DHDL: Vier Löwen wollen dieses Startup - trotz 500.000 Euro Schulden
Eine Kreditkarte serviert auf dem Silbertablett. So beginnt der Pitch von Louisa Haisch, ihrem Bruder Victor Haisch und Ivo Lovrić. Die drei sind die Gründer von „Razeco“ und sagen bei „Die Höhle der Löwen“: Jede Woche würde ein Mensch so viel Plastik aufnehmen, wie sich in der Kreditkarte befinde. Über Wasser, Rasur und andere Hygieneartikel. Bei ihrem Rasierer soll das aber anders sein: Die austauschbaren Klingenköpfe des Berliner Startups sollen zu 99 Prozent aus biobasiertem Material bestehen, gewonnen aus Reststoffen anderer Industrien.
Rasieren – aber ohne Plastik
Der Griff bestehe dabei aus Stahl und sei bewusst etwas schwerer. „Das sorgt für mehr Kontrolle und erfordert weniger Druck beim Rasieren“, meinen die Gründer. Wichtig sei für das Team auch die Kompatibilität: Die Razeco-Aufsätze würden auf die Griffe verbreiteter Fünfklingen-Systeme für Männer und Frauen passen. Wer wechseln wolle, behalte also seinen alten Griff und tausche nur die Klinge. Kostenpunkt? Das Starterkit koste 14,99 Euro, im Abo liege der Preis bei 9,99 Euro.
Gute Marge, wenig Umsatz
Im Pitch zeigen sich die Löwen vom Produkt beeindruckt. Andreas Herb lobt vor allem Design, Haptik und Verarbeitung des Produkts. Auch die Marge des Produkts sei dabei gut. Das Starterkit koste in der Herstellung laut den Gründern 3,50 Euro, ebenso das Fünferpack an Ersatzklingen. Verkauft werde das Refill-Pack im Abo für 14,99 Euro, im Einzelkauf für 17,49 Euro. Die Klingen sollen dabei bis zu 50 Prozent günstiger sein als bei der Konkurrenz.
Beim Business wird es aber kritischer. Razeco habe im vergangenen Jahr rund 100.000 Euro umgesetzt, 33.000 Euro davon in den letzten drei Monaten. Und dass, obwohl das Startup bereits bei Rossmann in mehr als 700 Filialen gelistet sei. Die Löwen schauen skeptisch.
Vier von fünf Löwen wollen dabei sein
Der größte Haken kommt dann aber erst noch: In das Unternehmen seien laut dem Gründertrio bisher knapp 800.000 Euro geflossen. Und rund 500.000 Euro davon würden aus Darlehen von Familie und Freunden stammen – mit 15 Prozent Zinsen. Für die Löwen ein Problem. Ralf Dümmel steigt deswegen auch gleich aus, denn: „Wachstum kostet Geld, und die Zinslast bleibt noch lange im Unternehmen hängen.“
Die anderen Löwen lassen sich davon aber weniger abschrecken – sie sehen trotzdem das Potenzial. Jana Ensthaler und Andreas Herb bieten deswegen jeweils 30.000 Euro für 10 Prozent. Voraussetzung: Man verhandelt nochmal über das Darlehen nach. Judith Williams und Frank Thelen legen dann noch einen drauf: Sie bieten gemeinsam 100.000 Euro für 25 Prozent der Anteile. Vier von fünf Löwen machen also ein Angebot, das gibt es selten.
Wer den Zuschlag bekommt? Am Ende entscheiden sich die drei Gründer für das Angebot von Williams und Thelen. „Wir sind bewusst mit einer kleinen Summe reingegangen“, sagt Haisch. „Dass am Ende vier Angebote kommen und ein Betrag, der dreimal so hoch ist wie unsere Forderung, hatten wir nicht erwartet.“
Was nach der Sendung passierte
Ob der Deal am Ende aber wirklich zustande kam? Das stehe noch in den Sternen, meinen beide Parteien. Gründerin Haisch meint zu Gründerszene: „Nach der Aufzeichnung beginnt die eigentliche Prüfung und die Gespräche mit den Löwen laufen weiter. Wir sind gespannt, was die Zukunft bringt“.
Und auch Löwe Thelen meint zu Gründerszene: „Die drei Gründer von Razeco haben mich echt begeistert. Ihre Mission ist klar: dem Plastik im Badezimmer den Kampf ansagen. Genau solche Ideen brauchen wir! Seit der Aufzeichnung ist bei Razeco einiges passiert: Das Team hat vor allem die Verbindung zwischen Griff und Aufsatz neu konstruiert. Und ganz frisch ist Razeco jetzt auch in den USA bei Erewhon gelistet, der angesagten Premium-Supermarktkette aus Los Angeles. Stark!“
Aber er sagt auch, dass der Deal und eine Zusammenarbeit noch offen seien: „Das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben: Wir sind weiter im Austausch, und ich bin sehr gespannt, wohin die Reise geht.“