Domo auch in weiteren Eigenkreationen wider: Das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) führe Domo in seinem Jahresbericht 2020 mit 100 eingetragenen Designs auf Rang 41 der Unternehmen und Institutionen mit den meisten beim DPMA eingetragenen Designs des Jahres. Erste Schwierigkeiten ab 2022 – Geschäftsführer gibt sich kämpferisch und will alle Möglichkeiten ausloten In den Folgejahren schrieb das Unternehmen laut den veröffentlichten Jahresabschlüssen allerdings teilweise rote Zahlen: 2022 stand ein Jahresfehlbetrag von rund 439.718 Euro in der Bilanz, 2023 waren es rund 182.782 Euro. Dennoch lag das Eigenkapital während dieser Zeit noch bei fast 3,5 sowie 3,3 Millionen Euro. Abgeschrieben hat Geschäftsführer Vietor sein Unternehmen allerdings noch längst nicht – vielmehr gibt er sich kämpferisch: „Jetzt geht es darum, gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter alle Möglichkeiten auszuloten, um eine Zukunftslösung für unser Unternehmen zu erarbeiten.“ (Quellen: PLUTA, Domo Collection, Möbelmarkt.de) (msw).