DAX +0,66 % 25.629,24 Pkt 18:00:00 MDAX -0,82 % 31.980,52 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,21 % 6.358,01 Pkt 18:00:00 Dow Jones +1,73 % 52.485,03 Pkt 23:22:18 S&P 500 +2,37 % 7.489,72 Pkt 23:22:12 Nasdaq +3,81 % 25.373,85 Pkt 23:15:59 Nikkei +4,03 % 64.362,02 Pkt 08:45:03 Gold +1,43 % 4.107,00 USD 22:59:54 Silber +0,34 % 57,79 USD 22:59:48 Brent 0,00 % 90,12 USD 20:28:19 WTI 0,00 % 84,67 USD 22:59:59 Bitcoin +1,06 % 63.426,30 USD 09:15:05 EUR/USD +0,52 % 1,15270 USD 23:29:53 EUR/GBP -0,31 % 0,85510 GBP 23:29:53 EUR/CHF -0,23 % 0,93060 CHF 23:29:53 EUR/JPY -3,08 % 181,491 JPY 23:29:53

Deutsches KI-Wunderkind verliert Milliarden mit Hedgefonds

Technologie

Startseite Wirtschaft Deutsches KI-Wunderkind: Mit 24 verwaltete er Milliarden – dann kam der Absturz in einer einzigen Nacht Von: Marcel Reich Uns auf Google folgen Leopold Aschenbrenners Hedgefonds verwaltete mehr als 20 Milliarden Dollar. Nach einem Kurssturz musste er große Teile seines Portfolios an Citadel verkaufen. New York – In einer einzigen Nacht hat Leopold Aschenbrenner verloren, wofür andere ein Leben brauchen. Der 24-jährige Berliner galt als eines der größten Investmenttalente seiner Generation. Sein Hedgefonds „Situational Awareness“ verwaltete mehr als 20 Milliarden Dollar. Dann kam der Juli 2026 – und mit ihm der freie Fall. In der Nacht zum 30. Juli verkaufte Aschenbrenners Fonds den Großteil seines börsennotierten Portfolios in einem Notverkauf. Den Zuschlag erhielt Citadel, einer der mächtigsten Hedgefonds der Welt. Dessen Gründer Ken Griffin – seit Jahrzehnten einer der einflussreichsten Investoren der Wall Street – übernahm ein Aktienpaket im Wert von rund 16 Milliarden Dollar. Wie viel er dafür bezahlte und wie groß die Verluste der Investoren am Ende sind, ist nicht bekannt. Leopold Aschenbrenner galt als Wunderkind der KI-Welt Die Karriere des in Berlin aufgewachsenen Aschenbrenner verlief von Beginn an in Ausnahmekategorien. Mit 15 Jahren legte er sein Abitur ab. Mit 19 schloss er sein Studium in Wirtschaftswissenschaften, Mathematik und Statistik an der Columbia University in New York als Jahrgangsbester ab. Danach arbeitete er bei OpenAI, der Firma hinter ChatGPT, als Forscher im Bereich KI-Sicherheit. Rauswurf bei OpenAI machte ihn bekannt Im April 2024 wurde Aschenbrenner entlassen. Offiziell geschah das wegen der Weitergabe von Betriebsgeheimnissen. Aschenbrenner selbst widersprach dieser Darstellung. Er habe intern vor gefährlichen Sicherheitslücken gewarnt und sei dafür bestraft worden. Kurz nach dem Rauswurf veröffentlichte er einen 165-seitigen Essay mit dem Titel „Situational Awareness“. Darin argumentierte er, dass KI die Welt schneller und tiefgreifender verändern werde als allgemein angenommen. Der Text machte ihn schlagartig bekannt – nicht nur in der Tech-Szene, sondern auch an der Wall Street. Noch im selben Jahr gründete Aschenbrenner einen Hedgefonds, der den Namen seines Essays trug. Nennenswerte Erfahrung in der Finanzbranche hatte er nicht. Seine Investmentthese war klar: Aschenbrenner setzte auf Unternehmen, die er als Engpasslieferanten des KI-Booms identifizierte – Rechenzentren, Chips, Stromnetze, Speicher. Gleichzeitig wettete er gegen Unternehmen, die er für überbewertet hielt. Wall Street nannte ihn Nostradamus der KI Die Wetten gingen zunächst auf. Das Kapital des Fonds stieg innerhalb kürzester Zeit auf mehr als eine Milliarde Dollar. In der Finanzwelt bekam Aschenbrenner den Spitznamen „Nostradamus der KI“. Jede seiner Anlageentscheidungen wurde an der