Deutschlands Antwort auf Russlands Drohnen?: Rüstungskonzern Helsing stellt neues Flugabwehrsystem Contra vor
Der Münchner Drohnen- und Softwarehersteller Helsing steigt in das Geschäft mit komplexer Flugabwehr ein. Dazu stellte das Rüstungsunternehmen in Berlin das selbst entwickelte Luftverteidigungssystem Contra sowie neue Lenkflugkörper mit der Bezeichnung AD-1 Inferno und AD-2 Ambush vor.
Diese seien darauf ausgelegt, auch strahlgetriebene Angriffsdrohnen und Marschflugkörper abzufangen, teilte Helsing mit. Auf seiner Webseite schreibt das Unternehmen: „Contra setzt Bekämpfungsentscheidungen autonom um, jedoch stets innerhalb eines vom Menschen festgelegten und kontrollierten Rahmens.“ Weiterhin könne das System „Sättigungsangriffe, Flugkörper und Angriffsdrohnen der neuesten Generation abwehren“.
Was können die Lenkflugkörper von Helsing?
AD-1 Inferno ist nach Unternehmensangaben ein strahlgetriebener Hochgeschwindigkeitslenkflugkörper. Er könne in der Luft kreisen, im Schwarm operieren und Ziele wiederholt bekämpfen.
AD-2 Ambush sei ein Lenkflugkörper mit Feststoffraketenmotor für schnelle Abfangeinsätze. Er erreiche Helsing zufolge Mach 2,5 – also eine Geschwindigkeit von rund 3.000 km/h – und habe eine Reichweite von mehr als 20 Kilometern.
Helsings Contra-System soll russische Flugkörper bekämpfen
Helsing verwies zur Vorstellung der Systeme auf die Ausweitung der russischen Produktion strahlgetriebener Drohnen und neuer Marschflugkörper. Auf seiner Webseite schreibt der Konzern, dass Russland „aktuellen Geheimdienstberichten zufolge die Produktion von strahlgetriebenen Drohnen und neuen kosteneffektiven Marschflugkörpern systematisch ausgeweitet hat“.
Demnach sei allein die Fertigung der Drohnen des Typs Geran-4 und Geran-5 zuletzt auf 4000 Stück pro Monat angestiegen. „Parallel baut Russland zahlreiche weitere Startplätze für derartige Drohnen. Damit rücken Teile der EU in Reichweite möglicher russischer Angriffe. Contra ist darauf ausgelegt, dieser Bedrohung zu begegnen.“
Es führe Sensoren und Effektoren, also die Abfangwaffen, in einem einheitlichen Luftlagebild zusammen. Helsing erklärte, das neue System könne so „Hunderte oder Tausende Drohnen und Flugkörper gleichzeitig erkennen und bekämpfen“. Es sei so konzipiert, dass andere Systeme binnen weniger Tage integriert werden können.
Helsings KI-Pilot Centaur gewann Ende September gegen echte Piloten
Ende September hatte Helsing bei einem Pressetermin verkündet, dass man bei der Entwicklung seines unbemannten Kampfjets große Fortschritte erzielt habe. Bei einer Demonstration für Digitalminister Karsten Wildberger in München gewann die KI-gesteuerte Maschine von Helsing in der Simulation mehrere Luftkämpfe gegen echte Piloten.
Herzstück des Drohnenjets ist ein KI-Pilot namens Centaur. Bei der Demonstration traten zwei Piloten – ein ehemaliger Bundeswehrflieger und langjähriger Testpilot sowie ein früherer Pilot der mexikanischen Luftwaffe – gegen Centaur an und verloren mehrmals. Das System wird demnach auch in echten Kampfflugzeugen getestet.
„Was Sie in fünf, sechs Jahren auf die Beine gestellt haben, ist phänomenal“, sagte der sichtlich beeindruckte CDU-Politiker nach der Pressevorführung. Helsing peilt den ersten Testflug für nächstes Jahr an.