DFB-Team: Spurenelemente vom Fußball von Jürgen Klopp
Der Volksmund sagt, dass Rom nicht an einem Tag erbaut wurde. Wer sich die Stadt so anschaut, glaubt das gern. Jürgen Klopp sagte am Donnerstagabend, dass auch ihm geglaubt werden solle, schließlich sei er schon sehr lange Trainer. Er wisse, wie eine Mannschaft entwickelt werde, und das "dauert mehr als zwei Tage".
Die Vita Klopps zeigt, dass er mehrmals eine Mannschaft entwickelt und auf dem Höhepunkt zu Titeln geführt hat. Nun hat der neue Bundestrainer allerdings auch gesagt, dass er sich so viel Zeit wie etwa bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool nicht lassen könne, denn er habe seine Spieler ja nun viel seltener zusammen.
Aber ihm wäre es auch alles andere als recht gewesen, wenn nach dem Auftakt der Nations League in den Niederlanden schon alle geschwärmt hätten: wow, das war Fußball wie Heavy Metal, so wie Klopp ihn bekannt gemacht hat. "Habe ich den Eindruck habe, dass wir schon in Richtung Perfektion unterwegs sind? Nein, den habe ich nicht", sagte der Trainer nach dem 1:1, das seiner Mannschaft eher schmeichelte.
Klopp: "Zu wenig Fußball gespielt"
Klopp bemängelte vor allen Dingen, dass in den starken Phasen des Gegners, und von denen gab es einige, vielleicht kann die zweite Halbzeit sogar in Gänze als solche betrachtet werden, "wir zu wenig Fußball gespielt" hätten.
Die Daten belegen und verstärken seinen Eindruck sogar noch, denn die deutsche Mannschaft traf in der zweiten Halbzeit mit keinem Schuss das Tor der Holländer, eine gute Chance fehlte, der Anteil am Ballbesitz sank auf unter 40 Prozent. Ebenfalls vermisste Klopp das Gegenpressing, dieser Begriff hat dank ihm Eingang in die englische Sprache gefunden. "Ich habe es gesehen, aber ich würde es gerne noch viel mehr sehen", so Klopp, "die Abläufe gegen den Ball müssen sich noch viel natürlicher anfühlen."
Klopp sieht "viele gute Ansätze"
Er sei dennoch "zufrieden, weil ich richtig viele gute Ansätze gesehen habe, die wir nun mitnehmen können in die nächsten Spiele", und von denen gibt es ja sogar in dieser Länderspielpause noch drei, das nächste am Sonntag in Augsburg gegen Griechenland (2:1 zum Auftakt in Serbien) wird am Sonntag live in der Sportschau zu sehen sein.
In den ersten Minuten des Duells in Amsterdam sah es so aus, als wolle die deutsche Mannschaft Rom in 15 Stunden erbauen. Bei einem Abstoß des Gegners standen vier Spieler der DFB-Auswahl auf Höhe des Strafraums, die Viererkette schob bis zur Mittellinie vor, manchmal sogar noch ein Stück weiter in Richtung des gegnerischen Tores, um die geforderte Kompaktheit herzustellen. Aber das waren nur die Ansätze, die der Trainer später lobte. Es gab auch viele ruhige Phasen, in denen niemand auf die Idee gekommen wäre, dass Jürgen Klopp die Mannschaft trainiert, die da neu zusammengestellt, in zwei große Kader aufgeteilt und durch die Verletzungen von Jamal Musiala und Kai Havertz nochmal geschwächt wurde.
Kimmich mit Problemen
Der systematische Ansatz des neuen Trainers war nicht nur in Ansätzen, sondern in ganzer Pracht zu sehen. Wie zu seinen Hochzeiten mit dem FC Liverpool setzte Klopp auf eine 4-1-2-3-Grundordnung. Kapitän Joshua Kimmich spielte als "Sechser" vor der Viererkette, und dass er keinen Nebenmann hatte, nutzte der Gegner mehrfach aus, als er Spieler in den sogenannten Halbräumen freispielte, die dann aufs deutsche Tor sprinteten oder sofort in die Spitze spielten. Kimmich gewann nur einen von sieben Zweikämpfen, hatte auch aufgrund des fehlenden Topspeeds Probleme in der Defensive. Sollte Klopp seinen Kapitän weiter in der Startelf haben wollen, und davon ist auszugehen, wird er im defensiven Mittelfeld einiges justieren wollen.
Außenverteidiger nicht offensiv genug
Das Hinterlaufen der Außenverteidiger, auch ein Element, das Klopps Fußball auszeichnet, waren im ersten Spiel noch nicht zu sehen. Im Fall des Freiburgers Philipp Treu war die Zurückhaltung in der Offensive vermutlich dem Umstand geschuldet, dass er bei seinem Debüt zunächst in der Defensive überzeugen wollte, und das war gegen den niederländischen Torschützen Cody Gakpo schwierig genug.
Xavi: "In der zweiten Halbzeit waren wir deutlich besser"