Wall Street aufmerksam verfolgt. Als er Mitte Juni eine milliardenschwere Beteiligung am Cloud-Anbieter Nebius bekannt gab, sprang dessen Kurs zeitweise um zwölf Prozent. Der Börsenwert stieg binnen Stunden um rund sechs Milliarden Dollar. Fondskapital stieg auf mehr als 20 Milliarden Dollar Im ersten Halbjahr 2026 verfünffachte Aschenbrenner das Fondskapital auf mehr als 20 Milliarden Dollar. Die Gesamtrendite seit Gründung betrug nach eigenen Angaben 1551 Prozent. Um solche Renditen zu erzielen, setzte Aschenbrenner nicht nur das Kapital seiner Investoren ein. Er finanzierte seine Positionen zusätzlich mit geliehenem Geld von Banken – dem sogenannten Hebel. Solange die Kurse stiegen, vervielfachte dieser Hebel die Gewinne. Als die Kurse fielen, wurde er zur Falle. KI-Aktien kippten und der Hebel wurde zur Gefahr Im Juli 2026 brachen wichtige KI-Infrastrukturwerte massiv ein. Gleichzeitig stiegen die Kurse einiger Aktien, auf deren Fall der Fonds gesetzt hatte. Die Wetten gingen damit auf beiden Seiten des Portfolios schief. Die Banken forderten zusätzliche Sicherheiten. Der Fonds musste Aktienpakete verkaufen. Weil „Situational Awareness“ bei einigen Unternehmen bereits zu den größten Aktionären zählte, heizten die Zwangsverkäufe den Kursverfall weiter an. Allein im Juli verlor der Fonds rund 67 Prozent seines Werts. Notverkauf an Citadel nach nächtlichen Verhandlungen Am Wochenende vor dem Kollaps versuchte Aschenbrenner noch, Investoren zum Nachschießen von Kapital zu bewegen. Die „Volatilität“ des Marktes sei eine Chance, argumentierte er. Es half nicht. Am Donnerstagmorgen, nach nächtlichen Verhandlungen, war klar: Ein geordneter Rückzug war nicht mehr möglich. Citadel übernahm das Aktienportfolio. Beim Fonds verblieben nicht börsennotierte Beteiligungen, darunter Anteile am KI-Entwickler Anthropic. Ob die ursprünglichen Investoren am Ende tatsächlich Geld verloren haben, ist unklar. Rein rechnerisch könnte auf ein Plus von 439 Prozent und ein anschließendes Minus von 67 Prozent noch immer ein erheblicher Jahresgewinn folgen. Härter traf es viele Privatanleger, die Aschenbrenners öffentlich bekannte Positionen nachahmten. Ein deutsches Wikifolio, das seinen Fonds nachbildete, lag im Juni zeitweise 65 Prozent im Plus. Ende Juli war davon nichts mehr übrig. Absturz wirft Fragen an Banken und Investoren auf Der Absturz wirft Fragen auf – nicht nur über Aschenbrenner, sondern auch über jene, die seine Wetten erst ermöglichten. Eine an den Verkaufsverhandlungen beteiligte Person sagte der „Financial Times“: „Die eigentliche Frage ist, wie jemand so viel Geld investieren und dann auch noch so viel Geld einem jungen Menschen ohne Erfahrung und Infrastruktur leihen konnte.“ Banken und institutionelle Investoren stellten einem 24-Jährigen ohne Branchenerfahrung Milliarden an Eigenkapital und Krediten zur Verfügung. Die hohe Konzentration einzelner Positionen, der massive Fremdkapitaleinsatz und die Frage nach der Liquidierbarkeit des Portfolios in einer Krise – all das hätte genauer geprüft werden müssen. Zukunft von Aschenbrenners Fonds ist offen Wie es mit dem Fonds und seinem Gründer weitergeht, ist offen. Die spannende Frage für Aschenbrenner sei nicht, was mit „Situational Awareness“ passiere, zitiert die „Financial Times“ eine Person aus dem Umfeld der Verhandlungen. „Die eigentliche Frage“ sei, wie jemand „einem Kind ohne Erfahrung“ überhaupt so viel Geld leihen konnte. (Quellen: Financial Times, n-tv.de, Bloomberg) (mare)

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren