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DFB-Team: Rückholaktion von Neuer als Kipppunkt für Nagelsmann

Sport

Der Joker gilt im Fußball als derjenige, der im Verlauf des Spiels eingewechselt wird und dann am besten ein entscheidendes Tor schießt, zumindest aber die Vorlage dazu liefert. Bei Julian Nagelsmann ist der "Joker" einer, der bei anderen Schienenspieler heißt. Letztlich also derjenige, der im Mittelfeld an der Seite für Offensivdrang sorgen soll, im Bedarfsfall aus einer Dreierkette eine Fünferkette macht. Leichte Widersprüche von Anfang an Im November 2023, Nagelsmann war gerade als Nachfolger von Hansi Flick zwei Monate Bundestrainer, gab es zwei Länderspiele gegen die Türkei und in Österreich. Beim ersten spielte Kai Havertz Linksverteidiger in einer Viererkette, beim zweiten im linken Mittelfeld vor einer Dreierkette. Das sei ja schon wirklich ein überraschendes Experiment, wurde Nagelsmann vorgehalten, der bei seinem Antritt gesagt hatte, es einfach halten zu wollen. Der Bundestrainer antwortete, dass Havertz ja gar nicht Außenverteidiger gespielt habe, sondern "linker Zehner". Außerdem sagte er: "Kai hat das sensationell gut gemacht." Julian Nagelsmann und seine eigene Sicht der Dinge Andere hatten bei der Niederlage gegen die Türkei eine durchschnittliche Leistung von Havertz gesehen, und beim grottenschlechten 0:2 ein paar Tage später in Wien sogar eine miese. Aber auch das sah Nagelsmann anders, wie er auch in den folgenden Jahren vieles anders sah als viele andere. "Lasst die mal reden, die haben eh keine Ahnung. Ich mach das schon." Das war der Eindruck, den Nagelsmann vermittelte. Er machte es sich damit nicht leichter, aber das wollte er auch gar nicht. Nagelsmann wollte nicht weniger als den deutschen Fußball retten, ihn schnell an die Spitze führen, obwohl viele gewarnt hatten, dass dies ein langer und schwieriger Weg sei. Es gab allerdings diese paar Monate, in denen es so schien, als habe der Bundestrainer eine Abkürzung auf Schienen mit Magnetschwebetechnik gefunden. Er holte Toni Kroos zurück. Der passte bei seinem ersten Spiel nach dem Comeback auf Florian Wirtz, der traf nach acht Sekunden, Deutschland gewann in Frankreich. Die Spitze schien nah Ein Sieg gegen die Niederlande ein paar Tage später bestätigte den Trend, es gab eine gelungene PR-Aktion um pinke Trikots, es gab eine Euphorie vor und auch während der Heim-EM 2024, die so ansteckend war, dass sich David Raum die Szene seiner Flanke tätowieren ließ, die zu einem Tor gegen die Schweiz führte. Es war das 1:1 in der Nachspielzeit, in einem Heimspiel, in der Gruppenphase. Deutschland war benebelt vor Glück. Die Spitze schien nah. Dann halt Weltmeister, sagte Nagelsmann nach dem Aus im Viertelfinale gegen Spanien. Kroos verschwand, genau wie die Führichs und Mittelstädts, die dann doch nicht so wichtig waren, wie der Bundestrainer es gesagt hatte. Spielerisch gab es keine Weiterentwicklung, dafür aber eine Rückholaktion von Leon Goretzka, der für die EM 2024 ausgebootet worden war. Für die WM 2026 galt er dann als Startspieler. Jedenfalls war das so zu verstehen nach allem, was aus den berühmten Rollengesprächen durchgesickert war. Im Turnier war Goretzka dann beim Anpfiff stets außen vor. Genau wie Oliver Baumann nicht im Tor stand, der Nagelsmanns Nummer eins gewesen war. Schlechte Außendarstellung von Julian Nagelsmann Die Rückholaktion um Manuel Neuer war der Kipppunkt in der Laufbahn des Bundestrainers Julian Nagelsmann. Sportlich noch nachzuvollziehen, aber in der Außendarstellung gab Nagelsmann ein äußerst schlechtes Bild ab, und wie nun aus internen Kreisen zu hören ist, sahen das auch dort einige so. Als Nadiem Amiri sich beim Trainingslager in Herzogenaurach verplapperte und vom anstehenden Rollengespräch mit dem Bundestrainer erzählte, die ja schon längst mit allen Spielern geführt worden sein sollten, wurde klar, dass viel erzählt wird, aber nicht alles geglaubt werden sollte. Bei der WM 2026 war Kai Havertz dann weder Außenverteidiger noch Joker, sondern Mittelstürmer. "Wir werden bestimmt keine Verteidigungsmonster", hatte Nagelsmann nach den Länderspielen im Herbst 2023 gesagt. Das wurde seine Mannschaft wahrlich nicht, aber ihr fehlte beim Welt-Turnier viel mehr. Eine gute halbe Stunde gegen die Elfenbeinküste nach drei Einwechslungen kaschierte Schwächen, die sich in lauem Pressing und Gegenpressing, kaum variablen Spiel und schlappen Hoffnungsträgern Jamal Musiala und Florian Wirtz offenbarten, die einst "Wusiala" getauft worden waren, als es schien, Nagelsmann könne mit dem Longboard auf einer Welle surfen wie Berti Vogts einst über Wasser gehen. Die Orientierung fehlt

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