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DFB: Klopp hat in Philipp Treu die Lösung für eine große Baustelle gefunden

Sport

Neuling sticht heraus

Klopp hat die Lösung für eine deutsche Baustelle gefunden

Aktualisiert am 05.10.2026 - 10:02 UhrLesedauer: 3 Min.

Für seine ersten vier Länderspiele hat Jürgen Klopp 44 Spieler nominiert. Aber nur einer durfte in drei Spielen in der Startelf stehen. Aus guten Gründen.

Aus Thessaloniki berichtet Benjamin Zurmühl

Fast wäre Philipp Treu noch zum Matchwinner geworden. Mit 85 gespielten Minuten in den Knochen setzte der Rechtsverteidiger vom SC Freiburg noch einmal zu einem Sprint bis in den gegnerischen Strafraum an. David Raum sah Treu und flankte den Ball auf den langen Pfosten.

Treu erwischte den Ball zwar, war jedoch ein paar Millisekunden zu spät. Der 25-Jährige konnte den Ball nicht mehr drücken und schoss ihn deutlich über das Tor. Es blieb beim 0:0 zwischen Deutschland und Griechenland an diesem Sonntagabend in Thessaloniki.

Auch wenn der Ball nicht im Tor landete, hatte Philipp Treu dennoch eine gute Leistung gezeigt. Der Defensivmann verteidigte fleißig und unnachgiebig, jagte verlorenen Bällen sofort hinterher. Siebenmal eroberte er das Spielgerät zurück und machte sowohl Alexandros Kyziridis als auch Georgios Masouras auf seiner Seite das Leben schwer. Auch in die Offensive schaltete er sich ein, spielte "rotzfrech nach vorne", wie Bundestrainer Jürgen Klopp es nach dem Spiel ausdrückte. "Er hat eine für ihn ungewohnte Position in unserem Offensivspiel, er ist weit vorne." Dennoch lautete Klopps Fazit: "Er macht das einfach gut."

Philipp Treu hat in dieser Länderspielphase etwas erreicht, das kein anderer geschafft hat. Er durfte in drei von vier Spielen von Beginn an ran. Er startete in Amsterdam gegen die Niederlande, in München gegen Serbien und in Thessaloniki gegen Griechenland. Und in allen drei Partien hinterließ Treu einen Eindruck (t-online-Note 2). Offenbar auch bei Jürgen Klopp, der den zweiten Rechtsverteidiger in seinem zweiten Kader, Ridle Baku, auf der Bank ließ.

"Man hatte nicht den Eindruck, dass ein Neuling da spielt"

Treu hatte genau das gezeigt, was Klopp von seinen defensiven Flügelspielern sehen will. "Jeder Außenverteidiger muss nach vorne Gas geben und nach hinten arbeiten wie ein Stier", erklärte Klopp sein gewünschtes Profil. Treu war sowohl ein Motor nach vorne als auch ein Stier nach hinten. Und das, obwohl es für ihn die ersten Spiele im DFB-Trikot waren. "Man hatte nicht den Eindruck, dass ein Neuling da spielt", stellte auch Klopp fest. "Er wirkte sehr gesettled."

Dass Treu am Ende so viele Einsatzminuten bekommen sollte, war nicht schon im Vorhinein geplant. Der Freiburger hat sich das erarbeitet. Treu war eine von "vielen Überraschungen" für Bundestrainer Klopp. "Nicht im Sinne, dass ich nicht dachte, dass sie könnten. Aber ich wusste nicht, wie gut sie könnten." Seine Chance hat der 25 Jahre alte Debütant definitiv genutzt. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, sollte Treu auch im November-Aufgebot stehen.

Mal Innenverteidiger, mal Rechtsverteidiger, meist Kimmich

Treu scheint Klopps Lösung für eine große Baustelle zu sein: Die rechte Abwehrseite bereitete deutschen Fußballfans seit Jahren Bauchschmerzen. Nach dem Rücktritt von Philipp Lahm setzte Joachim Löw auf den jungen Joshua Kimmich. Erst als Rechtsverteidiger in einer Viererkette, bei der EM 2021 dann sogar als Schienenspieler vor einer Dreierreihe. Doch der wollte lieber im Mittelfeld spielen, dort die Strippen ziehen. Löws Nachfolger Hansi Flick erfüllte ihm den Wunsch zunächst.

Flick probierte es 2022 in Katar bei drei WM-Spielen mit drei verschiedenen Spielern: Niklas Süle, Thilo Kehrer, Lukas Klostermann – und dann doch wieder Joshua Kimmich. Julian Nagelsmann testete nach seiner Amtsübernahme ebenfalls fleißig. Mal durften Innenverteidiger wie Süle oder Jonathan Tah ran, mal versuchte er es dann doch mit einem "echten" Rechtsverteidiger wie Benjamin Henrichs. Am Ende fiel für die Heim-EM und die WM in den USA, Mexiko und Kanada seine Wahl notgedrungen auf Joshua Kimmich. Eine echte Alternative schien nicht da zu sein. Josha Vagnoman (VfB Stuttgart) fehlte es an Konstanz, Benjamin Henrichs (RB Leipzig) an Gesundheit, Ridle Baku (ebenfalls Leipzig) zeitweise an Spielpraxis.

Jürgen Klopp hat seine Alternative vorerst gefunden. Zwar betonte der neue Bundestrainer auch nach dem Griechenland-Spiel, dass die Tür für jeden deutschen Spieler "sperrangelweit offen" stehe. Aber jeder Rechtsverteidiger, der durchgeht, muss ab sofort erst einmal an Philipp Treu vorbei.

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