DFB-Frauen: Ann-Katrin Berger pausiert - wer ist eigentlich Nummer zwei?
Offene Frage bei DFB-Frauen
Wer erhebt Anspruch auf das Erbe?
09.10.2026 - 08:51 UhrLesedauer: 4 Min.
Ann-Katrin Berger ist die unangefochtene Nummer eins im DFB-Tor – doch jetzt hat sie frei. Plötzlich drängt sich die Frage auf: Wer kommt eigentlich nach Berger?
Aus Karlsruhe berichtet Kim Steinke
Als Christian Wück sein Aufgebot für die beiden Testspiele im Oktober verkündete, fehlte ein Name, der dort eigentlich nie fehlt: Ann-Katrin Berger. Der Bundestrainer hatte bereits früh mit seiner Nummer eins gesprochen und "es war klar, dass sie irgendwann mal einen Lehrgang aussetzen möchte. Das war jetzt der Zeitpunkt", erklärte er vor dem Heimspiel am Freitag gegen Australien (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei t-online).
Die "Fußballerin des Jahres" von 2024 und 2025 fokussiert sich auf den Ligaalltag, kämpft mit dem Gotham FC um die Playoffs. "Daher haben wir die Möglichkeit genutzt, ihr einerseits die Pause zu geben", erklärte Wück und fügte an: "Und den jungen Torhüterinnen, die hinten dran sind, andererseits Länderspiele und Spielzeit zu geben."
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Berger sei ihren Konkurrentinnen noch "einen Tacken voraus", betonte Wück. Für die übrigen DFB-Torhüterinnen wird die Abwesenheit der Olympia-Heldin dennoch zur Gelegenheit. Nun wird sichtbar, was sonst in ihrem Schatten liegt: die Rangordnung dahinter. Und die ist alles andere als geklärt.
"Die Zukunft der Nationalmannschaft"
Als aussichtsreiche Kandidatin gilt Ena Mahmutović. Die Stammtorhüterin des FC Bayern ist zur Topkandidatin für das Berger-Erbe als deutsche Nummer eins herangewachsen, befand zumindest Münchens Direktorin Bianca Rech. Mahmutović sei "die Zukunft der Nationalmannschaft", schwärmte sie unlängst und monierte zugleich, die 22-Jährige gehöre in der DFB-Auswahl "nicht nur nominiert".
Mahmutović hätte Rechs Ansicht nach bereits in der Vergangenheit mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. "Sie ist in meinen Augen zu wenig beachtet worden", sagte die 46-Jährige. Wück reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß, schließlich wolle jeder Verein seine Spielerinnen in der Nationalmannschaft sehen.
"Im Moment ist es natürlich schon so, dass die Leistungen von Ena im Verein und in der Champions League sehr gut sind", sagte Wück. Womit Mahmutović heraussticht: "Sie kann den Ball dahin bringen, wo sie ihn hin haben möchte. Das ist wichtig, weil wir im Spielaufbau unsere Torhüterinnen immer einbeziehen möchten", führte Wück aus. Sie habe inzwischen auch eine "gewisse Präsenz auf dem Feld".
Mahmutović habe zudem "eine Konstanz in ihren Leistungen", die vor allem bei Torhüterinnen nicht kleingeredet werden dürfe, "weil diese einer Mannschaft Sicherheit gibt, die sie braucht". Daher kündigte der Bundestrainer an: "Sie wird jetzt ihre Spielzeit bekommen. Ob sie beide Spiele machen wird, das würde ich gerne auch mit Michael Fuchs (Torwarttrainer, Anm. d. Red.) besprechen." Es wären die Länderspiele drei und vier für die 1,77 Meter große Duisburgerin.
Ihr DFB-Debüt Ende 2024 verlief unglücklich, als sie das 1:2 gegen Italien in Bochum mitverschuldete. Auch Mahmutovićs erster Bundesligaeinsatz war ungewöhnlich. 2020 musste die gebürtige Duisburgerin im Alter von 16 Jahren beim MSV wegen personeller Engpässe als Feldspielerin aushelfen. "In der Nachspielzeit hat mich der Trainer dann eingewechselt. Ich durfte zwei Sprints machen", erinnerte sie sich.
Konkurrentin schwächelt
Wäre es nach ihrem Vater gegangen, wäre Mahmutović gar nicht erst im Tor gelandet: "Er sagt immer noch, ich wäre draußen besser gewesen, weil ich beide Füße gut einsetzen kann." Zumindest kurz wurde der Wunsch ihres Vaters erfüllt. Bei ihrem Bundesliga-Debüt musste sie 2020 im Alter von 16 Jahren beim MSV Duisburg wegen personeller Engpässe als Feldspielerin aushelfen. "In der Nachspielzeit hat mich der Trainer dann eingewechselt. Ich durfte zwei Sprints machen", erinnerte sie sich.
Ihr heutiger Trainer beim FC Bayern ist aber froh, dass es bei diesem einen Einsatz blieb: "Sie ist eine der talentiertesten Torhüterinnen der Welt", schwärmte José Barcala jüngst – eine, die Spiele entscheiden könne.
Mahmutovićs Konkurrentin in diesen Tagen beim DFB ist Stina Johannes. Die 26-Jährige vom VfL Wolfsburg erwischte einen unglücklichen Saisonstart, patzte beim Supercup gegen die Bayern (0:3) und zeigte zuletzt wechselhafte Leistungen, wie auch Wück bestätigte. "Das ist richtig, da haben wir einen anderen Anspruch. Da hat auch sie einen anderen Anspruch, das weiß ich von Stina", räumte er ein. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass Johannes Deutschland im Nations-League-Halbfinale gegen Frankreich einmal die Null gehalten habe und im Rückspiel "einen gehörigen Anteil daran" hatte, dass Deutschland das Endspiel erreichte.
Eine Torhüterin müsse auch eine Schwächephase haben dürfen, sagte Wück. "Ich weiß, was in Stina steckt. Wenn ich das nicht wüsste, wenn ich nicht das Vertrauen gehabt hätte, hätten wir sie nicht nominiert", so der Bundestrainer.
Keine endgültige Antwort
Als dritte Torfrau ist für den Auftakt der WM-Saison Laura Dick von der TSG Hoffenheim nominiert. In Lauerstellung befindet sich Maria Luisa Grohs. Die einstige Rivalin von Mahmutović beim FC Bayern steht inzwischen beim französischen Spitzenklub Olympique Lyon zwischen den Pfosten. Sie gehört dem Aufgebot der deutschen U23 an.
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