DHDL: „Mein Haus Digital“ sicherte sich einen der teuersten Deals
Unter Kennern der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ (kurz: DHDL) und der Startup-Szene ist es ein offenes Geheimnis: Die Show ist nichts für die größeren Deals. Dafür steht für alle Beteiligten dann doch zu viel auf dem Spiel, dafür ist es dann häufig doch alles komplexer als das, was in der Sendung verhandelt werden kann.
Viele Startups mit hohem Kapitalbedarf nutzen DHDL deshalb tatsächlich vor allem, um Bekanntheit zu erlangen – und nicht, um wirklich die dortigen Investoren zu überzeugen. Mitunter setzen sie den Preis der Anteile dann auch extra hoch an, damit nicht aus Versehen doch noch ein Deal gemacht wird.
Es sind genau diese Gedanken, die eben jenen Kennern beim Pitch der „Mein Haus Digital“-Gründerinnen gekommen sein dürften. Unternehmensberaterin Leonie Dowling und Architektin Carolin Krebber haben etwas tatsächlich völlig Neues entwickelt: eine Art digitalen Architekten für Menschen, die ein Haus renovieren wollen.
Das Modell errechnet den Zustand des Hauses, die notwendigen Maßnahmen und die zu erwartenden Kosten. Also all das, was sich sonst ein Architekt teuer bezahlen lassen würde. Zudem können Nutzer über das Tool auch gleich Hilfe bei der Beantragung der Baufinanzierung bekommen, darüber Genehmigungen einholen und sich ein komplettes Konzept für Handwerker erstellen lassen. Alles in allem sei man damit nicht nur zehnmal schneller, sondern auch zehnmal günstiger unterwegs, als mit einem Architekten, so die Gründerin.
„Ihr seid nicht teuer – ihr seid sehr teuer“
Recht schnell sind die Löwen allesamt begeistert von den Gründerinnen und ihrem Unternehmen – bis diese ihren Preis nennen. Denn sie fordern 425.000 Euro für nur fünf Prozent. Ein kollektives Stöhnen geht daraufhin durch die Sesselreihe der Löwen. „Ihr seid nicht teuer, ihr seid sehr teuer“, sagt Janna Ensthaler.
Häufig ist an dieser Stelle für die Gründer eigentlich schon vorbei: zu hoch zu pokern kommt bei den Löwen nämlich gar nicht gut an. Aber Dowling und Krebber können ihren Preis erklären. Und dann feuern sie eine beeindruckende Zahl nach der nächsten ab: voraussichtlicher Umsatz in diesem Jahr, im nächsten Jahr, im Jahr darauf, am Ende des Monats. Profitabilität?, fragt Janna Ensthaler. Im nächsten Jahr antworten die Gründerinnen.
Außerdem sei der Markt vielversprechend: immer weniger Menschen können es sich leisten, selbst zu bauen, also kaufen sie alte Häuser, können sich dann aber den Architekten nicht leisten. Hinzu komme, dass es international bisher noch kein Unternehmen wie ihres gebe. „Wir haben da einen Moment“, sagt Krebber. „Deshalb müssen wir jetzt schneller werden und auch in andere Länder expandieren.“
Löwen wittern großes Geschäft
Spätestens jetzt leuchten die Augen der Löwen, denn das riecht nach viel Geld. „Ihr startet eine Revolution und wir sind live dabei!“, jubelt Judith Williams und sieht – wie immer, wenn sie wirklich begeistert ist – die Schlagzeilen in der Presse vor sich: „Wir retten die Baubranche!“
Hinzukomme, dass nicht nur Privatpersonen von dem Modell profitieren, sondern auch Banken und Bausparkassen, denen so die Prozesse erleichtert werden. Auch von dieser Seite renne man den Gründerinnen „die Bude ein.“
Bleibt das teure Angebot: Die Gründerinnen wollen nicht nur viel Geld, sondern geben auch nur wenig Anteile, was auch daran liegt, dass es bereits Investoren gibt, die die Bewertung des Unternehmens hochgetrieben und den Kuchen verkleinert haben. Das sind die Löwen – zumindest bei DHDL – eigentlich anders gewohnt. „Ihr seid wie die Jacke, die ich im Laden sehe und die ich immer haben wollte, aber die 5000 Euro kostet“, fasst Ensthaler ihr eigenes Dilemma zusammen – und macht dann trotzdem ein Angebot: Sie wolle den Gründerinnen die geforderten 425.000 Euro geben, allerdings für zehn Prozent.
Maschmeyer und Ensthaler bündeln Kräfte
Ihr folgt Carsten Maschmeyer, der eigentlich erst nicht investieren wollte, aber nun das Angebot auf 500.000 Euro für zehn Prozent erhöht. Sowie Dagmar Wöhrl, die zunächst 425.000 Euro geboten hatte und jetzt ebenfalls auf 500.000 Euro erhöht.
Und dann tun sich Maschmeyer und Ensthaler auch noch zusammen und machen aus, dass sie 600.000 Euro für zehn Prozent bieten wollen – was Ensthaler dann aber eigenmächtig und in letzter Sekunde doch noch auf 500.000 Euro runterdrückt. Das würde reichen, sagt Ensthaler. Dafür bekommen die Gründerinnen schließlich zwei Löwen. Carsten Maschmeyer nimmt es hin – er sei bei diesem Deal ohnehin schon von seiner eigenen Wankelmütigkeit völlig überrumpelt.
Für die beiden Gründerinnen scheint es auszureichen: sie nehmen an – und lassen eine geknickte Dagmar Wöhrl zurück.
Doch wird der, für DHDL-Verhältnisse große Deal auch wirklich zustande kommen? Oder wird er platzen, wie es in dieser Kategorie häufig der Fall ist?
Mein Haus Digital mit zwei Löwen im Cap Table
Inzwischen sind rund sechs Monate zwischen Aufzeichnung und Ausstrahlung vergangen. Und sowohl die Gründerinnen als auch das Team von Carsten Maschmeyer bestätigen uns: es gab tatsächlich einen Deal. Maschmeyer und auch Ensthaler sind jetzt bei Mein Haus Digital an Bord. Sie hätten die Unternehmerinnen bereits mit Know-how und Kontakten in den Bereichen Social Media- und B2C- Marketing sowie für zukünftige Funding-Runden unterstützt, berichten sie. Leonie Dowling und Carolin Krebber klingen zufrieden: Die Zusammenarbeit sei bisher sehr gut und unkompliziert verlaufen, erzählen sie. „Es ist alles total nett“, so Dowling.
„Mich haben vor allem die beiden Gründerinnen begeistert“, teilt Carsten Maschmeyer mit. „Sie kommen aus der Praxis, kennen die Probleme der Baubranche und räumen mit unnötiger Bürokratie auf. Janna und ich waren uns schnell einig: Da wollen wir dabei sein!“
Next Stop: USA
Am Ende ist es für die Mein Haus Digital-Gründerinnen also ziemlich gut gelaufen. Carsten Maschmeyer sei ihr Wunschlöwe gewesen, verraten sie im Gespräch mit Gründerszene. Die Teilnahme an DHDL sei immer mit der Absicht gewesen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Da ein Funding über die Show aber einfach schwierig planbar sei (oft ist Gründern bis kurz vorher nicht klar, dass sie tatsächlich zum Dreh eingeladen werden), hatten sich die Gründerinnen vorher schon nach anderen Investoren umgeschaut.