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DHDL: Nach Pitch-Erfolg macht Cupped-Gründerin einen Rückzieher

Technologie

Sie will “die BH-Branche richtig aufräumen”: Dafür sucht Anna Lu einen Investor mit Know-how in der Fashion-Industrie. Bei “Die Höhle der Löwen” pitcht sie ihre Marke Cupped. Mit der stellt Lu BHs her, die genau passen sollen. „80 Prozent der Frauen leiden unter einem schlecht sitzenden BH“, erklärt sie den Löwen. Die klassischen Einheitsgrößen würden einzigartigen Körperformen nicht gerecht.

Lu hat einen Algorithmus entwickelt, mit dem Maschinen BHs auf den jeweiligen Menschen zuschneiden. Kundinnen teilen dafür ihre Maße im Online-Shop von Cupped. Mehr als 1000 Menschen habe Lu beliefert, 90.000 Euro Umsatz und 50.000 Euro Gewinn gemacht in den ersten Monaten. Die 36-Jährige, die Cupped noch ohne Mitarbeitende führt, bietet 200.000 Euro für zehn Prozent der Anteile ihres Unternehmens.

BH-Gründerin begeistert DHDL-Jury

“Da geht mein Textilherz auf”, kommentiert Juror und Snocks-Gründer Johannes Kliesch. “Und mein Busenherz geht erstmal auf”, sagt Investorin Judith Williams. “Dein Produkt ist für mich wie gemacht. Mein Busen ist schon mein Leben lang mein Problem. Und ich glaube, jede Frau fühlt da mit.”

Lu überzeugt mit einem souveränen Pitch und detaillierter Marktkenntnis. „Ich bin bullish, weil du mich so was von begeisterst. Vom Mindset, vom Auftritt, vom Produkt“, sagt Williams. „You’re a star.“

Auch Logistik-Unternehmer Ralf Dümmel lobt Lu: „Wirklich sowas von sympathisch, bodenständig, der absolute Hammer. Und Produktidee: sensationell.“ Investorin Janna Ensthaler findet die Gründerin „echt mega“.

Die Investoren meinen: Das Produkt funktioniert bereits am Markt, die Kundinnen sind zufrieden und bestellen erneut. Die eigentliche Herausforderung sehen sie darin, die Marke bekannt zu machen und den Erfolg zu beschleunigen.

Lu erhofft sich von möglichen Investoren eine Strategie dafür. “Was ich nicht so kann, ist Marketing. Und ich glaube, das ist zentral, um so ein Ding aufzubauen“, sagt sie. “Wir sind ja auch ein ganz, ganz kleiner Fisch in einem riesengroßen Teich.”

Zwei Löwen wollen in Cupped investieren

Am Ende passt Cupped nicht in Dümmels Portfolio. Ensthaler hält die Bewertung von zwei Millionen Euro für zu hoch. Carsten Maschmeyer hätte „allein wegen dir als Person“ bei Lu investiert. Er lässt aber Williams und Kliesch den Vortritt, da sie die näherliegenden Investoren seien. Die Mode-Unternehmer liefern sich einen Bieterwettstreit um die Unternehmerin. Beide wollen 200.00 Euro geben – allerdings für 30 Prozent des Unternehmens, also dreimal so viel, wie Lu anbietet.

„Ich habe im Teleshopping 600.000 Euro umgesetzt in Unterwäsche an einem Tag [sic]. Und ich glaube, ich bin die absolut beste Investorin für dich, weil ich den Unterwäschemarkt kenne. Wir können online, wir können Performance“, sagt Williams.

Kliesch verspricht ein Gehalt und: „Ich sehe dich, muss ich sagen, auf unserer Website. Da sind monatlich Millionen von Besuchern. Lass‘ deine Marke bei uns total integrieren. Ich will dir Zugang geben zu unserer Logistik, ich geb‘ dir Zugang zu all unseren Produzenten, ich geb’ dir Working-Capital.“

Lu entscheidet sich für Williams. In ihr sieht Lu die passendere Partnerin für den Aufbau von Cupped. „Ich würde gerne mit dir arbeiten, Judith, aber 30 Prozent ist zu viel.“ Sie verhandeln, bis sie sich einigen auf 200.000 Euro für 22,5 Prozent der Anteile.

Cupped-Gründerin stoppt später Deal mit Judith Williams

„Nach dem Deal war ich euphorisch“, sagt Lu im Gespräch mit Gründerszene. „Gleichzeitig hat es sich sehr unwirklich angefühlt. Für mich war es ungefähr so unwirklich, in der „Höhle der Löwen“ zu stehen, wie heute Abend plötzlich die Tagesschau zu sprechen.“

Williams sei ihre „absolute Wunschlöwin“ gewesen. „Wir haben sehr gute Gespräche geführt und ich war von ihrem gesamten Investment-Team extrem beeindruckt.“ Trotzdem „haben wir uns aber entschieden, das Unternehmen vorerst eigenständig weiter aufzubauen“.

Lu habe „im Nachgang sehr genau reflektiert, welchen Weg wir mit Cupped gehen möchten. Dabei sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir in dieser Phase unabhängig am besten aufgestellt sind.“

Hauptsächlich habe die Gründerin „strategische Unterstützung beim Markenaufbau gesucht“, sagt sie. „Wir haben sehr intensiv mit Judith und ihrem Team gesprochen. Letztlich war es eine sehr persönliche unternehmerische Entscheidung. Das hat nichts mit Judith zu tun. Ich schätze sie und ihr Team wirklich sehr. Wir hatten auch zuletzt noch Kontakt. Für unsere aktuelle Phase ist es einfach die beste Entscheidung.“ Konkreter könne sie die Gründe für das Platzen des Deals nicht erklären. Auf Anfrage von Gründerszene teilt Judith Williams mit: „Wir wünschen ihr viel Erfolg für die Zukunft.“

Marketing und neue Märkte für DHDL-Startup

Jetzt entwickle Lu Strategien bei Cupped: für Marketing, neue Produkte und später auch neue Märkte. Zunächst fokussiere sie sich auf den deutschen Markt. Der sei „riesig und bietet noch enormes Potenzial“, sagt sie. Eine Expansion in die DACH-Region liege nahe, „weil man dieselbe Sprache spricht und die BH-Märkte ähnlich sind“.

„Wir testen neue Kanäle, skalieren die, die funktionieren, und stellen andere wieder ein.“ Aktuell profitiere das Startup vor allem von Mundpropaganda. „Derzeit wachsen wir sehr stark organisch, weil wir viele Weiterempfehlungen erhalten“, sagt Lu. Ihr langfristiges Ziel: „Wenn es um BHs geht, möchte ich, dass Frauen, die mit ihrem BH frustriert sind, sofort an Cupped denken.“

Cupped dahin zu bringen, muss Lu jetzt also ohne Investor schaffen.

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