Deutschland und Jürgen Klopp erwartet am Sonntag die "schwarze Hölle"
Klopp-Elf ist gewarnt
Die "schwarze Hölle" brodelt schon
04.10.2026 - 12:35 UhrLesedauer: 4 Min.
In Griechenland ist der Hype um die eigene Nationalmannschaft riesig. Aber auch Jürgen Klopp zieht die Menschen magisch an.
Aus Thessaloniki berichtet Benjamin Zurmühl
Wer sich in diesen Tagen in Thessaloniki als Deutscher outet, erntet neben der griechischen Gastfreundschaft auch eine Nachfrage: "Sind Sie für das Spiel hier?" Lautet die Antwort "Ja", folgt gerne ein "Ich liebe Jürgen Klopp". Der deutsche Bundestrainer erfreut sich in der zweitgrößten Stadt Griechenlands einer gewissen Beliebtheit. Der Grund: seine Amtszeit beim FC Liverpool. Viele Fußballfans in Griechenland hätten ein Lieblingsteam in der Premier League, berichtet ein griechischer Journalist. Die meisten entscheiden sich für Liverpool oder Manchester United.
Dass Jürgen Klopp nun für das Nations-League-Spiel Deutschlands gegen Griechenland in der Stadt ist, löst bei einigen Menschen eine gewisse Euphorie aus. Sie hoffen auf ein Foto oder ein Autogramm. Das gilt auch für den einen oder anderen griechischen Journalisten. Als Klopp am Samstag den Raum für die Pressekonferenz im Stadion von PAOK Saloniki betrat, zückten sie ihr Handy und machten Fotos und Videos. Als er den Raum verließ, folgten sie ihm und versuchten, im Treppenhaus noch ein Bild zu bekommen.
Im Video | Diese Frage lässt Klopp hadern
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"To Piratko" hat es in sich
Konstantinos Tsimikas braucht weder ein Foto noch ein Autogramm, auf Jürgen Klopp freut er sich dennoch. Für keinen anderen Spieler machte der Verteidiger des FC Liverpool so viele Spiele wie für den deutschen Trainer. "Er hat einen besonderen Platz in meinem Herzen", sagte Tsimikas am Sonntag. "Wir hatten vier tolle Jahre zusammen. Ich habe viel von ihm gelernt und wir haben viele Titel zusammen gefeiert."
Am Sonntagabend hat nach dem Spiel maximal einer der beiden etwas zu feiern. Denn Tsimikas und "To Piratko" ("Das Piratenschiff"), wie die griechische Nationalmannschaft auch genannt wird, treffen auf die DFB-Elf. Wäre das Spiel vor zehn Jahren noch eine einseitige Angelegenheit zugunsten Deutschlands gewesen, ist die Realität heute eine andere. Die "goldene Generation" Griechenlands (Zitat Jürgen Klopp) um Dortmunds Konstantinos Karetsas hat es in sich. Nach drei Nations-League-Spielen führt "To Piratko" die Gruppe mit den Niederlanden, Deutschland und Serbien an. Hätte Tijjani Reijnders am Donnerstag nicht kurz vor dem Abpfiff noch für "Oranje" zum 2:2-Ausgleich getroffen, hätte Griechenland sogar alle drei Teams geschlagen.
Diese Serie wollen die Griechen am Leben halten und setzen dabei auf die "schwarze Hölle". Das Toumba-Stadion im Südosten der Stadt hat zwar nur Platz für rund 28.000 Zuschauer, doch die klingen eher wie 50.000. Die Arena von PAOK Saloniki ist ein echter Hexenkessel. Und weil die Vereinsfarben von PAOK Schwarz und Weiß sind, lautet der Spitzname "schwarze Hölle". Normalerweise spielt Griechenland seine Heimspiele in Athen. Doch im Oktober fiel die Wahl ausnahmsweise auf Thessaloniki.
Mitten auf der Pressekonferenz: Klopp-Satz erregt Aufsehen
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Aleksandar Pavlović freut sich darauf, in der "schwarzen Hölle" aufzulaufen. "Wer die Griechen kennt, weiß, dass da immer gute Stimmung herrscht", sagte der deutsche Mittelfeldmann am Samstag. "Ich kann mir gut vorstellen, wie die Atmosphäre sein wird. Ich habe Bock auf das Spiel." Pavlović ist einer von zwei Spielern, deren Platz in der Startelf sicher ist. Der andere ist Jonas Urbig. Der Torwart vom FC Bayern bekommt auch das zweite Spiel diese Woche. Das verriet Jürgen Klopp. Mehr wollte der Bundestrainer zur Aufstellung nicht sagen.
Wie viel verändert Klopp?
Für den 59-Jährigen stellt sich die Frage, wie viele Veränderungen er nach dem guten Auftritt seiner Mannschaft gegen Serbien überhaupt vornehmen will. Auf der einen Seite wollte Klopp die vier Länderspiele nutzen, um möglichst viele Spieler kennenzulernen und auf dem Platz zu erleben. Auf der anderen Seite würde eine Niederlage oder ein Unentschieden die Chancen auf das Weiterkommen in der Nations League verringern, sollten die Niederlande im Parallelspiel Serbien schlagen. Gerade das starke Zentrum mit den Innenverteidigern Waldemar Anton und Malick Thiaw und den Mittelfeldspielern Aleksandar Pavlović, Tom Bischof und Florian Wirtz wäre eine sinnvolle Achse für die deutsche Mannschaft.
Gut möglich, dass auf den Außenbahnen mehr passiert. Ridle Baku und David Raum könnten Philipp Treu und Maximilian Mittelstädt in der Außenverteidigung ersetzen. Und Saïd El Mala könnte diesmal statt Derry Scherhant von Beginn an spielen. Während das aber reine Spekulationen sind, ist eine Änderung sicher. Denn Serge Gnabrys Platz auf dem rechten Flügel ist frei. Gnabry ist aus Gründen der Belastungssteuerung nicht mit nach Griechenland gereist, sondern vorzeitig nach München zurückgekehrt. Die wahrscheinlichste Lösung heißt Lennart Karl. Der talentierte Rechtsaußen des FC Bayern saß gegen Serbien noch das komplette Spiel auf der Bank, für ihn wäre es das vierte Länderspiel.
Klopps Ziel ist klar: "Wir werden versuchen, ein deutlich besseres Ergebnis zu erzielen als im Hinspiel." Dabei helfen könnte auch die Frische seines Teams. Denn Klopps XXL-Kader inklusive Rotation hat einen Vorteil: Müde Beine gibt es im deutschen Team kaum. Ganz anders bei den Griechen, die jedes Spiel mit dem gleichen Kader absolviert haben. Trainer Ivan Jovanović veränderte nur wenig, weshalb einige Spieler vor ihrem vierten Spiel binnen elf Tagen stehen. Konstantinos Tsimikas wollte den Fitness-Aspekt aber nicht überbewerten. "Der Wille ist stärker als die Ermüdung", sagte er. Erst recht mit der "schwarzen Hölle" im Rücken. Und besonders gegen Jürgen Klopp.