Diabetesgesellschaft rät zu früher und gezielter Prädiabetes-Vorsorge
Mehr als neun Millionen Menschen in Deutschland leben mit Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung beginnt oft unbemerkt mit dauerhaft erhöhten, aber noch nicht diabetischen Blutzuckerwerten, dem Prädiabetes. Daraus wird nicht zwangsläufig ein manifester Typ-2-Diabetes. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rät, das persönliche Risiko früh zu kennen, auffällige Werte ärztlich klären zu lassen und Vorbeugung am individuellen Risiko auszurichten.
Prädiabetes bedeutet Werte oberhalb der Norm, aber unterhalb der Diabetesgrenze. Der Verlauf unterscheidet sich dabei stark. Eine Arbeit von Robert Wagner und Kolleginnen und Kollegen in Nature Medicine beschrieb sechs Prädiabetes-Typen mit unterschiedlichem Risiko für Typ-2-Diabetes und Folgeschäden (DOI: 10.1038/s41591-020-1116-9). Weitere Untersuchungen des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung suchen Biomarker, die vorhersagen sollen, bei wem sich die Werte normalisieren und bei wem die Erkrankung voranschreitet.
DDG-Präsidentin Julia Szendrödi vom Universitätsklinikum Heidelberg spricht von einem Zeitfenster zum Gegensteuern und von Präzisionsprävention statt Einheitsangeboten. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes empfiehlt Untersuchungen für Menschen mit erhöhtem Risiko. Dazu zählen familiärer Diabetes, höheres Alter, viel Bauchfett, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Rauchen und früherer Schwangerschaftsdiabetes. Der Deutsche Diabetes-Risiko-Test des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) schätzt für Erwachsene ohne bekannten Diabetes das Zehnjahresrisiko.
Andreas Fritsche, Past-Präsident der DDG in Tübingen, will intensivierte Lebensstilprogramme auf Hochrisikogruppen konzentrieren. In der randomisierten Prediabetes Lifestyle Intervention Study (PLIS) senkte herkömmliche Lebensstiländerung das Leberfett bei Hochrisiko-Prädiabetes relativ um 24 Prozent, eine intensivere Intervention um 37 Prozent. Auch das berechnete Herz-Kreislauf-Risiko fiel unter der intensiveren Variante stärker (Diabetes, DOI: 10.2337/db21-0526). Wer Gewicht verlor und wieder normale Zuckerwerte erreichte, hatte zwei Jahre später ein um 73 Prozent geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes.
Bewegung verbessert die Insulinwirkung. Die DDG nennt auch kurze Einheiten über den Tag. Praxisempfehlungen nehmen Taillenumfang, Ernährung und Rauchen in den Blick. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren haben alle drei Jahre Anspruch auf den Gesundheits-Check mit Nüchternblutzucker, zwischen 18 und 35 einmalig. Bei erhöhten Werten rät die DDG zunächst zu einer Kontrolle nach drei Monaten, danach halbjährlich.
Zugleich fordert die Gesellschaft mit der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) bessere Rahmenbedingungen: Standards für Kita- und Schulessen, mehr Bewegung in Bildungseinrichtungen, weniger Werbung ungesunder Produkte an Kinder und eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke. Die direkten medizinischen Kosten bei diagnostiziertem Diabetes liegen etwa doppelt so hoch wie ohne Diabetes. Für 2024 wurden die diabetesbezogenen Ausgaben in Deutschland auf rund 36 Milliarden Euro geschätzt.
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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