Deutschland steigt mit 50 Prozent beim Rüstungskonzern KNDS ein
Der Plan vom Börsengang des Panzerbauers KNDS ist offenbar vom Tisch. Ursprünglich wollte Frankreich 40 Prozent der Anteile halten und Deutschland mit 40 Prozent einsteigen. Die restlichen 20 Prozent sollten an die Börse gehen - schon im Juli eigentlich. Jetzt kommt es wohl anders.
Nach einem Bericht des Handelsblatts (Artikel liegt hinter der Bezahlschranke) soll KNDS stattdessen zum Staatskonzern werden. Deutschland will sich demnach mit 50 Prozent einkaufen.
Bislang gehört KNDS jeweils zur Hälfte dem französischen Staat und den deutschen Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens. Letztere wollen ihre Anteile schon länger veräußern. Laut dem Bericht wollen die Eigentümer ihren Anteil jetzt an die Bundesregierung verkaufen.
Der Konzern wäre dann ganz in staatlicher Hand, hälftig aufgeteilt zwischen Deutschland und Frankreich. Wann genau und für welchen Preis verkauft werden soll, ist wohl noch nicht klar.
Entscheidung bei den Anteilseignern
Die hessenschau hat sowohl das Bundeswirtschaftministerium als auch das Verteidigungsministerium angefragt. Die beiden Behörden wollten mögliche Pläne nicht näher kommentieren: "Die Entscheidung über einen Anteilskauf und Verkaufsprozess liegt bei den Anteilseignern" teilte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums lediglich mit.
Zudem habe man sich bereits im Koalitionsvertrag festgelegt, dass "eine Beteiligung an Schlüsselunternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie von strategischer Bedeutung sein kann, um das Verteidigungsinteresse Deutschlands zu gewähren", erklärte sie.
Man befinde sich im engen Austausch mit allen Beteiligten. Zu hypothetischen Szenarien wolle man sich nicht äußern.
Das Unternehmen KNDS hat bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels nicht auf die Fragen der hessenschau geantwortet.
Verteidigungsminister Pistorius im Juli bei KNDS
Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits bei seinem letzten Besuch im Juli die Bedeutung des Unternehmens für die Verteidigung sowie die Wirtschaft in Deutschland betont und die Einstiegspläne des Bundes bekräftigt.
Mit dem Einstieg bei KNDS will die Bundesregierung laut Pistorius "deutsche Schlüsseltechnologien im deutschen Zugriff behalten".
Starker Standort mit wachsender Belegschaft
Zu dem Zeitpunkt hatte KNDS-Deutschlandchef Florian Hohenwarter KNDS noch als "börsen-ready" bezeichnet und erklärt, der Start an der Börse pausiere lediglich. Hintergrund der Verschiebung war laut Unternehmensangaben damals das schwierige Marktumfeld für Rüstungsunternehmen.
KNDS hat in Kassel drei Produktionsstandorte und einen Logistikstandort. Hier arbeiten nach Unternehmensangaben etwa 2.000 Menschen. In den vergangenen fünf Jahren wurden mehr als 1.000 neue Mitarbeiter eingestellt.