Devos siegt und Marco Kutscher top platziert bei Global Tour in Kairo
Zweiter in Valkenswaard, Zweiter in Rom – die Global Champions Tour Saison (und die restliche ebenfalls) verlief sehr erfreulich für Belgiens Mannschaftssilbermedaillengewinner der WM in Aachen, Pieter Devos. Aber mit einem GCT Sieg wollte es bislang nicht klappen. Bis heute. In Kairo schlug die große Stunde von Devos und seiner selbst gezogenen Cornet Obolensky-Tochter Casual DV Z. Die beiden waren zweites Paar im Stechen, und setzten mit fehlerfreien 45,85 Sekunden eine Benchmark, an der sich die Konkurrenz die Zähne ausbiss.
Insgesamt hatten zwölf Paare das Stechen erreicht. Devos‘ Landsmann Olivier Philippaerts kam mit dem zehn Jahre jungen Schweden Hipster v. Corporal VDL noch am dichtesten dran an die Topzeit, aber der Abstand blieb komfortabel: 46,31 Sekunden benötigten die beiden, Rang zwei.
Als letztes Paar hätten Ben Maher und Point Break Devos den Sieg noch streitig machen können. Der Sieger des Rolex Grand Prix von Spruce Meadows hatte nach seinem Sturz in Kanada vier Wochen pausiert, ging erst letztes Wochenende zum ersten Mal wieder an den Start. Maher versuchte einiges, war aber fast eine Sekunde langsamer, 46,57 Sekunden, Rang drei.
Immerhin kann der Brite sich auf die Fahnen schreiben, der einzige gewesen zu sein, der die belgische Phalanx in Kairo durchbrechen konnte, denn auch auf Platz vier sprang ein belgisches Duo: Niels Bruynseels mit H&M Oaky Flandria, einer Tochter des Cabrio van de Heffinck, der einst Olivier Philippaerts seinen ersten großen Sieg bescherte, nämlich 2012 als er den damals 19-Jährigen zu einem sensationellen Sieg in Spruce Meadows trug. Auch Bruynseels und Oaky Flandria beiden blieben doppelnull, ließen es aber ein bisschen ruhiger angehen: 48,82 Sekunden.
Pieter Devos „überwältigt“
Ein überglücklicher Pieter Devos erklärte nach seinem Ritt: „Ehrlich gesagt bin ich ein wenig überwältigt – ich bin einfach so glücklich mit meinem Pferd! Sie hat das wirklich verdient; sie stand dieses Jahr bereits sechsmal auf dem Podium bei 5*-Grand-Prix-Prüfungen, und jetzt konnten wir dem Ganzen mit diesem großartigen Sieg die Krone aufsetzen. Sie ist wirklich ein fantastisches Pferd, sie hat es absolut verdient und kämpft so sehr für mich … dass wir das jetzt so krönen konnten, ist einfach unglaublich … und das an diesem fantastischen Ort! Gänsehaut pur!“
Mit diesem Sieg hat er nun das Ticke für den Super Grand Prix in Verona in der Tasche. Und das alles mit einem Pferd, das er vom Tag seiner Geburt an kennt. „Die Geschichte mit diesem Pferd ist einfach etwas ganz Besonderes: Wir haben sie selbst in unserer Familie gezüchtet und den gesamten Weg mit Casual – vom Fohlen bis hin zur 5*-Grand-Prix-Siegerin – gemeinsam zurückgelegt. Es ist großartig, eine solche Bindung zu einem Pferd aufbauen und es bis an die Weltspitze führen zu können – das ist wirklich etwas Einzigartiges, und was sie mir im Gegenzug zurückgegeben hat, ist einfach unglaublich.“
Gesamtsieger der Tour steht jetzt schon fest und kommt aus Ägypten
Für den inzwischen für Belgien startenden Abdel Said war die Global Tour Station in Kairo nicht nur deshalb emotional, weil es seine alte Heimat ist. Er hat sich schon vor der letzten Station in Rabat den Gesamtsieg in der Global Champions Tour gesichert. Dafür reichte ihm ein 13. Platz mit einem Abwurf. Bis zu diesem Moment hätte Christian Ahlmann ihm den Sieg noch streitig machen können. Doch mit den 24 Punkten, die er für seine Rangierung bekommen hat, ist der Vorsprung von Said so groß geworden, dass Ahlmann ihn nicht mehr überholen kann.
Das müsse er erst einmal sacken lassen, sagte ein bewegter Abdel Said: „Das ist ein großer Moment. Früher habe ich darüber aufgeschaut und gedacht, dass es fast unmöglich ist, das zu schaffen. Zu den Zeiten, als Scott auf Sanctos und Rolf auf Casall saß, sabberte ich nur von der Seitenlinie. Und jetzt, wo ich hier stehe und es schaffe, bin ich sehr stolz und wirklich glücklich für meine Pferde und mein Team.“
Hinter Said kämpfen Christian Ahlmann, Max Kühner, Olivier Philippaerts und Simon Delestre um ihre Rangierung. Die Entscheidung fällt in Marokko vom 30. Oktober bis 1. November.
Die Ergebnisse der deutschen Starter
Bestes deutsches Paar waren Marco Kutscher und Pikeur Lemar NRW. Der elfjährige westfälische Wallach v. Los Angeles aus der Zucht und im Besitz von Wolfgang Brinkmann hat seinem Reiter ein fantastisches Wochenende beschert, an dem er sich nicht einen einzigen Springfehler zuschulden kommen ließ. Damit gewannen sie Donnerstag bereits die Global Champions League Etappe – und damit auch die Gesamtwertung für Riesenbeck International – und damit belegten sie heute Rang fünf.
Zu den zwölf Paaren im Stechen gehörten auch Christian Kukuk und Checker. Die beiden hatten die schnellste Zeit von allen, 45,36 Sekunden. Aber sie bezahlten das Risiko mit zwei Abwürfen, Platz zehn.
Bei Maximilian Weishaupt und Zuccero HV war im ersten Umlauf eine Stange gefallen, ebenso bei den Mannschaftsweltmeistern Daniel Deußer auf WM-Pferd Otello de Guldenboom und Sophie Hinners mit Iron Dames Combella sowie Marcus Ehning und Coolio.
Dickes Trostpflaster für Daniel Deußer: Er hatte gestern im wichtigsten Springen des Tages mit Pepita van’t Meulenhof Rang drei belegt. Sieger war hier Luxemburgs Victor Bettendorf mit seiner Kannan-Tochter Encore Toi du Linon vor Vizeweltmeister Thibeau Spits mit King van Essene.