DFB-Pokal: 1. FC Saarbrücken verliert gegen Hertha BSC
Und der Zweitligist aus Berlin wollte seiner Favoritenrolle von Beginn an gerecht werden. Wie der FCS startete auch die Alte Dame mit zwei Siegen in die Saison. Nummer drei sollte in Saarbrücken folgen. Und die Hertha drückte aufs Tempo, schnürte die Saarbrücker in den Anfangsminuten direkt in der eigenen Hälfte ein. Der FCS stand tief und kompakt, versuchte, die Räume eng zu halten, um dann seinerseits über die schnellen Flügelspieler Abdenego Nankishi und Kapitän Florian Pick umzuschalten. Und Nankishi leitete gleich die erste bessere Gelegenheit für den FCS ein. Der 24-Jährige spielte in der eigenen Hälfte auf Daniel Gleiber. Der vom 1. FSV Mainz 05 ausgeliehene Mittelfeldspieler marschierte durchs Zentrum und steckte den Ball durch zu Pick. Doch der Kapitän ließ sich im Strafraum der Hertha zu viel Zeit. Sein Schuss wurde von Innenverteidiger Niklas Kolbe geblockt (10. Minute). Dennoch waren die Berliner die klar tonangebende Mannschaft und hatten in Minute 16 gleich doppelt Pech. Erst setzte Linksverteidiger Deyovaisio Zeefuik einen Schlenzer an die Latte, dann lenkte Broll den Versuch von Thorsteinsson um den Pfosten. Der FCS stand unter Dauerdruck.
Und die Fehler häuften sich. Gerade der gebürtige Berliner Niko Bretschneider leistete sich zwei unnötige Ballverluste. Doch der FCS verteidigte beherzt und bügelte die Fehler des Rechtsverteidigers im Kollektiv aus (24.). Die Blau-Schwarzen hatten in dieser Phase Mühe, überhaupt über die Mittellinie zu kommen. Bereits nach 30 Minuten hatten die Berliner neben neun Torschüssen auch schon sechs Ecken erarbeitet. Und auch die Ballbesitzstatistik sprach mit 80 Prozent für die Hertha eine klare Sprache: Der FCS war klar unterlegen. Doch bis auf die Doppelchance in Minute 16 erspielten die Berliner sich keine klaren Torchancen.
In Minute 36 hätten die Saarbrücker den Spielverlauf fast auf den Kopf gestellt. Nach einem langen Abschlag von Broll nahm Nankishi den Ball im Laufduell super mit und sprintete gegen Zeefuik Richtung Berliner Tor. Der Herthaner zerrte und zupfte, um den pfeilschnellen Saarbrücker aufzuhalten. Erst im Strafraum mit Erfolg. Den zuvor geführten Zweikampf, für den die FCS-Fans lautstark einen Elfmeter forderten, ließ Schiedsrichter Benjamin Brand zu Recht weiterlaufen. Doch mit der Aktion sendete der FCS wieder ein kleines Lebenszeichen. Gerade Broll sorgte mit seinen guten Abschlägen für mehr Ruhe beim Drittligisten. Und wieder war es Nankishi, der die erste Top-Chance auf dem Fuß hatte. Nach schönem Zuspiel von Christian Kühlwetter legte sich der Flügelspieler den Ball mit der Hacke selbst vor Zeefuik hin und lief Richtung Hertha-Tor. Doch der Abschluss des Neuzugangs vom VfB Stuttgart II war zu zentral und für Torhüter Marius Gersbeck kein Problem (41.). Dennoch die nächste gute Gelegenheit für den FCS, der kurz vor der Pause immer besser in die Partie fand.
Der zweite Durchgang startete ohne Wechsel. Und direkt wieder mit viel Druck seitens der Gäste. Die erste Annäherung in Minute 50, doch Herthas Außenverteidiger Julian Eitschberger setzte den Versuch links am Tor vorbei. Wenig später war Broll wieder gefordert und zur Stelle. Der Torhüter parierte den Flachschuss von Kevin Sessa aus zwölf Metern mit dem Fuß (51.). Vier Minuten später versuchte es Sessa dann aus knapp 17 Metern, doch der Ball flog knapp rechts am Tor vorbei (54.). Und die Saarbrücker standen wie im ersten Durchgang tief in der eigenen Spielhälfte und mussten dem Ball gegen die spielstarken Herthaner hinterlaufen.
