DHDL: Sie kam mit Eis - jetzt verkauft die Poppy's-Gründerin Fruchtpulver
Als Orange verkleidet steigt Gründerin Alena Kleeb in den Ring bei die „Höhle der Löwen“. Die 37-jährige Österreicherin will die Investoren von ihrem Startup überzeugen: einem Eis, das Kindern schmecken und Eltern ein gutes Gefühl geben soll. Für ihren Pitch hat sie sich eine kleine Box-Show ausgedacht. Ihre Freundin tritt als Industriezucker verkleidet gegen sie an – und die Orange geht als Siegerin hervor. „Ich möchte Industriezucker den Kampf ansagen!“
Hinter der auffälligen Inszenierung steckt für die Gründerin mehr als ein Gag. Schon vor ihrem Pitch ist sie sichtlich nervös, weint und sagt: „Es ist für mich die Chance des Lebens, weil ich an einem Punkt angekommen bin, wo es bei meinem Startup um alles geht.“ Finanziell sei die Situation gerade schwierig. Von dem Investment hänge deshalb viel ab – für Kleeb sei der Auftritt einer der wichtigsten „Fights“ ihres Lebens. Sie benötigt 40.000 Euro und bietet dafür 40 Prozent der Firmenanteile – und gewinnt schließlich gleich zwei Löwen für sich.
Gesundes Eis für Kinder
Die Idee entstand aus Alena Leebs Alltag als Mutter von zwei Kindern. Ihre Kinder lieben Eis, aber der hohe Zuckergehalt war ein Problem. Eines Nachts träumte sie von einer gesunden Eisfabrik. Am nächsten Morgen stand für sie fest: „Ich mach das jetzt, ich mach das real.“ So sei dann Poppy’s entstanden. Das Eis besteht aus Frucht und Gemüse, kommt ohne Industriezucker aus und ist glutenfrei, laktosefrei und vegan. Damit kommt der fruchtige Snack auf nur 60 Kalorien pro Stück.
Die Löwen dürfen zwei Sorten probieren: Erdbeer- und Mango-Eis. Ralf Dümmel ist zunächst positiv: „Besser als erwartet.“ Doch ihm fehle die Süße, sein Geschmack sei schlicht zu sehr an Industriezucker gewöhnt.
Auch Unternehmer Carsten Maschmeyer vermisst beim Geschmackstest Zucker und Fett. Snocks-Gründer Johannes Kliesch widerspricht den beiden: „Ich find’s super, super lecker.“ Allerdings überzeugt ihn nicht jede Sorte gleichermaßen. Erdbeere kommt bei ihm gut an, Mango dagegen weniger. „Man schmeckt die Gesundheit“, merkt Frank Thelen an. Für ihn gibt es deshalb noch einiges zu tun – von der Markenbildung über die Frage, wie man Kinder für das Produkt begeistert, bis hin zur Suche nach passenden Testimonials.
Details zur Produktion und zu den bisherigen Zahlen will Judith Williams wissen. Leeb erzählt, dass sie innerhalb von vier Monaten 10.000 Eis verkauft habe. Ihr Produkt sei unter anderem in Schwimmbädern, Supermärkten, Freizeiteinrichtungen und Familienhotels erhältlich. Für den Aufbau des Unternehmens hat die Gründerin bislang 10.000 Euro aus ihren eigenen Ersparnissen investiert – ein Gehalt zahlt sie sich nach eigenen Angaben bisher nicht aus.
Emotional wird es, als Alena Leeb vor den Löwen über ihre Vergangenheit spricht, denn vor rund zehn Jahren stand sie gemeinsam mit ihrem Mann vor einer Privatinsolvenz. Ein Buch von Frank Thelen habe ihr damals geholfen, diese schwierige Zeit zu bewältigen. Auch Judith Williams habe sie auf ihrem Weg als Unternehmerin inspiriert. „Ich habe Gänsehaut“, sagt Williams sichtlich bewegt.
Die zweifache Mutter will den nächsten Schritt gehen und aus ihrer Eis-Idee ein größeres Unternehmen machen. Bislang produziert und füllt sie ihr Eis am Wochenende selbst in einer Industrieküche ab. „Ich bin unter der Woche Mutter und Unternehmerin und am Wochenende nur Unternehmerin.“
TK wird zum Deal-Killer
„Toller Einsatz“, lobt Carsten Maschmeyer. Für ihn sei das Unternehmen allerdings nicht der richtige Case. Judith Williams zeigt sich ebenfalls beeindruckt: „Von Frau zu Frau bin ich Feuer und Flamme.“ Tiefkühlprodukte gehörten jedoch nicht zu ihrer Expertise. „Aber ich bin tief beeindruckt von dir“, sagt sie. Ralf Dümmel hat bereits in ein Tiefkühlprodukt investiert und dabei nach eigenen Worten viel gelernt – unter anderem, dass er nicht noch einmal in ein solches Produkt investieren wolle und steigt auch aus.
Auch Frank Thelen findet lobende Worte für die Unternehmerin, steigt aber ebenfalls aus. „Ich bin an der Tiefkühltruhe schon mal gescheitert“, sagt er. Dabei sehe er durchaus Potenzial in ihrem Unternehmen.
