Deutschland vs. Griechenland: Schattenmann Yann Aurel Bisseck tritt ins Licht
Laut Uefa-Klubrangliste ist Inter Mailand die fünfbeste Mannschaft in ganz Europa. In der vergangenen Saison gewannen die "Nerrazurri" das italienische Double aus Meisterschaft und Sieg in der Coppa Italia, in der Champions League hatten sie es in der vorigen Spielzeit bis ins Endspiel geschafft. Wer in einer solchen Mannschaft Stammspieler ist, hat große Chancen, es auch in seiner Nationalmannschaft zu sein. Im Fall von Yann Aurel Bisseck gilt das aber nicht.
Bei Inter spielt er fast immer, beim DFB fast nie
Seit Dezember 2025 ist der Innenverteidiger nicht mehr aus der Inter-Startelf wegzudenken, davor hatte er auch schon regelmäßig in der Anfangsformation gestanden. Rechnet man seine kurze Ausfallzeit im April aufgrund einer Muskelverletzung raus, hat Bisseck seit seinem Tor beim 2:1-Sieg beim FC Genua am 14. Dezember 1630 von 1890 Ligaminuten bestritten, in allen nationalen Wettbewerben verpasste er nur 408 von 2340 Minuten - zu 83 Prozent der gesamten Spielzeit stand er auf dem Platz.
So wenig man in Mailand ohne Bisseck auskommen möchte, so sehr scheint man beim DFB den Eindruck zu haben, ohne ihn klarzukommen. Im März 2025 hatte der 25-Jährige sein Debüt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft gefeiert, als er beim 3:3 gegen Italien, das Land seines Arbeitgebers, 13 Minuten vor Schluss eingewechselt worden war. Seitdem verzichtete Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann, auch bei der WM, gänzlich auf ihn.
Bisseck wohl Nutznießer der Pause für Schlotterbeck
Unter Jürgen Klopp ist Bisseck wieder dabei, wäre das angesichts der vielen von ihm nominierten Spieler nicht so gewesen, hätte er vermutlich die Welt auch nicht mehr verstanden. Jetzt kommt aber sogar der Moment, auf den er so lange vergeblich warten musste, denn es deutet alles darauf hin, als würde der gebürtige Kölner am Sonntagabend im zweiten Spiel der Nations League gegen Griechenland (20.45 Uhr, live auf sportschau.de) zum ersten Mal in der Startelf stehen.
Möglich wird das, weil Nico Schlotterbeck eine Pause von Klopp erhält, nachdem der Verteidiger von Borussia Dortmund erst kürzlich nach seinem bei der WM erlittenen Bänderriss im Sprunggelenk zurückgekehrt ist. Die Chance für Bisseck, zumal außer ihm nur noch DFB-Neuling Max Rosenfelder vom SC Freiburg dabei ist. Es ist aber auch vorerst die letzte Möglichkeit für den Abwehrspieler von Inter Mailand, denn wie fast alle wird er im zweiten Teil des ersten Klopp-Lehrgangs nicht mehr dabei sein.
Der steinige Weg des Yann Aurel Bisseck
Bisseck kennt aber das Gefühl, um genau diese Momente beharrlich kämpfen zu müssen. Bevor er in Mailand (seit 2023 spielt er bei Inter) den Durchbruch geschafft hat, hatte er ein Karriere-Stahlbad durchlaufen. 2019 wurde er beim 1. FC Köln zum Profi, sein Jugendklub verlieh ihn in den folgenden Jahren zu vier verschiedene Klubs, ehe Aarhus GF ihn 2022 fest verpflichtete - und nach einem weiteren starken Jahr für über sieben Millionen Euro nach Italien verkaufte.
Dort hat Bisseck seinen Marktwert laut des Portals "transfermarkt.de" auf 50 Millionen Euro gesteigert, eine Folge seiner starken Leistungen in Inters Double-Saison und seiner ersten DFB-Nominierung. "Wenn man so früh ins Ausland geht und seit Jahren nicht mehr in Deutschland gespielt hat, muss man zugeben, dass es auch normal ist, weil nicht jeder die Serie A guckt oder vorher die dänische Liga oder niederländische zweite Liga. Daher kann ich niemandem einen Vorwurf machen", sagte Bisseck im März im Sportschau-Interview über seinen schweren Stand in der Heimat.