Nach 61 Minuten reagierte Giannikis und brachte Stürmer Kai Brünker und Mittelfeldspieler Sebastian Vasiliadis für Alexander Staff und Gleiber. Gerade auf Brünker ruhten nach zwei Toren und einer Vorlage in den ersten beiden Ligasiegen große Hoffnungen. Doch die Hertha blieb das aktivere Team. Wieder scheiterte Sessa mit seinem Schuss aus kurzer Distanz an Broll (62.). Dann reagierte auch Gästetrainer Leitl ein erstes Mal. Für Verteidiger Kolbe kam Marton Dardai ins Spiel. Und die Hertha drängte weiter auf die Führung – mit Erfolg. In Minute 69 schlenzte Paul Seguin den Ball unhaltbar in den linken Winkel. Ein Traumtor zur hochverdienten 1:0-Führung für die Berliner. Der FCS war nun gefordert. Giannikis reagierte und brachte Kelsey Owusu für den umtriebigen Nankishi in die Partie (74.). Und Owusu hatte direkt eine gute Gelegenheit. Der Sommerneuzugang von Rot-Weiss Essen enteilte der Herthaner-Hintermannschaft fast. Doch Zeefuik blockte den Schuss per Grätsche zur Ecke (77.). Diese brachte nichts ein. Auch weil Pick nach einem starken Dribbling bis zur Grundlinie den Ball genau in die Arme von Gersbeck lupfte (79.).
Der FCS riskierte angesichts des Rückstands nun mehr und das eröffnete den Berlinern Räume zum Kontern. In der 84. Minute setzte Giannikis den nächsten Impuls und wechselte Calogero Rizzuto und Abdoulaye Kamara für Bretschneider und Kühlwetter ein. Die Blau-Schwarzen versuchten, sich gegen das drohende Pokal-Aus zu stemmen. Und ausgerechnet Brünker ließ eine Top-Gelegenheit aus. Der 32-Jährige verstolperte den Ball auf dem Weg zum Tor (89.). Angetrieben von den Fans im Stadion versuchte der FCS in der dreiminütigen Nachspielzeit alles, um den Ausgleich zu erzielen. Und dann stand der Park Kopf. Erst kann die Hertha die Ecke von Rizzuto noch verteidigen, doch der Ball landet genau vor den Füßen von Philip Fahrner. Der Rechtsverteidiger nahm die Kugel mit der Brust an und versenkte den Ball zum stark umjubelten 1:1-Ausgleich mittig im Tor (90+2.). Damit ging es in die Verlängerung.
Und dort gab wieder die Hertha den Ton an und hatte gleich durch den eingewechselten Pascal Klemens eine gute Chance. Doch der Mittelfeldspieler köpfte eine Flanke von links knapp am Pfosten vorbei (92.). Danach nahm sich das Spiel eine ungewohnte Auszeit. Zwar hatten die Berliner weiter mehr Ballbesitz, doch auch bei der alten Dame schlichen sich immer mehr Fehler ein. Die versuchte der FCS zu nutzen. Nach einem Ballgewinn wanderte der Ball über Owusu zu Pick. Der Kapitän nahm den Ball im Strafraum an, übersah aber den besser postierten Vasiliadis. Der Pick-Versuch konnte geblockt werden (100.). Der FCS war nun am Drücker. Der späte Gegentreffer schien bei den Berlinern doch Spuren hinterlassen zu haben. Mit dem 1:1 ging es dann in die Pause der Verlängerung.
Dann wieder die Saarbrücker. Fahrner blockte einen Passversuch von Dardai genau in den Lauf von Owusu. Der Flügelspieler sprintete nach vorne und erarbeitete sich alleine gegen drei Berliner einen Eckball (114.). Auf der Gegenseite lief Schuler alleine auf Broll zu. Doch der 27-Jährige legte sich den Ball zu weit vor, sodass der Keeper die Kugel locker aufnehmen konnte (116.). Kurz vor Abpfiff der Verlängerung dann die große Chance für den FCS. Owusu setzte sich im Duell gegen Zeefuik durch und drang zur Grundlinie im Berliner Strafraum vor. Doch der Querpass konnte in höchster Not von einem Herthaner verteidigt werden (119.). Kurz danach hieß es dann: Elfmeterschießen. Und die Berliner legten vor. Josip Brekalo legte sich den Ball vor dem mit 1.850 Gästefans gefüllten Gästeblock hin und verwandelte flach rechts im Toreck. Broll ahnte zwar die Ecke, war aber machtlos. Damit stand es 2:1 für die Berliner. Für den FCS trat der gebürtige Berliner Mladen Cvjetinovic an. Und auch der ehemalige Jugendspieler der Hertha verwandelte sicher links im Eck zum 2:2. Als nächster Herthaner war Linus Gechter an der Reihe. Der Verteidiger traf hoch in die Mitte. Broll war zwar noch mit einer Hand dran, konnte das 3:2 für die Berliner aber nicht verhindern. Dann war FCS-Kapitän Pick an der Reihe. Und Hertha-Torhüter Gersbeck hielt den unplatzierten Schuss mit dem Fuß. Schuler stellte anschließend sicher auf 4:2, ehe Rizzutto für den FCS auf 3:4 verkürzte. Dann lag der Druck bei Sessa. Doch der Berliner verwandelte sicher rechts oben zum 5:3. Nun war klar, Brünker musste treffen. Doch der Stürmer scheiterte mit seinem Rechtsschuss an Gersbeck. Damit scheidet der FCS wie im Vorjahr (1:3 gegen Magdeburg) wieder in der ersten Runde aus.