Johannes Kliesch will die Gründerin nicht ohne Angebot nach Hause schicken. „Ich denke immer, wenn ich die Höhle der Löwen geschaut habe – so Leute kann ich doch nicht ohne Deal rausgehen lassen“, sagt er. „Richtig“, stimmt Carsten Maschmeyer zu, obwohl der Unternehmer eigentlich schon ausgestiegen war.
Doppel-Deal mit Maschmeyer und Kliesch
Die beiden Männer beraten sich und entscheiden sich, gemeinsam ein Angebot abzugeben. „Solche Frauen wie du braucht dieses Land“, sagt Maschmeyer zu Leeb. Kliesch und Maschmeyer bieten ihr schließlich 40.000 Euro für 40 Prozent ihres Unternehmens. Leeb nimmt das Angebot an. Die Löwen umarmen die Gründerin, die sichtlich überwältigt ist und Freudentränen vergießt.
Wie ging es nach der TV-Aufzeichnung weiter? Gründerszene hat nachgefragt.
Pivot: Vom Eis zum Trockenpulver
„Mich haben ganz viele Nachrichten auf Social Media mit viel Zuspruch erreicht“, sagt die Gründerin im Gespräch mit Gründerszene. Darunter Eltern, Selbstständige und Mütter, die sich selbstständig machen wollen und denen Leebs Auftritt Mut macht. „Das ist wie ein Ritterschlag, schöner geht’s gar nicht.“
Der Deal sei zustande gekommen, verrät die Zweifach-Mutter und Unternehmerin. Nach der Show sei sie mit den Teams von Johannes Kliesch und Carsten Maschmeyer direkt in die Produktentwicklung eingestiegen. Das Ziel: Ein Poppy’s-Produkt zum Versenden erfinden.
Dass die beiden Löwen keine Tiefkühl-Profis sind, merkten Carsten Maschmeyer und Johannes Kliesch bereits in der Sendung an. „Der Grund für unsere anfängliche Zurückhaltung war die Kühlkette: Ein Produkt, das durchgehend tiefgekühlt transportiert werden muss, ist logistisch enorm aufwändig, deshalb sind die meisten Löwen zunächst ausgestiegen“, erklärt Kliesch auf Anfrage von Gründerszene. „Trotzdem haben Carsten und ich uns entschieden zu investieren, auch ohne zu wissen, wie die konkrete Lösung am Ende aussehen würde, weil wir an Alena als Gründerin geglaubt haben.“
Gemeinsam entwickelten sie eine neue Idee, so Kliesch: „Im Nachhinein kam relativ schnell die Idee zum Fruchtpulver, womit das Thema Kühlkette komplett wegfällt. Es gibt zwar bereits andere Anbieter mit einem Pulveransatz in Deutschland, aber noch keine gesunde Alternative speziell für Kinder, genau da setzt Poppy’s jetzt an.“
Das sei viel Arbeit gewesen: In den rund fünf bis sechs Monaten zwischen Dreh und Ausstrahlung musste die 37-jährige Alena Leeb ein komplett neues Produkt auf die Beine stellen, entwickeln, testen, produzieren lassen und einen passenden Logistikpartner finden. „Ich habe viel gelernt in dieser Zeit“, sagt Leeb.
Onlineshop statt Direktverkauf
Nun steht das neue Produkt von Poppy’s: Das Fruchtpulver in den Sorten Erdbeere, Banane oder Mango kann in Brei oder Joghurt eingerührt werden und sei ebenfalls vegan und zuckerfrei. Außerdem im Sortiment: Poppy’s Fruchteissticks zum selbst einfrieren.
Dabei setzt die Gründerin nun auf den Vertrieb durch einen eigenen Onlineshop. „Seit Beginn der Zusammenarbeit sind sowohl Carsten als auch ich persönlich eingebunden, gleichzeitig unterstützen aus beiden Teams jeweils die Expertinnen und Experten, die zum jeweiligen Thema gebraucht werden“, sagt Kliesch. „Beim Onlineshop ist zum Beispiel jemand dabei, der auch bei Snocks den Onlineshop verantwortet, beim Branding jemand, der auch bei Snocks das Branding macht, et cetera.“ Davon profitiert die Gründerin sehr, wie sie im Gespräch betont. „Für mich sind Carsten und Johannes viel mehr als nur Geldgeber. Sie sind Strategiepartner und stehen mir auch zur Seite, wenn es mir mal nicht so gut geht.“
Nun gilt es, die Kunden nun von ihrem Pulver zu begeistern, sagt Leeb. Schließlich sei sie in die Höhle mit einem gänzlich anderen Produkt gegangen. Sie stellt sich optimistisch dieser Herausforderung. Auch ihre Löwen sind positiv gestimmt. „Carsten und ich freuen uns riesig darüber, was da in den letzten Monaten gemeinsam gewachsen ist, und freuen uns schon auf die weitere Zusammenarbeit mit Alena und Poppy’s“, sagt Johannes Kliesch.