Diagnose Darmkrebs: Rektumkarzinom auch bei jungen Menschen
Darmkrebs zählt zu den vier häufigsten Krebsarten in Deutschland. Rund 55.000 Menschen erkranken jährlich neu an einem Tumor im Bereich von Dickdarm und Enddarm. Bildet sich ein bösartiger Tumor im Bereich des Enddarms, spricht man von einem Rektumkarzinom.
Wie ein Rektumkarzinom entsteht
Ein Rektumkarzinom entwickelt sich häufig aus gutartigen Darmpolypen. Bis daraus ein bösartiger Tumor entstehe, können Jahre vergehen, erklärt Matthias Hoffmann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Alexianer Clemenshospital Münster. Die Behandlung sei häufig anspruchsvoll.
Je näher der Tumor am After sitze, desto schwieriger könne es sein, ihn zu entfernen und dabei den Schließmuskel zu erhalten, so Hoffmann.
Symptome, die auf Darmkrebs hinweisen
Tumoren im Darm verursachen anfangs meist keine Beschwerden. Mögliche Warnzeichen sind Blut im Stuhl und veränderte Beschaffenheit oder Stuhlgewohnheiten, etwa ein Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung. Auch Schleim im Stuhl, Schmerzen beim Stuhlgang sowie ungewöhnliche Müdigkeit und Gewichtsverlust können Warnzeichen sein. Halten solche Beschwerden an, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.
Aktuelle Daten zeigen: Krebs im Enddarm bleibt bei jungen Menschen selten. Doch die Erkrankungsrate steigt. Warum, ist noch nicht genau geklärt. Zu den vermuteten Ursachen und Risikofaktoren gehören hochverarbeitete Lebensmittel, Rauchen und Alkohol. Auch Übergewicht spielt eine Rolle. Bei manchen Menschen gibt es zudem eine erbliche Veranlagung. Wenn nahe Angehörige bereits in jungen Jahren Darmkrebs hatten, kann das eigene Risiko erhöht sein.
Wie ein Rektumkarzinom diagnostiziert wird
Besteht der Verdacht auf Darmkrebs, erfolgt eine Darmspiegelung. Auffällige Veränderungen können so entdeckt und kleine Polypen meist direkt entfernt werden. Bei verdächtigen Stellen entnimmt der Arzt Gewebeproben, die anschließend im Labor untersucht werden.
Erste Hinweise auf ein Rektumkarzinom kann bereits eine Tastuntersuchung beim Hausarzt liefern. Dabei wird der Mastdarm mit einem Finger über den After abgetastet.
Verschiedene Therapien bei Enddarmkrebs
Die Behandlung richtet sich nach der Lage des Tumors, wie tief er in die Darmwand eingewachsen ist und ob Lymphknoten und andere Organe befallen sind. Häufig wird das Karzinom operativ entfernt, manchmal ergänzt durch Chemotherapie und/oder Bestrahlung.
Bei einem lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom kann eine kombinierte Behandlung aus Chemotherapie und Bestrahlung den Tumor so weit zurückdrängen, dass auf eine Operation verzichtet werden kann. Der Patient wird dann engmaschiger überwacht (Watch-and Wait-Strategie).
Bestimmte Tumoren lassen sich auch mit zielgerichteten Medikamenten oder einer Immuntherapie behandeln. Eine Immuntherapie unterstütze die körpereigene Abwehr, Krebszellen gezielt zu bekämpfen, erklärt Hoffmann.
Ziel sei es, den Schließmuskel möglichst zu erhalten, so Hoffmann. Müsse er entfernt werden, sei ein künstlicher Darmausgang, ein Stoma, notwendig. Manchmal wird ein Stoma auch vorübergehend angelegt, damit sich der Darm von der Operation erholen kann.
Bei einem Stoma wird eine Öffnung in der Bauchdecke geschaffen und ein Stück des Darms nach außen geleitet. Der Stuhl gelangt durch diese Öffnung in einen Beutel, der auf der Haut befestigt ist. Betroffene müssen den Beutel regelmäßig entleeren und je nach Stoma-Versorgung auch selbst wechseln.
Das Leben mit einem Stoma bedeutet eine Umstellung, etwa bei der Körperpflege und bei der Gestaltung des Alltags. Und es erfordert etwas Übung in der Handhabung. Betroffene lernen das in der Regel bereits im Krankenhaus. Speziell geschulte Pflegefachkräfte zeigen ihnen, wie sie den Beutel selbstständig wechseln und die Haut rund um das Stoma pflegen.
Behandlung von Darmkrebs und Folgen
Nach der Behandlung kann sich die Darmfunktion dauerhaft verändern. Besonders nach einer tiefen Rektumoperation könne es zu Beschwerden kommen, erklärt Hoffmann.
Auch die Schließmuskelfunktion könne eingeschränkt sein, so Hoffmann weiter. Diese Beschwerden werden als LARS-Syndrom (Low Anterior Resection Syndrome) bezeichnet und können die Lebensqualität und den Alltag der Betroffenen beeinträchtigen.
Gute Heilungschancen bei früher Diagnose
Je früher ein Rektumkarzinom erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Kein Übergewicht, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, wenig Alkohol und der Verzicht auf Tabak senken das Risiko. Experte Matthias Hoffmann empfiehlt, regelmäßig die Darmkrebsfrüherkennung ab dem 50. Lebensjahrwahr zunehmen. Bei Beschwerden oder familiärer Vorbelastung sollte man sich früher ärztlich beraten lassen.