Deutschland Tour: Louis Barré gewinnt und trägt Blau
"Wenn man sich die Startliste ansieht, ist das ein super Sieg für mich. Ich hatte heute gute Beine und bin sehr glücklich, dass ich Fahrer mit dieser Qualität geschlagen habe. Erst wollte ich nur auf die Bonifikation beim Bonussprint gehen und dann habe ich gedacht, probiere ich es mal", sagte der französische Überraschungssieger vom Team Visma-Lease a Bike, der zuletzt bei der Polen-Rundfahrt schon eine Etappe gewonnen hatte. "Jetzt werde ich versuchen, die Deutschland Tour zu gewinnen." UAE arbeitet für das Blaue Trikot von Del Toro Mit 215,3 Kilometern hatten die Fahrer direkt auf der ersten Etappe das längste Teilstück der Deutschland Tour vor sich. Von Bad Orb ging es über hügeliges Terrain mit insgesamt 3.000 Höhenmetern nach Schwäbisch Hall, auf dem Programm standen zwei Bergwertungen, aber auch ein knackiger Anstieg ins Ziel. Das Profil versprach also, dass es ein Kampf um Sekunden werden würde, nach seinem Sieg im Prolog musste Del Toro um sein Blaues Trikot kämpfen, offiziell galt das Ende sogar als Bergankunft. Del Toros Team UAE half beim Vorhaben, an der Spitze zu bleiben. Es ließ zwar eine Ausreißergruppe davonfahren, aber nicht so weit, dass es sie nicht wieder einholen konnte. Viel Arbeit übernahm dabei wie gewohnt Nils Politt, der den 900. Renntag seiner Profikarriere bestritt und der bisher letzte deutsche Etappensieger bei einer Deutschland Tour ist - fünf Jahre ist das bereits her. Barré düpiert das Feld auf den letzten Kilometern Bis zehn Kilometer vor dem Ziel hofften Wilco Keldermann und Theo Hebert an der Spitze auf den Tagessieg, ihr Vorhaben war angesichts eines Vorsprungs von 15 Sekunden aber wenig später beendet. Denn im Peloton wurde das Tempo angezogen, um in der entscheidenden Phase in einer perfekten Situation zu sein. Die ergatterten mit Barré und Paul Magnier allerdings nur zwei Fahrer auf dem Weg zum Bonussprint fünf Kilometer vor dem Ziel. Sie hatten das Glück, dass hinter ihnen Uneinigkeit herrschte und dann nutzte Barré seine Kletterqualitäten, setzte sich 1,7 Kilometer vor Schluss auch noch von Magnier ab, der am Freitag um den Sieg fahren dürfte. Im Solo fuhr der Franzose dem Sieg entgegen - und auch das Blaue Trikot rückte immer näher, weil Del Toro zwar Zweiter wurde, aber zu spät attackierte. Obendrein hatte Barré im Streckenverlauf auch schon Bonussekunden eingesammelt. So hat der Visma-Profi in der Gesamtwertung neun Sekunden Vorsprung auf Del Toro, der 16 Sekunden nach dem Tagessieger als Zweiter ins Ziel kam. Jeweils auf Platz drei der Wertungen ist Giulio Ciccone, der mit Del Toro ins Ziel kam und im Gesamtklassement mit 18 Sekunden Rückstand ebenfalls in Lauerstellung ist. Ein Fest für Sprinter - dann geht es oft bergauf Der Freitag dürfte der Tag der Sprinter werden, auf 197 weitgehend flachen Kilometern fährt der Tross von Schwäbisch Hall nach Offenbach an der Queich, es gibt eine sehr steile Bergwertung über 1,1 Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 14,4 Prozent - allerdings zu Beginn der Etappe, danach wird es eben und perfekt für die schnellen Leute.